100 Jahre Klosterkirche der Schwestern vom Göttlichen Erlöser

Einblick in die Klosterkirche der Schwestern vom Göttlichen Erlöser in Wien, Hochaltar (c) ÖOK/km
Die erste Klosterkirche wurde 1864 errichtet und von Kardinal und Fürsterzbischof von Wien, Josef Othmar von Rauscher, geweiht. Sie bot Platz für rund 250 Personen, erwies sich jedoch angesichts der rasch wachsenden Kongregation bald als zu klein. Einen ersten Entwurf für eine Erweiterung der bestehenden Kapelle lieferte Pater Benedikt Hager, Prior des Stiftes Melk, der auch andere Sakralbauten für die Schwestern plante, unter anderem in Gleiß sowie die Kapelle im Krankenhaus Melk.

Die Schwesterngemeinschaft mit Erzbischof Josef Grünwidel (c) Susanne Stangl
Mit der Umsetzung und Weiterentwicklung dieses Konzepts beauftragten die Schwestern schließlich den renommierten Wiener Architekten Hans Prutscher (1873–1959). Er entwarf die heutige dreischiffige Kirche und prägte mit seiner Arbeit maßgeblich das Erscheinungsbild des gesamten Klosterensembles. Der Neubau begann am 12. Jänner 1925; die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 5. Mai desselben Jahres. Von der alten Kirche blieb die Straßenfassade erhalten, während dahinter in weniger als zwölf Monaten das verbreiterte und aufgestockte Kirchenschiff entstand. Am 20. Dezember 1925 wurde die neue Kirche von Kardinal Friedrich Gustav Piffl geweiht.
Die „Stickschwestern“ der Kongregation, die damals eine florierende Paramentenwerkstatt unterhielten, fertigten für den Anlass der Einweihung der Klosterkirche eine goldene Kasel, die auch beim Jubiläumsgottesdienst wieder Verwendung fand.
Bauplatz der Klosterkirche aus dem Jahr 1925 (c) Archiv der Schwestern vom Göttlichen Erlöser
Ein besonderes zeitgeschichtliches Dokument ist ein Foto vom Bauplatz, aufgenommen am 29. Mai 1925, das die enge Verbundenheit der Beteiligten eindrucksvoll widerspiegelt. In der Klosterchronik heißt es dazu:
Hochwürden Herr Bischof Dr. Diepen in der Mitte, Ehrwürdige Mutter Cäcilia [Wehner] rechts an dessen Seite, Schwester Vikarin links, an diese reihten sich die beiden Schwestern von der holländischen Aktion Schw. Maxentia und Schwester Rosa. Zur Seite der Ehrwürdigen Mutter kamen Herr Baumeister Wenz und Architekt Prutscher zu stehen. In der zweiten Reihe gruppierten sich die hochwürdigen Herren und noch einige Schwestern. Oberhalb am Gerüst waren in malerischer Weise die am Bau Beschäftigten, sowohl Männer als auch Frauen, zu sehen.
Der niederländische Bischof Arnold Frans Diepen stand in engem Kontakt mit der Kongregation, insbesondere durch das katholische Kinderhilfskomitee, das nach dem Ersten Weltkrieg Erholungsaufenthalte unterernährter österreichischer Kinder in den Niederlanden organisierte. Die Schwestern begleiteten die Kinder auf den Zugfahrten und richteten zudem ein eigenes Ferienlager in Gablitz ein, das durch Spenden aus Holland ermöglicht wurde.

Erzbischof Josef Grünwidl mit goldener Kasel, hergestellt in der ehem. Paramentenwerkstatt der Schwestern vom Göttlichen Erlöser in Wien (c) Susanne Stangl
Zur künstlerischen Ausstattung der Kirche gehört auch das Hochaltarbild aus der ursprünglichen Kapelle. Es stammt vom Historienmaler Carl Wurzinger (1817–1883) und wurde von Kardinal Rauscher gestiftet.
Hans Prutscher blieb dem Kloster auch über den Kirchenbau hinaus verbunden. Nach 1925 leitete er zahlreiche Umbauten und Adaptierungen am Mutterhaus und entwarf 1930 das benachbarte Exerzitienhaus. Für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Baukunst wurde ihm bereits 1926 von Papst Pius XI. der Orden des Heiligen Gregor des Großen verliehen.
Das 100-Jahr-Jubiläum der Klosterkirche erinnert somit nicht nur an ein bedeutendes Bauwerk, sondern auch an ein Jahrhundert gelebter Ordensgeschichte, internationaler Verbundenheit und architektonischer Qualität.
Text: Martina Lehner, Karin Mayer