Kultur & Dokumentation

Tagung der kirchlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekare

In der traditionsreichen Arbeitsgemeinschaft katholisch-theologischer Bibliotheken (AKThB) gab die österreichische Landesgruppe und ihr frischgewählter Vorstand am 8./9. März 2012 ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Im Stift St. Florian fand in Kooperation mit dem Referat für die Kulturgüter der Orden eine Tagung kirchlicher Bibliothekarinnen und Bibliothekare statt. Die 18 TeilnehmerInnen vertraten die österreichischen Diözesanbibliotheken, Universitätsbibliotheken und Kloster- und Ordensbibliotheken.

Nach der Begrüßung durch Herrn Professor Karl Rehberger CanReg eröffnete der Vorsitzende der AKThB Österreich, Ingo Glückler (Leiter der Bibliothek der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz) die Tagung mit einer Einführung zur Geschichte der AKThB. Diese ist 1947 aus der „Buchhilfe deutscher Ordensbibliotheken“ hervorgegangen. Die AKThB ist heute in Deutschland in allen Fragen des kirchlichen Bibliothekswesens fachlich involviert und berät in dieser Materie auch die Deutsche Bischofskonferenz. 40% der Mitgliedsbibliotheken sind Ordensbibliotheken.

Die AKThB betreibt für die Mitgliederbibliotheken einen virtuellen Katalogverbund (VThK), eine Predigtdatenbank (PThK) und den Kirchlichen Dokumentenserver (KiDokS). Die österreichischen kirchlichen Bibliotheken sind in der AKThB noch nicht sehr zahlreich vertreten, es ist aber beabsichtigt, durch eigene österreichische Jahrestagungen und Kooperationen auch hierzulande eine starke Sektion aufzubauen. Deren Aufgaben läge in Kooperationen, möglicherweise im Erwerb von Generallizenzen für Bibliotheksprogramme sowie im Angebot fachlicher Weiterbildung. Der erste AKThB-Grundkurs für kirchliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare findet von 16. bis 20. Juli 2012 in Linz statt (Näheres finden Sie hier).

Karin Schamberger von der Bibliothek der Erzdiözese Salzburg referierte über die Leitlinien zur Bewahrung gefährdeter kirchlicher Bibliotheksbestände, in der die Deutsche Bischofskonferenz 2009 die Diözesanbibliotheken beauftragt hat, Bücher anderer kirchlicher Einrichtungen, auch aufgelöster Ordensniederlassungen, zu übernehmen. Frau Schamberger erörterte die Situation und Aufgaben der österreichischen Diözesanbibliotheken. Eine der Aufgaben einer Diözesanbibliothek wäre auch das Sammeln von Belegexemplaren von Schriften kirchlicher Funktionsträger und Einrichtungen, wie etwa der Pfarrbriefe. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, wo Belegexemplare von Ordenspublikationen, insbesondere kleinere Periodika, gesammelt werden und ob hier nicht auch im klösterlichen Bereich an die Bildung von Schwerpunktbibliotheken zu denken wäre.

Helga Penz erläuterte in ihrem Beitrag die Situation der österreichischen Kloster- und Ordensbibliotheken und wies darauf hin, dass allein für die im Fabian-Handbuch der historischen Buchbestände und auf www.klosterbibliotheken.at aufgelisteten 60 Klöster ein Bestand von rund 3,8 Millionen Bänden in klösterlicher Überlieferung nachgewiesen ist. Gerade der wertvolle, aber schwierig zu betreuende Altbestand stellt die Klöster vor große Herausforderungen, insbesondere bei der Auflösung von Niederlassungen und der Schaffung neuer Zentralbibliotheken. Beim Aufbau und der Betreuung von Bibliotheken, auch an neuen Niederlassungen oder Provinzsitzen, können Orden von einem Zusammenschluss wie der AKThB nur profitieren.

Da durch die großen strukturellen Veränderungen sowohl in den Diözesen wie in den Orden die kirchlichen Bibliotheken vor großen Herausforderungen stehen, diese aber kaum durch eigene Ressourcen zu bewältigen sind, gab der Gastreferent Herr David Röthler von PROJEKTkompetenz.eu eine detailreiche und sehr anregende Einführung in die Förderprogramme der EU.

Unter dem Titel „Die kirchliche Bibliothek – der unbekannte Ort“ wurde von Ingo Glückler, Karin Schamberber und Sonja Führer (Stiftsbibliothek St. Peter) eine Diskussion zu aktuellen Themen im kirchlichen Bibliothekswesen Österreichs geleitet. Angesprochen wurden die Fragen der öffentlichen Positionierung und Imagepflege, der Profilbildung insbesondere der Diözesanbibliotheken, der Funktionswandel von Konventbibliotheken, die Ablieferung von Pflicht- und Belegexemplaren, der Stellenwert von Online-Zugriffen und elektronischen Medien besonders bei kleineren Bibliotheken, die Übernahme von Ordensbibliotheken in andere Bibliotheken und vieles mehr.
Den Abschluss der Tagung bildete eine kundige und abwechslungsreiche Führung durch die reiche St. Florianer Stiftsbibliothek durch den Bibliothekar Friedrich Buchmayr, der den TagungsteilnehmerInnen Einblicke in seine Arbeit und in die Zimelien des Hauses gewährte.

Viele Themen wurden angesprochen und werden die kirchlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekare auch weiterhin beschäftigen. Es wurde beschlossen, jährlich Tagungen der AKThB-Österreich abzuhalten.

Herbsttagung 2011: Bestandserhaltung

Im Rahmen der alljährlichen Herbsttagung des österreichischen Ordensgemeinschaften fand am 23. November 2011 die Informationstagung des Referats für die Kulturgüter der Orden statt, an der rund 50 Ordensleute bzw. ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilgenommen haben. Die Stimmung war sehr gut, die Diskussion sehr lebhaft.

Thema war die Handhabung und Pflege von Kulturgut in Archiven, Bibliotheken und Sammlungen.

Ilse Entlesberger, Restauratorin im Niederösterreichischen Landesarchiv, referierte über die richtige Archiveinrichtung, Lagerung und Verpackung von Archivalien.

Susanne Fröhlich aus dem Österreichischen Staatsarchiv behandelte in ihrem Vortrag das Projekt der digitalien Langzeitarchivierung.

Die Mitarbeiter von P. Peter van Meijl, Provinzarchiver der Salvatorianer, Doris Fries und Robert Passini, berichteten über die Inventarisierung und Identifizierung von Fotos von Ordensleuten.

Eva Voglhuber vom Kunstreferat der Diözese Linz gab praktische Hinweise zur richtigen Aufbewahrung und Pflege von Bildern, Statuen, Paramenten und liturgischem Gerät. Zu diesem Thema wird sie ausführlicher auch beim Seminar ""Einführung in die Sammlungspflege"" am 22-23. März 2012 in Linz sprechen.

Anton Knoll von der Österreichischen Nationalbibliothek behandelte das Thema ""Bücher im Gebrauch - Bibliotheksbestand fit machen für die Benützung.""

Sie können die Präsentationen unserer ReferentInnen im Anhang herunterladen, ebenso die Liste der Firmen, die Fachbedarf für die Bestandserhaltung von Kulturgut anbieten.

Zum Vortrag von Frau Voglhuber finden Sie Unterlagen auf der Website des Kunstreferats der Diözese Linz.

Chronik des Stiftes Heiligenkreuz

Das über 700 Seiten umfassende, reich bebilderte Buch über die Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz wurde vom Autor Werner Richter, einem langjährigen Angestellten des Stiftes unter anderem in der Funktion des Museumsdirektors, ganz in der Tradition der Klosterchroniken verfasst. Das reichhaltige Material zur Geschichte des Klosters, seiner Schulen, seiner Kunst, seiner Wirtschaft und vielem mehr ist im ersten Teil jahresweise gegliedert dargestellt wie früher in den Klosterannalen. Ergänzt wird dieser chronikale Teil durch sehr materialreiche Beiträge zu verschiedenen Themen wie zur Geschichte von Wald und Jagd, vom Hallenchor und den Grabinschriften, von Kaisern und Künstlern. Dass zugunsten der Lesbarkeit auf einen Anmerkungsteil verzichtet wurde, wird für den Geschichtsforscher ein kleiner Wermutstropfen sein, über den hinweg tröstet, dass auch der Zeitgeschichte viel Platz eingeräumt wurde und man so auch viel zur jüngeren und jüngsten Geschichte des Stiftes erfährt. Für die Heiligenkreuzer wird das Buch ein unersetzliches Vademecum werden, für alle anderen ein schier unerschöpfliches Nachschlagwerk.

Werner Richter, Historia Sanctae Crucis. Beiträge zur Geschichte von Heiligenkreuz im Wienerwald 1133-2008 (Heiligenkreuz: BeBe-Verlag 2011), ISNB 978-3-902694-12-6

Nähere Informationen finden Sie hier.

 

Kreuzschwestern bewahren kulturelles Erbe

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz in Graz feierten am Fest Kreuzerhöhung das 120jährige Jubiläum ihrer Klosterkirche. Nach dem Festgottesdienst wurden die Kirchenschätze der Schwestern in einer kleinen Ausstellung gezeigt. Ornate, Mesbücher, Kelche, Monstranzen und Reliquiare sind Kostbarkeiten, die im Orden gewürdigt und mit Sorgfalt verwahrt werden. Sogar die ehemaligen Seitenaltäre und die Kanzel der Kirche, die 1970 entfernt worden waren, sind auf dem Dachboden sicher untergebracht.
Im Kloster der Kreuzschwestern in Linz übergab am 13. Dezember 2011 das Team des Kunstreferats der Diözese Linz (Frau Eva Voglhuber und Frau Judith Wimmer) das Kunstinventar des Hauses an Sr. Oberin Chrstine Geyrhofer. Das Kunstinventar umfasst vor allem religiöse Kunst wie Andachtsbilder und Heiligenstatuen, aber auch Reliquien und Devonationalien. Die Reichhaltigkeit des Kunstinventars zeigt, dass nicht nur die sogenannten ""alten Orden"" ein kulturelles Erbe bewahren. Auch die Überlieferung aus dem Glauben und Wirken eines Ordens im 19. und 20. Jahrhundert ist ein kostbares Zeugnis, das der Verkündigung dienen und das Wissen um die Geschichte des Ordenslebens in die nächste Generation tragen soll.

 

Michael Grünwald (1967–2011)

Wir trauern um unseren Kollegen Michael Grünwald. Der engagierte Kunsthistoriker hat mehrere Jahre in der Graphischen Sammlung des Stiftes Göttweig mitgearbeitet und erst vor wenigen Monaten eine neue Anstellung in der Albertina angetreten. Er war der klösterlichen Forschung verbunden geblieben, ein Vortrag bei einem Seminar des Referats für die Kulturgüter war bereits vereinbart. Er starb am Sonntag, 13.November 2011, völlig unerwartet im 45. Lebensjahr. Mit uns trauern viele Kollegen und Freunde. 

 

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