09. November 2015

Hildegard Burjan-Archiv erschlossen

Nachdem 2012 das Seligsprechungsverfahren Hildegard Burjans (1883-1933), die 1919 die Schwesterngemeinschaft gründete, erfolgreich abgeschlossen wurde und Sr. Elisabeth Graf 2015 ihre Zuständigkeit für das Archiv abgab, wurde eine Überarbeitung sowie Neuordnung der Bestände notwendig. Im Auftrag von Sr. Susanne Krendelsberger (Generalleiterin der Caritas Socialis) und durch Vermittlung von Frau Dr. Helga Penz (Referat für die Kulturgüter der Orden) wurde Katja Almberger, Studentin des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Anfang März 2015 mit diesem Projekt betraut.
Das zeithistorisch interessante Archiv umfasst einerseits Teile aus dem Nachlass Hildegard Burjans und ihrer Familie (eine große Sammlung persönlicher Korrespondenzen, persönliche Gegenstände sowie Schriftgut, das ihr soziales und politisches Wirken, vor allem als Leiterin der Caritas Socialis, wiederspiegelt). Andererseits nehmen die Akten die im Zuge des Seligsprechungsverfahrens (1963-2012) ins Archiv gekommen sind einen großen Teil ein. Hinzu kommt noch die aktuelle Dokumentation über Hildegard Burjan und ihre Seligsprechung.
Die Bestände wurden geordnet, in einem Findbehelf verzeichnet und fachgerecht in Archivkartons verpackt. Dabei unterstützten Sr. Elisabeth Graf und Sr. Gertraud Rabl das Projekt mit ihrem Hintergrundwissen tatkräftig. Das fertig bearbeitete Archiv konnte zusammen mit dem Findbehelf am 27. Oktober 2015 übergeben werden.

Katja Almberger

21. Oktober 2015

Neuer Mitarbeiter im Stiftsarchiv Wilten

Mein Name ist Mag. Dieter Bernhard Liebmann, ich wurde 1973 in Innsbruck geboren und bin seit 15.1.2015 im Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten als Archivassistent angestellt.
Nach der Matura am Meinhardinum des Stiftes Stams 1992 studierte ich an der Uni Innsbruck ursprünglich Geschichte und Volkskunde, habe aber bald zum Studium der Psychologie (mit Wahlfach Volkskunde) gewechselt und dieses 2001 abgeschlossen. Parallel dazu studierte ich Klassische Archäologie (ohne Abschluss). Passend zur psychologischen Ausbildung war ich lange in mehreren sozialen Bereichen beruflich tätig – insbesondere von 1999 bis 2014 als Betreuer von Menschen mit Behinderung.
Nichtsdestotrotz waren und sind meine eigentlichen „Leidenschaften“ schon immer dem geschichtlichen Bereich zuzuordnen: Insbesondere seit 1990 private und zum Teil auch auftragsmäßige Genealogie samt dem Zeichnen von Stammbäumen, sowie Kalligraphie seien als Schwerpunkte genannt. Dadurch eignete ich mir quasi autodidaktisch das Lesen „alter Schriften“ an und konnte meine Fähigkeit, mir jedes Datum sofort zu merken („Zahlen-Synästhesie“) bzw. meine Faszination für Daten im Allgemeinen voll ausleben.
Im Jahre 2014 wurde mein Wunsch nach beruflicher Veränderung immer größer und so bin ich dem Stift Wilten für die Chance, in diesem Bereich tätig zu sein, sehr dankbar.
Dieter Bernhard Liebmann

31. August 2015

Bibelstudium und Predigt bei den Dominikanern

Bibelstudium und Predigt bei den Dominikanern – Geschichte, Ideal, Praxis.
(Drittes Isnard Frank-Kolloquium zum 800. Gründungsjubiläum des Predigerordens)
Dominikanerkonvent Wien, 27.-29. Oktober 2016
Veranstalter:Dominikanerkonvent Wien, Dominikanisches Historisches Institut Rom, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien / Institut für Historische Theologie

Humbert von Romans, Generalmagister der Predigerbrüder von 1254 bis 1263, hielt in seinem Werk De eruditione praedicatorum jene ursprüngliche Überzeugung des Ordens fest, wonach das Studium der Heiligen Schrift die Grundlage der Ausbildung eines Predigers sei. Der Orden verlangte von den Brüdern, die sich der Verkündigung des Wortes Gottes widmen wollten, eine solide Vorbereitung auf diese Aufgabe. Die Lektoren der Theologie an den verschiedenen Stufen des dominikanischen Studienwesens sollten in erster Linie Fachleute in Sacra Scriptura sein. Aus der intensiven Beschäftigung einiger Dominikaner mit der Bibel entstanden Pionierarbeiten wie z.B. die Bibelkonkordanz und Postille des Kardinals Hugo von St. Cher (†1263), zahllose Bibelkommentare, die aus den Vorlesungen an den Studienhäusern hervorgingen, ganz zu schweigen von den im Pariser Konvent St. Jacques erstellten Bibelkorrektorien, die das frühe Interesse für die Textkritik dokumentieren. Alle diese exegetischen Bemühungen standen gleichwohl im Dienst der Predigtausbildung. Schriftauslegung und Predigt waren daher die zwei Seiten der einen Medaille in der dominikanischen Ausbildung und im pastoral-missionarischen Selbstverständnis des Ordens.
Aus Anlass der Gründung des Dominikanerordens vor 800 Jahren möchte das kommende Isnard Frank-Kolloquim, das vom 27. bis zum 29. Oktober 2016 in Wien stattfinden wird, das Verhältnis von Schriftauslegung und Predigt im Laufe der 800 Jahres des Bestehens des Ordens beleuchten. Dabei soll aus verschiedenen Blickwinkeln aufgezeigt werden, welche Stellung das Bibelstudium im Predigerorden in den verschiedenen Epochen einnahm, wie das Verhältnis zwischen exegetischen und bibeltheologischen Studien einerseits und der Verkündigungspraxis andererseits aussah oder inwiefern die dominikanische Predigt auf exegetischer Grundlage basierte.
Als mögliche Themen bieten sich etwa die Untersuchung bibelhermeneutischer Werke aus der Feder von Dominikanertheologen an oder die Masse der dominikanischen Schriftkommentare. Ebenso Predigthandbücher und Predigten selbst, die auf ihre Rolle als Verkündigung und Schriftauslegung hin befragt werden können. Markante Gestalten in der Ordensgeschichte haben das Ideal des Schriftauslegers und Predigers in wissenschaftlicher, aszetischer gelegentlich auch politischer Form geprägt. Darüber hinaus bieten sich Untersuchungen der institutionellen Voraussetzungen innerhalb des Ordens für das Schriftstudium an, angefangen von den frühen Studienhäusern bis hin zur École biblique von P. Lagrange, ferner die pädagogisch-kulturellen Einflüsse, denen sich der Orden in der Predigerausbildung aussetzte, und sein Ringen um die angemessene Übersetzung von Gottes Wort in die jeweilige Zeit.
Der Call for Papers richtet sich an Historiker, Bibelwissenschaftler und Pastoraltheologen gleichermaßen, um ein breites, möglichst repräsentatives und dennoch differenziertes Bild zu erhalten. Der Untersuchungszeitraum ist nicht auf das Mittelalter begrenzt, vielmehr sind gerade auch Beiträge willkommen, die sich mit der Thematik in der frühen Neuzeit und in den beiden letzten Jahrhunderten befassen.
Die vorgesehene Redezeit ist 30 Minuten mit anschließender Diskussion.
Wir bitten Interessentinnen und Interessenten, ihre Themenvorschläge mit Abstract (maximal eine DIN A4 Seite) bis 1.1. 2016 an die unten genannte Adresse zu senden:

P. Dr. Viliam Štefan Dóci OP
Istituto storico domenicano
Largo Angelicum, 1
I-00184 Roma
E-Mail: istitutostorico_presidente@pust.it

Quelle: http://ordensgeschichte.hypotheses.org/10171

 

26. Mai 2015

Restaurierung der Stiftsbibliothek St. Florian

Im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ist die Restaurierung der Stiftsbibliothek geplant. ""Bevor wir jetzt so richtig losstarten können, ist es erst einmal wichtig, den genauen Zustand der Bibliothek und der einzelnen zu restaurierenden Objekte zu erheben"", erläutert Stiftsbibliothekar Prof. Karl Rehberger gegenüber der Stiftszeitung FLORinside in der neusten Ausgabe (Mai 2015). Restauriert werden die Holzregale, das Deckenfresko und die Bücher. Nach der Befundung durch die Restauratoren werden in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt die konkret notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung der Stiftsbibliothek erarbeitet. Die Herausforderung ist beachtlich, denn die Bibliothek umfasst 160.000 Bücher, darunter 1000 mittelalterliche Handschriften und 800 Inkunabeln. Etwa 35.000 Bände befinden sich im Barocksaal, die übrigen füllen Regale in insgesamt zwölf Depots. Die Finanzierung des Projekts soll auch über Spenden gesichert werden. Der Kaiserball im Stift am 20. Juni 2015 wird die Auftaktveranstaltung zur offiziellen Spendenaktion sein.

10. März 2015

Reliquien - Bericht über einen Studientag am 2. März 2015

Am 2. März 2015 trafen einander 25 Ordensleute und MitarbeiterInnen in klösterlichen Sammlungen und Paramentenwerkstätten in ganz Österreich, um sich dem Thema Reliquien zu widmen. P. Klaudius Wintz, Sammlungskustos des Stiftes Kremsmünster, zeigte den reichen Reliquienbestand seines Hauses und erläuterte anregend und spannend ihre Geschichte, ihre Bedeutung und ihre Tradition. Die TeilnehmerInnen selbst hatten Beispiele aus den eigenen Sammlungen mitgebracht und präsentiert. Dabei tauchten wahre Kleinodien einer tief im Ordensleben verwurzelten Reliquienfrömmigkeit auf, die auch ihren kunsthandwerklichen Reiz und kulturhistorische Bedeutung hatten. So etwa war ein gesticktes Kniepölsterchen der heiligen Anna mit anhängender Authentik zu bestaunen. Auch viele kleine und unscheinbare, aber sehr rare Stücke wurden gezeigt. Besonders aus dem Besitz der Frauenorden tauchten ganz neue und unbekannte Kleinformen von Reliquien und Kontaktreliquien auf.

Am Nachmittag erklärte Frau Mag. Eva Voglhuber vom Kunstreferat der Diözese Linz anhand zweier Projekte Umgang und Zugang zu Reliquien als kulturhistorisches Erbe. Wichtig dabei ist das Wissen um Geschichte und Tradition des eigenen Bestandes, der auch zu mehr Wertschätzung und pfleglichem Umgang führt. Anhand der Restaurierung eines Katakombenheiligen aus der ehemaligen Ursulinenkirche in Linz erläuterte Frau Voglhuber auch die konservatorischen Herausforderungen.

P. Ewald Volgger, Professor für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, widmete sich in seinem Vortrag nicht nur der historischen, theologischen und kirchenrechtlichen Dimension der Reliquienverehrung, sondern auch ihrem heutigen Stellenwert in der Kirche. Er beeindruckte die TeilnehmerInnen durch die Präsentation der Reliquien Franz Jägerstätters und seinem Bericht, wie trotz der Absicht des NS-Regimes, die Erinnerung an jeden Widerstand durch die Vernichtung und Unkenntlichmachung der sterblichen Überreste des Hingerichteten auszulöschen, sich Mutige gefunden hatten, die die Urne eindeutig bezeichneten, sodass heute Reliquien erhalten sind.

Das Thema Reliquien wird die Orden auch weiterhin beschäftigen, denn nahzu jede Gemeinschaft hat einen Reliquienbestand aus früheren Zeiten "geerbt" und muss einen Weg finden, heute damit umzugehen.

Eine Zusammenfassung der beiden Vorträge finden Sie im Anhang. Einen Bericht mit Fotos finden Sie auch auf der Website des Kunstreferats der Diözese Linz.

27. Januar 2015

Digitale Archivierung - Bericht über den Studientag am 26.1.2015

Großen Andrang gab es beim diesjährigen Studientag der Fachgruppe der Archive der Kirchen und Religionsgemeinschaften im Verband Östereichischer Archivarinnen und Archivare, der jährlich in Kooperation mit der ARGE Diözesanarchive und dem Referat für die Kulturgüter der Orden stattfindet. 38 TeilnehmerInnen und Teilnehmer sowie zwei Referenten (der Vortrag von Susanne Fröhlich vom Österreichischen Staatsarchiv musste wegen Erkrankung der Referentin leider entfallen) trafen einander am letzten Jännermontag im Archiv der Erzdiözese Salzburg. Die Frage nach der Archivierung digitaler Unterlagen war allen ein großes Anliegen. Wenngleich die Ausgangslage in den Archiven der österreichischen Glaubensgemeinschaften sehr unterschiedlich ist, stehen die meisten doch vor dem Problem kleiner Archivverwaltungen mit nur geringen personellen und finanziellen Ressourcen. Der Referent Christian Keitel vom Landesarchiv Baden-Württemberg, ein Kenner der Materie, riet daher auch zu Kooperation. Eine kurze Zusammenfassung seiner Ausführungen sowie des Vortrags von Alexander Würflinger, Leiter der IT-Abteilung der Erzdiözese Salzburg, finden Sie im Anhang.

Der Studientag schloss mit der Vereinbarung, dass die Fachgruppe im Rahmen des nächsten österreichischen Archivtags am 20./21. Oktober 2015 in Graz wieder ein Treffen veranstalten wird. Zur weiteren fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema digitale Archivierung soll ein gemeinsamer Workspace eingerichtet werden. Der nächste Studientag wird am 25. Jänner 2016 wieder in Salzburg stattfinden.

26. Januar 2015

Ordensjubiläen 2015

Vor ungefähr 1300 Jahren
715 wurde die Benediktinerinnenabtei Nonnberg gegründet und ist damit eines der ältesten Frauenklöster der Welt. Gründungsäbtissin war die hl. Erentrudis, die im Jahr 712 nach Salzburg kam und 718 verstarb. Da der Gründer, der hl. Rupert, im Laufe des Jahrs 715 Salzburg verließ und an seinen Bischofssitz Worms zurückkehrte, wird angenommen, dass spätestens in diesem Jahr die Klostergründung abgeschlossen war.

Vor 900 Jahren
1115 wurden die französischen Zisterzen Clairvaux und Morimond gegründet. Clairvaux ist die Mutterabtei der österreichischen Zisterzienserklöster Rein, Wilhering, Neukloster und Schlierbach, weiters von Heiligenkreuz, von wo aus Zwettl und Lilienfeld besiedelt wurden. Die Zisterzienser, ein benediktinischer Reformorden des 12. Jahrhunderts, hatten zur Absicherung ihrer besonderen Lebensweise einen Ordensverband gegründet, in dem die Äbte der Mutterabteien regelmäßig ihre Tochtergründungen visitierten. Alle Äbte traten außerdem jährlich zu Generalkapiteln zusammen, eine Neuerung gegenüber den bis dahin unabhängigen und selbstständigen Mönchsklöstern. Erst in der Neuzeit wurde das Filiationssystem von Zisterzienserkongregationen abgelöst.

Vor 875 Jahren
1140 wurde das Stift Seckau gegründet. Erzbischof Konrad I. von Salzburg war ein Förderer der Chorherren-Bewegung. 1122 nahm der Salzburger Domklerus die Augustiner-Regel an, in der ganzen Diözese entstanden Kanonien. Wahrscheinlich angeregt durch den Erzbischof, stiftete Adalram von Waldeck 1140 nahe seiner Eigenkirche St. Marein bei Knittelfeld (Obersteiermark) das erste steirische Chorherrenstift. In der Stiftungsurkunde vom 10. Jänner 1140 heißt es, Adalram habe die Stiftung vorgenommen, um Verzeihung seiner Vergehen und die Gnade der göttlichen Vatergüte zu erlangen. Das Chorherrenstift wurde 1782 aufgelöst und 1883 von Beuroner Benediktinern wiederbesiedelt.

Vor 825 Jahren
1190 wurde der Deutsche Orden im Heiligen Land in Akkon gegründet. Akkon war eine bedeutende galiläische Hafenstadt. Sie war Sitz eines lateinischen Bischofs und Hauptstadt des von den Kreuzfahrern begründeten Königreichs Jerusalem. Die Stadt war vom Sultan zurückerobert worden und stand 1190 unter Belagerung. Der Deutsche Orden wurde als Hospitalbruderschaft gegründet und entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren zu einer ritterlichen Gemeinschaft. Im Rahmen eines kleinen Symposiums mit Festakt wurde am 7. Februar 2015 ein neuer Katalog der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien präsentiert.

Vor 800 Jahren
1215 legten der hl. Dominikus und seine Gefährten ihre Gelübde ab, im darauf folgenden Jahr wurde der neue Predigerorden vom Papst bestätigt. Im Jahr 2016 wird also das große Jubiläum der Gründung des Dominikanerordens gefeiert werden.

Vor 500 Jahren
1515 wurde Teresa von Avila geboren. Aus der kränklichen, Ritterromane verschlingenden spanischen Halbwaisen, die gegen den Willen des Vaters in ein Kloster eintrat, wurde eine große Visionärin und Ordensgründerin. Vom Karmel in Avila aus reformierte sie den Karmelitenorden und initiierte zahlreiche Neugründungen (Unbeschuhte Karmelitinnen und Karmeliten, heute: Teresianischer Karmel). Sie hinterließ mehrere Schriften und wurde als erste Frau zur Kirchenlehrerin erhoben. Wer sich von der heiligen Teresa durch ihr Jubiläumsjahr begleiten lassen möchte, dem sei die App empfohlen, die der österreichische Teresianische Karmel kostenlos anbietet und der im AppStore oder bei GooglePlay heruntergeladen werden kann (unter dem Namen STJ500).

Vor 475 Jahren
1540 starb Angela Merici. Sie war Tochter einer angesehenen Familie, die am Gardasee lebte, und suchte nach einem religiös-sozialen Engagement im Geist des hl. Franziskus. Sie wurde Franziskanertertiarin und arbeitete gemeinsam mit anderen Frauen in den Sozialeinrichtungen einer Bruderschaft in Brescia, einem Spital, einem Waisenhaus und einem Frauenhaus. Sie lebte mit den Frauen gemeinsam unter einem Dach, gefördert von einer reichen Witwe, man teilte Arbeit und Gebet. Schließlich gründete Angela Merici 1535 offiziell die Gesellschaft der hl. Ursula, die erste Frauengemeinschaft, die nicht als weiblicher Zweig eines Männerordens entstand. Die Frauen lebten nicht in Klausur, trugen kein Ordensgewand und legten keine Gelübde ab. Erst nach Angela Mericis Tod wurden die Ursulinen unter männliche Leitung gestellt und die freie Lebensweise der Schwestern eingeschränkt.

Vor 400 Jahren
1615 wurde die Eremitage im Kapuzinerkloster Innsbruck errichtet. Das Kapuzinerkloster in Innsbruck ist die älteste Niederlassung der Kapuziner in Österreich, Deutschland und Südtirol. Es wurde 1593 vom Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. und seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina von Mantua gegründet. 1615 wurde die Einsiedelei Erzherzog Maximilians III. des Deutschmeisters an der Nordseite der Kirche gebaut. Sie besteht heute noch in ihrer ursprünglichen Ausstattung.

Vor 375 Jahren
1640 starb der heilige Pierre Fourier. Er war Augustiner-Chorherr in der französischen Abtei Chaumousey und bereicherte das Chorherrenleben, indem er der traditionellen Cura animarum der Kanoniker, der Sorge für die Seelen, ein lebendiges und tatkräftiges Apostolat hinzufügte. Mit Gemeinschaftsprojekten versuchte er, die Not seiner Zeit zu lindern und das soziale Elend durch bessere Ausbildung der Kinder zu lindern. Gemeinsam mit Alix le Clerc gründete er einen in der Tradition der Augustiner-Chorfrauen stehenden Orden, der sich besonders dem Unterricht der Mädchen widmete. Das Augustinerinnenkloster Goldenstein in Salzburg gehört zu diesem Orden.

Vor 325 Jahren
1690 kamen die ersten Elisabethinen nach Österreich und gründeten ein Kloster in Graz. Der damals noch junge Orden der Hospitalschwestern von der hl. Elisabeth, eine Kongregation des Dritten Ordens des hl. Franziskus, hatte sein Mutterhaus in der Stadt Düren in der Erzdiözese Köln. Gräfin Theresia von Wagenberg setzte sich für eine Ansiedlung der Schwestern in der Habsburgermonarchie ein und bestiftete eine Klostergründung in Graz und wenig später auch in Klagenfurt. Vor zwei Jahren ließen die Schwestern einen kleinen Film über ihren Konvent drehen, den Film, benannt nach dem Leitsatz der Elisabethinen „Schau hin und handle“, kann man im Internet ansehen.

Vor 200 Jahren
1815 wurde die Kongregation der Missionare vom kostbaren Blut gegründet. Gründer war der römische Priester Kaspar del Bufalo. Als er Jungpriester war, wurde der Kirchenstaat von Napoleon annektiert, der Papst interniert und das Staatskirchentum eingeführt, Erlebnisse, die den jungen Geistlichen prägen sollten. Er wurde in der Volksmission tätig und nach dem Sieg über Napoleon und der Restauration der Kirche nach dem Wiener Kongress 1815 gründete er die neue Gemeinschaft als Instrument der Glaubenserneuerung für Volk und Klerus. Die Volksmissionare widmeten sich bald auch den auswärtigen Missionen. 1922 übernahm der Orden die Wallfahrtskirche Maria Hilf in Kufstein, Tiroler Ordensangehörige wurden in lateinamerikanischen Missionen tätig, unter ihnen der brasilianische Bischof Erwin Kräutler.

1815 wurden Clara Fey und Giovanni Bosco geboren.
Clara Fey, eine Aachener Fabrikantentochter, begründete 1837 die Kongregation der Schwestern vom Armen Kinde Jesu mit dem besonderen Apostolat für die Pflege und Unterweisung armer Kinder. Die Kongregation gründete Waisenhäuser, Kinderhorte und Schulen. Im Kulturkampf musste Clara Fey ihre Niederlassungen in Deutschland auflösen und fand mit ihren Schwestern Asyl in den Niederlanden. Seit 1857 ist die Gemeinschaft auch in Österreich tätig. Der Seligsprechungsprozess für Clara Fey wurde 1958 eingeleitet.
Auch Giovanni Bosco, ein italienischer Bauernsohn und später als Priester Don Bosco genannt, sah sich zur Jugendpastoral berufen und kümmerte sich um die Arbeiterjugend und um Straßenkinder. Er gründete die ersten Jugendzentren sowie Berufs- und Abendschulen. Sein pädagogisches Grundprinzip war, dass Erziehung im religiösen Geist gewaltlos sein müsse. 1859 gründete Don Bosco die Gesellschaft des heiligen Franz von Sales (Salesianer Don Boscos) mit der Aufgabe der Erziehung von Jugendlichen aus schwierigem sozialen Umfeld. 1872 gründete er gemeinsam mit Maria Dominica Mazzarello einen weiblichen Zweig, die Don Bosco-Schwestern. Don Bosco wurde 1934 heiliggesprochen, seit 1903 gibt es Salesianer Don Boscos in Österreich. Im Jubiläumsjahr bietet die Don Bosco Familie ein buntes Programm an.

Vor 150 Jahren
1865 wurden die Vorauer Marienschwestern gegründet. Gründerin ist die Wenigzellerin Barbara Sicharter, die mit einer Freundin 1865 in Vorau ein Haus anmietete. Dort lebte und betete die wachsende Gemeinschaft unter der geistlichen Leitung des Wenigzeller Kaplans und Vorauer Augustiner-Chorherren Karl Engelhofer. Ein Jahr später wurden sie bereits um Hilfe in der Hauskrankenpflege gebeten. 1876 erhielten die Schwestern die Bewilligung, ein Krankenhaus zu betreiben.

1865 bezogen die Hartmannschwestern ihr Mutterhaus und Klosterspital in der Wiener Hartmanngasse. Das Jubiläum des Hartmannspitals wurde am 22. Jänner 2015 mit einem Festakt im Wiener Rathaus gefeiert. Bis Ende Jänner ist im Rathaus auch eine Wanderausstellung zu sehen (danach im Hartmannspital). Es erschien außerdem eine kleine Festschrift, die auch zahlreiche Abbildungen von Archivalien aus dem Archiv der Hartmannschwestern bringt.

1865 starben Magdalena Sophia Barat und Theodosius Florentini.
Sophie Barat, eine französische Winzertochter, legte im Jahr 1800 gemeinsam mit anderen Frauen die Gelübde in einer von ihr begründeten Gemeinschaft ab, ein Schulorden jesuitischer Prägung mit besonderer Herz-Jesu-Spiritualität, genannt die Dames du Sacré Coeur. Es war eine bemerkenswerte Widerstandsleistung im nachrevolutionären Frankreich.
Theodosius Florentini war ein Schweizer Kapuziner, der gemeinsam mit Maria Theresia Scherer die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz (Kreuzschwestern) in Ingenbohl im Kanton Schwyz gründete. Die erste Niederlassung in Österreich wurde 1860 in Wels, heute Provinzsitz, errichtet.

Vor 150 Jahren überstand die Admonter Klosterbibliothek den großen Stiftsbrand.

Vor 125 Jahren
1890 wurden die Mutterkongregation der Dienerinnen Christi gegründet, das Mutterhaus der Herz Jesu Schwestern in Wien 3 und eine Niederlassung der Schulschwestern vom heiligen Franziskus in Kärnten errichtet. Es wurden die Gründerin der Eucharistie-Schwestern, Gräfin Ada Chotek, sowie der Steyler Missionar und Kardinal Thomas Tien-Ken-Sin, Gründer der Schwestern unserer Lieben Frau von China, geboren.
Vor 100 Jahren starb der Gründer der Missionsschwestern Königin der Apostel P. Antonius Maria Bodewig SJ.

09. Januar 2015

Arbeitskreis Ordensgeschichte 19./20. Jahrhundert 2015

Die 15. wissenschaftliche Fachtagung des Arbeitskreises Ordensgeschichte 19./20. Jahrhundert findet vom 30. Januar bis 1. Februar 2015 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar statt. Schwerpunkt der Tagung ist das Thema Orden im Ersten Weltkrieg. Die Tagung wird von Dr. Gisela Fleckenstein und Prof. Dr. Joachim Schmiedl geleitet. Ein Programm finden Sie im Gemeinschaftsblog Ordensgeschichte. Der Arbeitskreis Ordensgeschichte 19./20. Jahrhundert ist ein Diskussionsforum zur neueren Ordensgeschichte. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Orden seit der Säkularisation bis heute. Die Mitglieder des Arbeitskreises sind durch wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten (Dissertation, Habilitationsschrift), Forschungsprojekte, Lehrtätigkeit an Hochschulen oder Tätigkeit als Archivar oder Archivarin mit der Thematik befasst. Auf den Fachtagungen, die seit 2001 jährlich stattfinden, werden aktuelle Arbeiten zur Geschichte von Orden und Kongregationen in der katholischen Kirche diskutiert. Berichte der bisherigen Tagungen finden Sie auf der Website des Arbeitskreises.