25. Juni 2017

Gemeinsam für die Zukunft arbeiten: Jahrestagung der Diözesan- und der Ordensarchive 2017

ArchivarInnen sind nicht nur Spezialisten der Vergangenheit, sie sind vor allem ZukunftsarbeiterInnen: Sie kümmern sich darum, dass von unseren heutigen Erfahrungen und Entscheidungen auch zukünftige Generationen wissen und profitieren können. Wie wichtig das ist, aber auch mit welchen großen Herausforderungen verbunden, darüber sprachen die kirchlichen ArchivarInnen Österreichs bei ihrer Jahrestagung von 12. bis 14. Juni 2017 in Innsbruck - vor der herrlichen Bergkulisse Tirols.

Es war eine gemeinsame Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Diözesanarchive und der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive. Gastgeber war die Diözese Innsbruck und Diözesanarchivar Martin Kapferer hat das Treffen der rund 40 ArchivarInnen hervorragend und liebevoll vorbereitet. Insbesondere die Exkursion nach Hall in Tirol mit Besuchen im Stadtarchiv Hall, einem der ältesten und größten Kommunalarchive Österreichs, im ehemaligen Damenstift Hall und bei den Salesianerinnen in Thurnfeld war sehr eindrucksvoll. Die Vorträge und Workshops gaben viele interessante Impulse für die Arbeit in den Archiven, es wurde viel und angeregt diskutiert. Einige Vorträge, darunter von Martin Kapferer über die Innsbrucker Diözesangeschichte, von Miriam Trojer über die Auswirkungen von Klosteraufhebungen auf die Archive und von Eva Pflanzelter über Oral history wird man im Herbst in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden nachlesen können.

 

23. Juni 2017

Das Kloster der Kaiserin - 300 Jahre Salesianerinnen in Wien

Eines der ältesten Frauenklöster Wiens feiert sein 300-jähriges Jubiläum. Am 13. Mai 1717 fand die Grundsteinlegung für die großzügige Klosteranlage statt. Gestiftet wurde das Kloster von Kaiserin Amalia Wilhelmina, Gemahlin Kaiser Josephs I. Das Jubiläumsbuch würdigt die reiche Geschichte und das kostbare kulturelle Erbe der Wiener Salesianerinnen.

15. Mai 2017

Reform oder Reformation? Tagung zum Reformationsjubiläum in St. Peter

Johannes Staupitz war Generaloberer der Augustiner Eremiten, als Martin Luther dort Mönch wurde. Staupitz wurde zu Luthers Lehrer, Beichtvater und väterlichem Freund - und blieb es bis zum Ende seines Lebens, das er als Abt der Benediktinerabtei St. Peter in Salzburg beschloss. Aus Anlass des Jubiläums 500 Jahre Reformation widmete sich eine Fachtagung in der Erzabtei St. Peter der Person von Johannes Staupitz.

14. Mai 2017

Buchrestaurierung bei den Jesuiten

Am internationalen Tag des Buches, dem 23. April, präsentierte das Provinzarchiv der Jesuiten sein jüngstes Projekt: die Do-it-yourself-Bücherrestaurierung. Über 7.000 Bücher aus dem 16.-18. Jahrhundert bewahrt die Archivbibliothek des Jesuitenarchivs, viele davon von Jesuiten aus der Alten Gesellschaft geschrieben, als die Österreichische Provinz von Passau bis Rumänien und von Nordböhmen bis an die Adria reichte.
Die wertvollsten dieser Bände, wie die handgeschriebene Historia domus des Wiener Profeßhauses, die die ersten hundert Jahre der Hauschronik und die Geschichte der Jesuiten seit ihrer Ankunft in Wien ab 1550 verzeichnet, wurden in den letzten Jahren bereits fachmännisch und aufwändig restauriert. Die überwältigende Mehrheit der alten Bücher aber ist weniger auserlesen und dennoch reparaturbedürftig: Ausgerissene Lagen, lose Buchrücken, hängende Buchblöcke, abgestoßene Kanten, sich zersetzendes Leder und Schimmelbefall schaffen unübersehbar Handlungsbedarf. Mit professioneller Unterstützung ist es jedoch möglich, Schäden wie diese auch  kostengünstig in Eigenregie zu beheben:
In jeweils dreitägigen Workshops stellt dabei Frau Mag. Ilse Mühlbacher, eine langjährige Mitarbeiterin des Instituts für Restaurierung der Österreichischen Nationalbibliothek, nicht nur ihr reiches Wissen sondern auch den benötigten Fundus an Werkmaterial, Papieren und Klebstoffen zur Verfügung. Großformatige Gerätschaften einer Buchbinderwerkstatt wie Spindelpressen und Papierschneidemaschinen sind im gastgebenden Wiener Papieratelier Papierwespe vorhanden. Mitzubringen sind außer beschädigten Büchern nur ein wenig handwerkliches Geschick und die eigene Arbeitskraft. Ein wenig Liebhaberei scheint dabei freilich nicht zu schaden. Die ersten Bücher der Archivbibliothek sind so bereits wieder Instand gesetzt worden, langfristig soll der gesamte Buchbestand auf diese Art und Weise erhalten und für die Zukunft bewahrt werden.

Frau Mühlbacher gibt regelmäßig Kurse zur Buchrestaurierung in Stift Schlierbach, in Stift Geras und in Papierwespe-Werkstatt für Buch- und Papierkünstlerinnen. Auf Anfrage bietet sie auch Kurse in ihrer eigenen Werkstatt an.""

Bericht von Dr. Martina Lehner, Provinzarchivarin der Gesellschaft Jesu

 

14. Mai 2017

Neugierig geworden? Jahrestagung Kirchenpädagogik 2017

Neugierde geweckt zu haben - die Begierde, Neues zu lernen und auszuprobieren - ist der schönste Erfolg einer Tagung. Und das gelang den Teilnehmerinnen der ersten österreichischen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Kirchenpädagogik am 11./12. Mai 2017. Es gab viel zu entdecken und neue schöpferische Wege auszuprobieren, mit Kirchenräumen umzugehen. Angetreten, um neugierig zu machen, waren die Leiterinnen der Tagung, Sr. Ruth Pucher und Helga Penz.

Die Tagung begann am Donnerstag, den 11. Mai, im Kardinal König Haus in Wien. Am Nachmittag diskutierten wir über Grundlagen, Ziele und Methoden der Kirchenpädagogik als einer neuen Form von Kirchenführungen, als  "Wege, um zum Heiligen hinzuführen.

Am Abend probierten wir gemeinsam etwas Neues aus: Wir baten Magdalena Schauer, Mitarbeiterin im Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich, uns mit der Kamera zu begleiten, wenn wir in der Kapelle des Kardinal König Hauses Kirchenpädagogik erprobten. Auch P. Marte, Direktor des Hauses, war dabei. Aus ihren Aufnahmen stellte Frau Schauer einen kleinen Film zusammen, den man hier anschauen kann.

Am Freitag, den 12. Mai, waren wir neugierig auf die Schulkapelle der Albertus-Magnus-Schule im 18. Wiener Gemeindebezirk. Wir kamen ins Gespräch mit dem Schulseelsorger vom Orden der Marianisten, die die Schule seit 1937 geführt haben, und mit den Vorsitzenden der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs, die seit 2005 Schulerhalter sind. Spannend war der Austausch von jenen, die den Kapellenraum zum ersten Mal erkundeten, und jenen, die hier schon oft Liturgie gefeiert hatten und doch mit uns ganz neue Aspekte des ihnen so vertrauten Sakralraums entdeckten.

Am Nachmittag suchten wir die Spitalskapelle des Krankenhauses Hietzing auf, ein sehr schöner Otto-Wagner-Bau mit historistischer und an den Jugendstil orientierter Ausstattung. Auch hier gab es eine Begegnung mit dem Team der Krankenhausseelsorge unter der Leitung des Kamillianerordens. Die Kapelle war ursprünglich die Klosterkapelle der Hartmannschwestern gewesen, die im damals so genannten ""Kaiser-Jubiläumsspital"" die Krankenpflege übernommen hatten. In einem spielerischen Ansatz mit Masken setzten wir uns mit dem komplexen und orginellen ikonographischen Programm der Kapelle auseinander. Die Tagung war sehr reich an Inhalten, aber auch an Begegnungen. Wir kamen nicht nur den Kirchenräumen näher, sondern auch einander - und das ist letztlich das schönste Ergebnis, das Kirchenpädagogik erzielen kann.

 

 

 

 

14. Mai 2017

Mittelalterliche Fragmente entschlüsselt - Entdeckung in Stift Admont

Die österreichischen Medien nennen es einen Sensationsfund, denn immerhin wurde in Stift Admont ""womöglich das älteste deutsche Schriftstück"" entdeckt. Die Entdeckung wurde am 12. Mai 2017 in Admont vorgestellt - es handelt sich um zwei Fragmente des sogenannten Abrogans, eines Latein-Wörterbuchs aus der Karolingerzeit, benannt nach dem ersten Worteintrag.

Die Identifzierung der beiden Pergamentfragmente gelang dem Klosterneuburger Stiftsbibliothekar Martin Haltrich, der sich unter anderem mit der Sammlung der karolingischen Schriftdenkmale in Österreichs Bibliotheken beschäftigt und eine entsprechende Webdatenbank plant. Bei der Durchsicht der Fragmentesammlung in der Admonter Bibliothek im Jahr 2012 fand er die fraglichen zwei Stücke. Um herauszufinden, um was es sich dabei genau handelte, schickte er Fotos an verschiedene Experten, die seine Vermutung bestätigten.

Der Standard vom 12.5.2017 berichtet: ""Bisher ging man davon aus, dass es vom ""Abrogans"" nur drei Abschriften gibt: einen vollständig erhaltenen Band in der Stiftsbibliothek St. Gallen in der Schweiz, Fragmente in der Nationalbibliothek Paris und in der Landesbibliothek Karlsruhe. Nun gibt es also noch Teile einer vierten Version, die sich laut ""Spiegel Online"" deutlich von den drei bekannten Abschriften unterscheidet. Die bisherigen Versionen erklären selten verwendete lateinische Begriffe mit einfacheren lateinischen Wörtern, ehe sie in einer dritten Spalte ins Althochdeutsche übersetzt werden. Die in Admont entdeckten Ausschnitte dürften eine Überarbeitung des rund um das Jahr 800 entstandenen Glossars darstellen, da es auch geläufigere lateinische Begriffe direkt ins Althochdeutsche übersetzt. [...] Wie und wann aber kamen die Pergamentteile ins Stift Admont, das erst 1074 gegründet wurde? Recherchen ergaben, dass die zwei Fragmente seit 1963 in jener Mappe steckten, die Haltrich 49 Jahre später in Augenschein nahm. 1963 wurde ein Buch der Klosterbibliothek mit dem Titel ""Der geheime Schreiber"" aus dem 18. Jahrhundert restauriert. Die damalige Restauratorin löste die Pergamente vom Umschlag des anscheinend bereits im 18. Jahrhundert erstmals restaurierten Werks und lieferte sie in der Mappe zurück nach Admont. Die alten Pergamente waren also im 18. Jahrhundert auf dem Buchdeckel des ""geheimen Schreibers"" gelandet. Damit ist die buchstäbliche Schnitzeljagd natürlich noch lange nicht beendet. Denn wie und wo wurde das Pergament quasi als Recyclingmaterial auf den Buchdeckel geleimt? Allem Anschein nach dürfte im 18. Jahrhundert ein Buchbinder aus Steyr das Buch für die Stiftsbibliothek Admont neu eingebunden haben. Und dafür verwendete er vermutlich ausrangiertes Pergament, das er in den Stiftsbibliotheken in der Nähe aufgekauft hatte. Stimmt die Vermutung, dann kommen Klöster wie Salzburg, Kremsmünster und Mondsee infrage, am wahrscheinlichsten ist das einstige Benediktinerstift Mondsee, das rund um das Jahr 800 als Wissenszentrum galt. Womöglich war eine Version des ""Abrogans"" dort vorhanden und ist dann ausgesondert worden, ehe der Buchbinder in Steyr Teile davon erwarb und verleimte.""