13. November 2018

Redemptoristen schließen Innbrucker Kloster

Im Sommer 2019 werden die Redemptoristen ihr Kloster in Innsbruck in der Maximilianstraße verlassen.
Der Provinzial der Redemptoristen P. Alfons Jestl in Wien berichtet, dass dem Orden die Sicherung ihres kulturellen Erbes wichtig ist: ""Die historisch interessanten und für die Wissenschaft wertvollen Bücher wurden von der Universität Innsbruck von der Theologischen Fakultät übernommen. Das Archiv des Innsbrucker Redemptoristenklosters wird in das Provinzarchiv der Redemptoristen in Wien überstellt. Bilder und Kunstgegenstände kommen in Redemptoristenklöster in Österreich und werden somit innerhalb des Ordens bewahrt.“

Das Innsbrucker Kloster wurde von den Redemptoristen 1827 gegründet, nur wenige Jahre nach der ersten Niederlassung des Ordens in Österreich in Wien. Das Klostergebäude wird zukünftig als Wohnheim für Studierende verwendet und von der Akademikerhilfe geführt. Die Kirche wird an die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben.
Weitere Informationen: www.ordensgemeinschaften.at

05. November 2018

Neue Fachreferentin für Ordensarchive und -bibliotheken

Ich übernehme mit 1. November 2018 die Stelle einer Fachreferentin für Archive und Bibliotheken im Referat für die Kulturgüter der Orden. Ich freue mich darauf, aktiv dazu beizutragen, das historische Schriftgut der Orden für die Zukunft zu bewahren. Als engagierte Archivarin und Historikerin bin ich mit Archivgut und den damit einhergehenden Herausforderungen gut vertraut.
Ich bin 1984 in Mödling geboren und habe meine Studien (Geschichte und Romanistik) in Wien und Madrid absolviert. Danach habe ich am Institut für Österreichische Geschichtsforschung das Masterstudium Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft abgeschlossen. Seitdem habe ich an der Universität Wien in einem Forschungsprojekt zum Wiener Kaiserhof gearbeitet und war auch für verschiedene Archive tätig (etwa für das Österreichische Staatsarchiv, das Wiener Stadt- und Landesarchiv, das Archiv des Kunsthistorischen Museums und zuletzt für das Archiv der Technischen Universität Wien). Ich bin verheiratet und Mutter einer Tochter. Ich freue mich nun darauf, im Rahmen meiner neuen Aufgabe die OrdensarchivarInnen und -bibliothekarInnen bei der Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben beraten und unterstützen zu dürfen.

Irene Kubiska-Scharl

03. Oktober 2018

Wie reinigt man verschmutzte Akten?

In der täglichen Arbeit im Archiv stellen sich oft ganz einfache, praktische Fragen. Man will nicht immer gleich einen Restaurator hinzuzuiehen, um zu erfahren, wie man verschmutzte Akten am besten und schonendsten wieder sauber bekommt. Jetzt kann man das online lernen, mit dem ""Selbstlernprogramm Bestandserhaltung"".

Bestandserhaltung sind alle physischen Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Archivgut, vor allem Schriftgut, lange erhalten bleibt. Auf der Website www.bestandserhaltung.eu kann man einen Online-Kurs mitmachen, und zwar ganz unkompliziert. Anmeldung ist keine erforderlich. Man wählt einfach Texte und Videos zu verschiedenen Themen aus, etwa: Wie erkennt man Schimmel auf Papier? Wie entfernt man Metallteile von Akten? Was ist die beste Verpackung? Um sein Wissen zu überprüfen, kann man kleine Tests machen, die mit Bildern und Aufgaben sehr ansprechend und motivierend gestaltet sind. Auf dieser Website macht es richtig Spaß zu lernen. Gerade in der Bestandserhaltung ist es oft schwierig, den richtigen konservatorischen Umgang mit Archivgut in Büchern zu vermitteln - die Videos bilden ein gutes Anschauungsmaterial und zeigen vor, wie´s geht.

Die Website wurde von Fachkollegen aus Archiven in Deutschland, den Niederlanden und Luxenburg erarbeitet und vom Erasmus-E-Learning-Programm der Europäischen Union finanziert.

03. Oktober 2018

Schriften aus österreichischen Klöstern werden UNESCO-Kulturerbe

Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, tritt für die Erhaltung von Kulturgütern ein, die ein wichtiges Erbe der Menschheit darstellen. Ein besonderes Programm, genannt ""Memory of the World"", stellt schriftliche Dokumente unter besonderen Schutz.

Die österreichische UNESCO-Kommission führt ein nationales Register, in das jedes Jahr herausragende Schriftdenkmale aufgenommen werden. Im Jahr 2018 wurden auch drei Klöster auf diese Weise ausgezeichnet. Aus dem Stift Lilienfeld wurde die mittelalterliche Handschriftensammlung ""Concordantiae caritatis"" (Stiftsbibliothek Lilienfeld, Cod. 151) des Zisterziensers Ulrich von Lilienfeld aufgenommen. Stift Vorau ist mit der berühmten Vorauer Volksbibel aus dem 15. Jahrhundert vertreten.

Dass es aber nicht nur immer besonders alte Stücke sein müssen, beweist heuer St. Peter. Aus dem Archiv der Erzabtei wurde Archivbestand des Abtes Dominikus Hagenauer (1746-1811) in die Dokumentenerbe-Liste aufgenommen. Die wichtigsten Ereignisse der politisch und wirtschaftlich sehr bewegten Zeit Hagenauers hielt dieser in sieben Tagebuchbänden fest. Die Tagebücher sind außergewöhnlich aussagekräftig und eine wichtige Quelle zur Geschichte Salzburgs und des Klosters. Die Tagebücher liegen auch ediert vor, näheres dazu auf der Website der Erzabtei, die nach einer Rundumerneuerung einen Besuch lohnt: www.erzabtei.at.

 

15. Juli 2018

Steuern für die Abtwahl - und wie man sie vermied

Der Archivar und Sammlungskustos des Stiftes Zwettl, Andreas Gamerith, stößt bei der Inventarisierung des kulturellen Erbes in seinem Haus immer wieder auf Besonderheiten. Jüngst entdeckte er ein Schriftstück, das eine ""Anleitung zum Fälschen des Inventars für die Abtwahl 1776"" enthält.
Bei jeder Abtwahl wurde vom Landesfürsten eine Wahltaxe eingehoben, deren Höhe sich nach dem Vermögen des Klosters richtete. Grundlage für die Bemessung war die Klosterinventur nach Ableben eines Abtes, die von einer landesfürstlichen Kommission durchgeführt wurde. Die Taxen konnten recht beträchtlich sein und schnitten empfindlich in ein Klosterbudget. Im Stift Zwettl hat man sich daher darüber Gedanken gemacht, wie man das Klosterinventar am besten so klein halten konnte, dass die Steuern nicht allzu hoch ausfallen würden.
Andreas Gamerith beschreibt in der Sommerausgabe der Stiftszeitschrift  ""Z-Informationen"" (3/2018) anschaulich, auf welche Einfälle der Konvent gekommen war:
""Die kaiserlichen Kommissäre, die die Inventur durchuzführen hatten, wurden in falsche Weinkeller geführt, man zeigte manipulierte Kellerbücher, beim Waisenmeister [Verwalter des Vermögens verwaister Grundholden] tauschte man Krankheit vor, um eine Einsicht in die mangelhaft geführte Buchhaltung zu verhindern. Den acht Jahre zuvor angeschafften, prachtvollen Porzellanaufsatz versteckte man, um den Vorwurf eines ""übermäßigen Luxus"" zu vermeiden.""
Ein weiterer und besonders für Kunstfreunde interessanter Fund Gameriths ist ein Abtporträt aus der Hand von Kremser Schmidt, dessen 300. Geburtstag heuer gefeiert wird. Das bislang unbekannte Porträt zeigt den letzten Barockabt von Zwettl Rayner II. Sigl und entstand um 1780. Das Porträt ist anlässlich des Kremser Schmidt-Jubiläums 2018 in der Stiftsbibliothek ausgestellt.

Helga Penz

28. Juni 2018

Nachlese zu den Jahrestagungen

Zu den Jahrestagungen der Archive, der Bibliotheken und der Kirchenpädagogik gibt es viel Nachzulesen und Nachzuhören.

Die Jahrestagung der ARGE Ordensarchive fand heuer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ordensarchive (AGOA) von 9. bis 11. April 2018 in München in Schloss Fürstenried statt. Einen ausführlichen Bericht gibt es auf der Website der AGOA. Folgende Vorträge gibt es zum Nachlesen in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden (MiRKO): Clemens Brodkorb über Ordensarchive im Internet, Maria Wego über die Archive überdiözesaner Einrichtungen und Konrad Hilpert über ethische Aspekte im kirchlichen Archivwesen.

Über die Jahrestagung der kirchlichen Bibliotheken am 28/29.Mai 2018 in Stift Schlierbach, die Ordens- und diözesane Bibliotheken gemeinsam veranstalteten, berichtete das Medienbüro. Der Vortrag von Christian Fieseler (Göttingen) über die deutschen nationalbibliographischen Verzeichnisse deutscher Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wird in MiRKO veröffentlicht werden.

Die Jahrestagung Kirchenpädagogik am 15./16. Juni 2018 in Stift Melk widmete sich der Frage "Was ist würdig. Reichtum und Gold der Kirche als Anfrage". Das Medienbüro hat dazu einen kleinen Film gedreht und auf dem YouTube-Kanal der Ordensgemeinschaften Österreich veröffentlicht.

27. Juni 2018

Datenschutz und Archiv

Seit 25. Mai 2018 ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union in allen Mitgliedsstaaten Gesetz. Die Ordensgemeinschaften haben sich intensiv mit den Änderungen und notwendigen Anpassungen beschäftigt.

27. Juni 2018

Thesenblätter-Sammlung erweckt Aufmerksamkeit

Das Kloster der Salesianerinnen am Rennweg in Wien beherbergt eine umfassende Sammlung barocker Thesenblätter, die wohl zu einer der bedeutendsten ihrer Art gehört. Thesenblätter waren in der Barockzeit gedruckte Ankündigungen gelehrter Dispute, meist die Verteidigung der Thesen eines Doktoranden. Sie waren mit oft sehr künstlerischen und eindrucksvollen Bildern geschmückt und wurden daher gerne als Dektorationsstücke gerahmt und aufgehängt.

 

Das Jubiläum zum 300jährigen Bestehen des Klosters im Jahr 2017 war Anlass für eine Publikation (Das Kloster der Kaiserin, Hg. Helga Penz), in der die erwähnten druckgrafischen Werke von Werner Telesko neu ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wurden. In seinem Beitrag berichtet er unter anderem vom schlechten Erhaltungszustand einzelner Blätter, die einer umfassenden Restaurierung bedürfen.

 

Mit dieser Information im Gepäck nahm die Kunsthistorikerin Eva Voglhuber während ihres Besuches im „Kloster auf Zeit“ die Sammlung der Thesenblätter in genauen Augenschein und setzte durch ihr Engagement ein umfassendes Restaurierungsprojekt in Gang. In Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste in Wien und dem Bundesdenkmalamt wurde ein Konzept zur Erhaltung der Sammlung erarbeitet, dessen Umsetzung für die nächsten Jahre geplant ist und durch Spenden finanziert werden soll.

 

Über 80 Druckgrafiken, die sich an den Wänden der Klostergänge befinden, wurden von Sigrid Eyb-Green aus dem Fachbereich Papierrestaurierung und Ihren Studentinnen vor Ort befundet. Dabei wurde festgestellt, dass die Verglasungen zum Großteil noch original aus dem 18. Jahrhundert erhalten sind. Aus diesem Grund wurde Robert Geyer-Kubista von den Glaswerkstätten im Stift Schlierbach zur fachlichen Begleitung hinzugezogen.

 

Die Schwesterngemeinschaft der Salesianerinnen sieht dem Beginn der Restaurierungsarbeiten mit Freude entgegen, die nicht nur zum Erhalt von bemerkenswertem kulturellen Erbe beitragen, sondern auch herangehenden RestauratorInnen ermöglichen, Kunstwerke in ihrem gelebten Umfeld zu erforschen und ein Stück Wissen über das Leben im Kloster mit nach Hause zu nehmen.

 

Karin Mayer