Am Nationalfeiertag 2018, dem 26. Oktober, gab P. Roman Nägele, Kustos des Stiftes Heiligenkreuz, wie schon letztes Jahr auch heuer wieder Einblicke in den Bestand und die Entwicklungen diverser Sammlungen. Vorgestellt wurde die Restaurierung der sogenannten Lentner-Krippe, die schon lange nicht mehr im Stift zu sehen gewesen ist. Von den insgesamt 90 Figuren sind die Verkündigung an die Hirten, Maria und Josef mit dem Engelschor und der Zug der Heiligen drei Könige zum Großteil fertiggestellt. Sophie Krachler und Caroline Göllner haben begeistert von ihrer Arbeit bei der Restaurierung berichtet: von der ersten Sichtung über die Arbeit an den Wachsköpfen, Holzgliedmaßen, am Drahtgestell, Kleidung und Augen bis hin zur Fertigstellung und zum heiklen Rücktransport nach Heiligenkreuz.
Seit kurzem ist das Stift auch in Besitz der Entwurfszeichnungen für die um 1900 neu einzusetzenden Glasfenster des Heiligenkreuzer Kreuzganges. Sie stammen aus der Hand von Wolfgang H. Klaus aus dem Atelier von Rudolf Geyling. 2017 waren sie im Dorotheum zur Versteigerung ausgeschrieben, der Käufer konsultierte den Sammlungskustos P. Roman und hat schließlich die Zeichnungen dem Stift geschenkt. Die angehende Restauratorin Angela Vorhofer informierte, wie sie in den vorangegangenen Monaten Sprünge und ausgebrochene Teile in zwei Glasfenstern restaurierte. Die Vorher-Nachher-Bilder zeigten die faszinierenden Ergebnisse dieser umfassenden Sanierungsarbeit. Angela Vorhofer studiert an der Universität für angewandte Kunst, Institut für Konservierung und Restaurierung. Die Leiterin des Instituts Gabriela Krist betonte in ihrem Grußwort, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit dem Stift Heiligenkreuz ist, da die Studierenden so praxisnah an Projekten arbeiten können. P. Roman kündigte eine Fortsetzung im nächsten Jahr am Nationalfeiertag an – wieder mit anderen Themen und neuen Entwicklungen. (Zusammenfassung eines Berichts von P. Roman Nägele)
Im Sommer 2019 werden die Redemptoristen ihr Kloster in Innsbruck in der Maximilianstraße verlassen. Der Provinzial der Redemptoristen P. Alfons Jestl in Wien berichtet, dass dem Orden die Sicherung ihres kulturellen Erbes wichtig ist: ""Die historisch interessanten und für die Wissenschaft wertvollen Bücher wurden von der Universität Innsbruck von der Theologischen Fakultät übernommen. Das Archiv des Innsbrucker Redemptoristenklosters wird in das Provinzarchiv der Redemptoristen in Wien überstellt. Bilder und Kunstgegenstände kommen in Redemptoristenklöster in Österreich und werden somit innerhalb des Ordens bewahrt.“
Das Innsbrucker Kloster wurde von den Redemptoristen 1827 gegründet, nur wenige Jahre nach der ersten Niederlassung des Ordens in Österreich in Wien. Das Klostergebäude wird zukünftig als Wohnheim für Studierende verwendet und von der Akademikerhilfe geführt. Die Kirche wird an die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben. Weitere Informationen: www.ordensgemeinschaften.at
Ich übernehme mit 1. November 2018 die Stelle einer Fachreferentin für Archive und Bibliotheken im Referat für die Kulturgüter der Orden. Ich freue mich darauf, aktiv dazu beizutragen, das historische Schriftgut der Orden für die Zukunft zu bewahren. Als engagierte Archivarin und Historikerin bin ich mit Archivgut und den damit einhergehenden Herausforderungen gut vertraut. Ich bin 1984 in Mödling geboren und habe meine Studien (Geschichte und Romanistik) in Wien und Madrid absolviert. Danach habe ich am Institut für Österreichische Geschichtsforschung das Masterstudium Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft abgeschlossen. Seitdem habe ich an der Universität Wien in einem Forschungsprojekt zum Wiener Kaiserhof gearbeitet und war auch für verschiedene Archive tätig (etwa für das Österreichische Staatsarchiv, das Wiener Stadt- und Landesarchiv, das Archiv des Kunsthistorischen Museums und zuletzt für das Archiv der Technischen Universität Wien). Ich bin verheiratet und Mutter einer Tochter. Ich freue mich nun darauf, im Rahmen meiner neuen Aufgabe die OrdensarchivarInnen und -bibliothekarInnen bei der Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben beraten und unterstützen zu dürfen.
In der täglichen Arbeit im Archiv stellen sich oft ganz einfache, praktische Fragen. Man will nicht immer gleich einen Restaurator hinzuzuiehen, um zu erfahren, wie man verschmutzte Akten am besten und schonendsten wieder sauber bekommt. Jetzt kann man das online lernen, mit dem ""Selbstlernprogramm Bestandserhaltung"".
Bestandserhaltung sind alle physischen Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Archivgut, vor allem Schriftgut, lange erhalten bleibt. Auf der Website www.bestandserhaltung.eu kann man einen Online-Kurs mitmachen, und zwar ganz unkompliziert. Anmeldung ist keine erforderlich. Man wählt einfach Texte und Videos zu verschiedenen Themen aus, etwa: Wie erkennt man Schimmel auf Papier? Wie entfernt man Metallteile von Akten? Was ist die beste Verpackung? Um sein Wissen zu überprüfen, kann man kleine Tests machen, die mit Bildern und Aufgaben sehr ansprechend und motivierend gestaltet sind. Auf dieser Website macht es richtig Spaß zu lernen. Gerade in der Bestandserhaltung ist es oft schwierig, den richtigen konservatorischen Umgang mit Archivgut in Büchern zu vermitteln - die Videos bilden ein gutes Anschauungsmaterial und zeigen vor, wie´s geht.
Die Website wurde von Fachkollegen aus Archiven in Deutschland, den Niederlanden und Luxenburg erarbeitet und vom Erasmus-E-Learning-Programm der Europäischen Union finanziert.
Die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, tritt für die Erhaltung von Kulturgütern ein, die ein wichtiges Erbe der Menschheit darstellen. Ein besonderes Programm, genannt ""Memory of the World"", stellt schriftliche Dokumente unter besonderen Schutz.
Die österreichische UNESCO-Kommission führt ein nationales Register, in das jedes Jahr herausragende Schriftdenkmale aufgenommen werden. Im Jahr 2018 wurden auch drei Klöster auf diese Weise ausgezeichnet. Aus dem Stift Lilienfeld wurde die mittelalterliche Handschriftensammlung ""Concordantiae caritatis"" (Stiftsbibliothek Lilienfeld, Cod. 151) des Zisterziensers Ulrich von Lilienfeld aufgenommen. Stift Vorau ist mit der berühmten Vorauer Volksbibel aus dem 15. Jahrhundert vertreten.
Dass es aber nicht nur immer besonders alte Stücke sein müssen, beweist heuer St. Peter. Aus dem Archiv der Erzabtei wurde Archivbestand des Abtes Dominikus Hagenauer (1746-1811) in die Dokumentenerbe-Liste aufgenommen. Die wichtigsten Ereignisse der politisch und wirtschaftlich sehr bewegten Zeit Hagenauers hielt dieser in sieben Tagebuchbänden fest. Die Tagebücher sind außergewöhnlich aussagekräftig und eine wichtige Quelle zur Geschichte Salzburgs und des Klosters. Die Tagebücher liegen auch ediert vor, näheres dazu auf der Website der Erzabtei, die nach einer Rundumerneuerung einen Besuch lohnt: www.erzabtei.at.
Der Archivar und Sammlungskustos des Stiftes Zwettl, Andreas Gamerith, stößt bei der Inventarisierung des kulturellen Erbes in seinem Haus immer wieder auf Besonderheiten. Jüngst entdeckte er ein Schriftstück, das eine ""Anleitung zum Fälschen des Inventars für die Abtwahl 1776"" enthält. Bei jeder Abtwahl wurde vom Landesfürsten eine Wahltaxe eingehoben, deren Höhe sich nach dem Vermögen des Klosters richtete. Grundlage für die Bemessung war die Klosterinventur nach Ableben eines Abtes, die von einer landesfürstlichen Kommission durchgeführt wurde. Die Taxen konnten recht beträchtlich sein und schnitten empfindlich in ein Klosterbudget. Im Stift Zwettl hat man sich daher darüber Gedanken gemacht, wie man das Klosterinventar am besten so klein halten konnte, dass die Steuern nicht allzu hoch ausfallen würden. Andreas Gamerith beschreibt in der Sommerausgabe der Stiftszeitschrift ""Z-Informationen"" (3/2018) anschaulich, auf welche Einfälle der Konvent gekommen war: ""Die kaiserlichen Kommissäre, die die Inventur durchuzführen hatten, wurden in falsche Weinkeller geführt, man zeigte manipulierte Kellerbücher, beim Waisenmeister [Verwalter des Vermögens verwaister Grundholden] tauschte man Krankheit vor, um eine Einsicht in die mangelhaft geführte Buchhaltung zu verhindern. Den acht Jahre zuvor angeschafften, prachtvollen Porzellanaufsatz versteckte man, um den Vorwurf eines ""übermäßigen Luxus"" zu vermeiden."" Ein weiterer und besonders für Kunstfreunde interessanter Fund Gameriths ist ein Abtporträt aus der Hand von Kremser Schmidt, dessen 300. Geburtstag heuer gefeiert wird. Das bislang unbekannte Porträt zeigt den letzten Barockabt von Zwettl Rayner II. Sigl und entstand um 1780. Das Porträt ist anlässlich des Kremser Schmidt-Jubiläums 2018 in der Stiftsbibliothek ausgestellt.
Zu den Jahrestagungen der Archive, der Bibliotheken und der Kirchenpädagogik gibt es viel Nachzulesen und Nachzuhören.
Die Jahrestagung der ARGE Ordensarchive fand heuer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ordensarchive (AGOA) von 9. bis 11. April 2018 in München in Schloss Fürstenried statt. Einen ausführlichen Bericht gibt es auf der Website der AGOA. Folgende Vorträge gibt es zum Nachlesen in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden (MiRKO): Clemens Brodkorb über Ordensarchive im Internet, Maria Wego über die Archive überdiözesaner Einrichtungen und Konrad Hilpert über ethische Aspekte im kirchlichen Archivwesen.
Über die Jahrestagung der kirchlichen Bibliotheken am 28/29.Mai 2018 in Stift Schlierbach, die Ordens- und diözesane Bibliotheken gemeinsam veranstalteten, berichtete das Medienbüro. Der Vortrag von Christian Fieseler (Göttingen) über die deutschen nationalbibliographischen Verzeichnisse deutscher Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wird in MiRKO veröffentlicht werden.
Die Jahrestagung Kirchenpädagogik am 15./16. Juni 2018 in Stift Melk widmete sich der Frage "Was ist würdig. Reichtum und Gold der Kirche als Anfrage". Das Medienbüro hat dazu einen kleinen Film gedreht und auf dem YouTube-Kanal der Ordensgemeinschaften Österreich veröffentlicht.
Seit 25. Mai 2018 ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union in allen Mitgliedsstaaten Gesetz. Die Ordensgemeinschaften haben sich intensiv mit den Änderungen und notwendigen Anpassungen beschäftigt.