Kultur & Dokumentation

Wiederentdeckte Barockmesse in Kremsmünster

Am Sonntag, den 3. Februar 2013, wurde in der Stiftskirche Kremsmünster die wiederentdeckte Missa S. Bonifacii des Barockmönches P. Placidus Fixlmillner uraufgeführt. Der Kremsmünsterer Astronom Fixlmillner (1721-1791) ist im Stift kein Unbekannter, er war knapp 30 Jahre Direktor der Sternwarte und berechnete als Erster die Umlaufbahn des damals neu entdeckten Planeten Uranus. Neben seiner Tätigkeit als Astronom lehrte der Benediktinermönch jahrelang Kirchenrecht. Bisher weniger beachtet war seine Tätigkeit als Komponist und leidenschaftlicher Orgelspieler. Über 200 Jahre nach der Entstehung der „Bonifazmesse“ wurde diese nun vom Stiftsorchester einstudiert und für die Aufführung vorbereitet. Die barocke Abschrift der Messe war bekannt, jedoch stark fehlerhaft. Sie wurde nun am PC neu geschrieben, anschließend korrigiert und damit in eine spielbare Fassung gebracht. Weitere Informationen zur Aufführung erhalten Sie auf der Website des Stiftes.

Schularchive

Die Ordensgemeinschaften erhalten in Österreich 234 Schulen mit etwa 50.000 Schülerinnen und Schüler. Für die Archivierung ihrer Unterlagen müssen Privatschulen selbst Sorge tragen. Oftmals übernehmen Ordensleute diese Aufgaben in ihrer Schule, doch seit viele Orden die Trägerschaft der Schule an einen anderen Schulerhalter abgegeben haben, ist die Frage, wer die Schulchronik schreibt und das Archiv führt, brisant geworden.
Auf der diesjährigen Tagung der Schulleitungen und Schulerhalter der Allgemeinbildenden höheren Schulen und der Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik von 13. bis 15. Jänner 2013 in Salzburg präsentierte Helga Penz einige Gedanken und praktische Hinweise zu diesem Thema:

Österreichische Archivgeschichte

Michael Hochedlinger beschreibt die Entwicklung der Archive der Habsburgermonarchie: Aus Instrumenten der Herrschaft sind im 19. Jahrhundert Quellenlager der Geschichtsforschung geworden. Von den mittelalterlichen Urkundenschätzen bis zu den Herausforderungen des digitalen Zeitalters reichen die fachkundlichen, anschaulichen und griffigen Ausführungen des Autors. Im Zentrum stehen die großen Zentralarchive, also das Österreichische Staatsarchiv und die Landesarchive. Hochedlinger bietet aber auch einen sehr instruktiven Einblick in die Genese der österreichischen Kloster- und Ordensarchive und hat auch das Schicksal der Archive der unter Kaiser Josef II. aufgehobenen Klöster gründlich recherchiert. Ein eigenes Kapitel ist den Archivaren im Ordenshabit gewidmet, die im österreichischen Archivwesen eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Ordensarchivarinnen und Ordensarchivare dürfen sich auch darüber freuen, dass der Autor für die jüngste Zeit einen Professionalisierungsschub in den österreichischen Klosterarchiven feststellt und insbesondere auf die Tätigkeiten der ARGE Ordensarchive verweist.

Das Buch bietet aber nicht nur Institutionengeschichte, sondern auch die Geschichte des Berufsstands Archivar/in, des archivischen Arbeitens und sogar des Archivbenützens – hierin versteckt sich fast eine kleine österreichische Archivkunde. Insgesamt ist der über 500 Seiten dicke Band ein unentbehrliches Nachschlagewerk, das überdies sehr gut lesbar ist – allen Archivliebhabern und solchen, die es werden wollen, sei es wärmstens empfohlen.

Michael Hochedlinger, Österreichische Archivgeschichte vom Spätmittelalter bis zum Ende des Papierzeitalters (Historische Hilfswissenschaften, Wien 2013), zahl. Illustrationen, ISBN: 978-3-205-78906-2, Preis: € 39.80

850 Jahre Stift Vorau

Die Klöster der Prälatenorden haben eine große Tradition, wenn es um das Aufzeichnen der eigenen Geschichte geht. Unterschiedliche historiographische Formen wie Annalen, Chroniken, Diarien,  Urkundenbücher, Nekrologe und vieles mehr sind nicht selten in einem einzigen Memorabilienbuch zusammengefasst worden. Die Festschrift des Augustiner-Chorherrenstiftes Vorau zu seinem 850jährigen Jubiläum setzt diese Tradition fort.
Man findet darin einen Abriss zur Stiftsgeschichte entlang der Series praelatorum („Prälatenreihe“), die immer schon das Rückgrat klösterlicher Historiographie war, einen Nekrolog der Konventualen, eine Würdigung der Viri illustres („berühmte Männer“), eine Chronologie der Grundbesitzveränderungen, einen ausführlichen Kunstführer für Kirche und Kloster, Stammdatenblätter aller Stiftspfarren inklusive Pfarrerkataloge und vieles mehr. Es ist ein wunderbares Erinnerungsbuch und ein Vademecum für jeden Voraubesucher, das man immer wieder zur Hand nehmen kann.

Das Buch endet mit einem Ausblick des aus der Steiermark gebürtigen Theologen Johann Pock, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien, der sich einige zukunftsweisende Gedanken zum Thema „Ordensgemeinschaften in den (Pfarr-)Gemeinden der Zukunft“ gemacht hat.
Der Band ist reich bebildert und – da in Eigenregie produziert – um wohlfeile 20 € im Klosterladen des Stiftes Vorau erhältlich.

850 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Vorau 1163–2013, hg. von Propst Mag. Gerhard Rechberger und dem Kapitel des Stiftes Vorau [Vorau 2012]. Erhältlich bei www.stift-vorau.at/de/shop

Katholische Leichenpredigten

Zu den frühneuzeitlichen katholischen Leichenpredigten in Österreich legten Birgit Boge und Ralf Georg Bogner 1999 einen opulenten Band vor und betraten damit quellenkundliches Neuland. Das vorliegende Werk von Georg Schrott setzt die Bemühungen um die katholischen Leichenpredigten für das Nachbarland Bayern fort. Die Drucklegung dieser an der Universität Regensburg approbierten Dissertation bringt ein echtes Standardwerk in die heimischen Bücherregale. Denn trotz der inhaltlichen Ausrichtung auf Bayern gibt es unzählige Parallelen und Gemeinsamkeiten mit der österreichischen Klosterlandschaft. Die betroffenen Akteure standen in vielfältiger Beziehung zueinander. Nicht zuletzt fanden viele bayerische Prediger ihre Ausbildung in der Universitätsstadt Salzburg.

Der Literaturwissenschafter Georg Schrott analysiert das gesamte Entstehungsumfeld der Leichenpredigten: Anlass, Autoren, Gefeierte, Publikum, Auftraggeber, Konvente und Außenstehende. Die lesenswerte Analyse wird ergänzt durch ein umfangreiches Verzeichnis der Leichenpredigten sowie Quelleneditionen und ein Register.

Georg Schrott, Leichenpredigten für bayerische Prälaten der Barock- und Aufklärungszeit (München: Kommission für Bayerische Landesgeschichte 2012), ISBN 978-3-7696-0422-1, 35 €

Beitrag von Gerald Hirtner, Archiv der Erzabtei St. Peter Salzburg

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