Kultur & Dokumentation

P. Benedikt Wagner (1929–2012)

Am 6. April 2012 wurde P. Dr. Benedikt Wagner, seit 1969 Archivar des niederösterreichischen Benediktinerstiftes Seitenstetten, mit 83 Jahren abberufen. Mit ihm verliert die Archiv- und Forschungswelt eine markante Persönlichkeit.
P. Benedikt Wagner (Taufname: Franz) erblickte am 17. März 1929 in Sonntagberg, Bezirk Amstetten, auf dem Hof in der „Kleinen Wolföd“ das Licht der Welt. Schon in jungen Jahren kam er in Kontakt mit dem Superior der Wallfahrtskirche am Sonntagberg P. Bonifaz Hoinigg. P. Bonifaz gab auch den Anstoß, den schon 16jährigen, kränkelnden jungen Mann zum Studium in das Stift Seitenstetten zu senden, wo er 1951 maturierte. Der junge Sonntagberger trat im gleichen Jahr in das Stift ein und erhielt den Namen des Ordensgründers Benedikt von Nursia.
Der begabte junge P. Benedikt Wagner wurde zum Studium an die Universität Salzburg entsandt, wo er Theologie und Philosophie belegte. 1957 empfing er in Seitenstetten die Priesterweihe und übernahm die Stiftspfarre Aschbach ein Jahr als Kaplan, bevor P. Benedikt vom Stift an die Universität Wien entsandt wurde um Latein und Griechisch für das Lehramt zu studieren. In den Jahren 1962/63 amtierte der junge Geistliche auch aushilfsweise als Präfekt der Juvenisten. Im folgenden Jahr verfasste P. Benedikt seine erste große wissenschaftliche Arbeit, eine in Latein gehaltene Abhandlung über die Wallfahrtskirche am Sonntagberg – Ziel war die Erhebung zur „basilica minor“, was auch im Jahre 1964 gelang. Im Jahr 1965 arbeitete er als Aushilfe auf dem Sonntagberg und trat im gleichen Jahr in das Lehrerkollegium des Stiftes ein (Lehramtsprüfung 1968). Im gleichen Jahr reichte P. Benedikt seine Dissertation ein (Thema: „Isokrates und der Mythos“) und promovierte zum Dr. phil.
Ab dem Jahr 1969 begann P. Benedikt sich intensiv um die Geschichte seines Hauses und der Heimatkunde des nö. Mostviertels zu kümmern. In seine Aufgabenbereiche  fielen neben der Seelsorge die Leitung des Stiftsgymnasiums, das Archiv und auch die Stiftsbibliothek. Zahlreiche Publikationen belegen den enormen Fleiß P. Benedikts u.a. die erstmals 1980 herausgegebene Geschichte des Stiftes „Seitenstetten – Udalschalks Erbe im Wandel der Zeit“. Daneben bearbeitete er viele Urkunden seines Hauses und schrieb dazu die Regesten.
Mit 65 Jahren nahm P. Benedikt Wagner Abschied vom Schuldienst, doch ging seine Forschertätigkeit daneben unermüdlich weiter. Im Jahre 2003 erfuhr er von seinem Krebsleiden, das ihm seine Arbeit immer mehr erschwerte und ihn sichtlich zeichnete. Am 6. April dieses Jahres wurde er endgültig von dieser Welt abberufen. Am 13. April 2012 geleiteten ihn seine Brüder, Kollegen und viele Trauernde in Seitenstetten zur ewigen Ruhe.
In Erinnerung wird P. Benedikt Wagner der Fachwelt als fleißiger, energischer, hochprofessioneller und sehr genauer Forscher und Archivar bleiben. Sein wissenschaftliches Werk prägte die Geschichtsforschung des westlichen Niederösterreichs entscheidend, das von ihm betreute Stiftsarchiv in Seitenstetten gibt davon beredtes Zeugnis.

Nachruf von Martin Prieschl

Urkundenfund im Schottenstift

Im Archiv des Schottenstiftes wurde Ende 2011 eine Originalurkunde Kaiser Friedrichs II. (1212–1250) gefunden. Es handelt sich dabei um ein Stück, das 1889 in Paris versteigert wurde und dessen Verbleib seitdem unbekannt war. Die äußere Form der Urkunde ist recht schlicht und entspricht der einfachen Ausfertigung der staufischen Diplome.

Neuer Stiftsarchivar in der Schottenabtei

Seit März 2012 hat das Wiener Schottenstift mit Maximilian Alexander Trofaier einen neuen Stiftsarchivar. Bereits seit 2010 ist Trofaier im Stiftsarchiv der Schottenabtei tätig. Die offizielle Funktion des Stiftsarchivars übernahm er nun in Nachfolge von Abt Johannes Jung und dessen Vorgänger Abt Heinrich Ferenczy.
Maximilian Alexander Trofaier absolvierte nach dem Diplomstudium Geschichte an der Universität Wien das Masterstudium Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Dem Kloster ist er schon seit seiner Schulzeit am Schottengymnasium durch verschiedene Tätigkeiten in Stift und Pfarre verbunden.

Nachlässe von Ordensleuten

Bei der Archivierung von nachgelassenen Schriften und Fotos verstorbener Mitschwestern und Mitbrüder wird immer wieder gefragt, was denn aufhebenswert und archivwürdig sei. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ordensarchive hat dazu eine Handreichung herausgegeben, in denen Oberinnen und Obere Empfehlungen erhalten, welche Schriftstücke bei der Nachlassregelung an das Archiv übergeben werden sollten.

Am 13. Februar 2012 fand in der Erzabtei St. Peter in Salzburg ein Workshop statt, in der Ordensarchivarinnen und Ordensarchivare diese Handreichung und deren Anwendung in ihren Gemeinschaften diskutierten. Im Workshop wurde außerdem anhand von nachgelassenen Dokumenten, Unterlagen und Fotografien im Stiftsarchiv von St. Peter das Bewerten und Erschließen von Nachlässen konkret eingeübt. Der Workshop fand bereits im letzten Jahr statt und wurde wegen der großen Nachfrage heuer wiederholt. Sie können die Handreichung hier herunterladen.

Tagung der kirchlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekare

In der traditionsreichen Arbeitsgemeinschaft katholisch-theologischer Bibliotheken (AKThB) gab die österreichische Landesgruppe und ihr frischgewählter Vorstand am 8./9. März 2012 ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Im Stift St. Florian fand in Kooperation mit dem Referat für die Kulturgüter der Orden eine Tagung kirchlicher Bibliothekarinnen und Bibliothekare statt. Die 18 TeilnehmerInnen vertraten die österreichischen Diözesanbibliotheken, Universitätsbibliotheken und Kloster- und Ordensbibliotheken.

Nach der Begrüßung durch Herrn Professor Karl Rehberger CanReg eröffnete der Vorsitzende der AKThB Österreich, Ingo Glückler (Leiter der Bibliothek der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz) die Tagung mit einer Einführung zur Geschichte der AKThB. Diese ist 1947 aus der „Buchhilfe deutscher Ordensbibliotheken“ hervorgegangen. Die AKThB ist heute in Deutschland in allen Fragen des kirchlichen Bibliothekswesens fachlich involviert und berät in dieser Materie auch die Deutsche Bischofskonferenz. 40% der Mitgliedsbibliotheken sind Ordensbibliotheken.

Die AKThB betreibt für die Mitgliederbibliotheken einen virtuellen Katalogverbund (VThK), eine Predigtdatenbank (PThK) und den Kirchlichen Dokumentenserver (KiDokS). Die österreichischen kirchlichen Bibliotheken sind in der AKThB noch nicht sehr zahlreich vertreten, es ist aber beabsichtigt, durch eigene österreichische Jahrestagungen und Kooperationen auch hierzulande eine starke Sektion aufzubauen. Deren Aufgaben läge in Kooperationen, möglicherweise im Erwerb von Generallizenzen für Bibliotheksprogramme sowie im Angebot fachlicher Weiterbildung. Der erste AKThB-Grundkurs für kirchliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare findet von 16. bis 20. Juli 2012 in Linz statt (Näheres finden Sie hier).

Karin Schamberger von der Bibliothek der Erzdiözese Salzburg referierte über die Leitlinien zur Bewahrung gefährdeter kirchlicher Bibliotheksbestände, in der die Deutsche Bischofskonferenz 2009 die Diözesanbibliotheken beauftragt hat, Bücher anderer kirchlicher Einrichtungen, auch aufgelöster Ordensniederlassungen, zu übernehmen. Frau Schamberger erörterte die Situation und Aufgaben der österreichischen Diözesanbibliotheken. Eine der Aufgaben einer Diözesanbibliothek wäre auch das Sammeln von Belegexemplaren von Schriften kirchlicher Funktionsträger und Einrichtungen, wie etwa der Pfarrbriefe. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, wo Belegexemplare von Ordenspublikationen, insbesondere kleinere Periodika, gesammelt werden und ob hier nicht auch im klösterlichen Bereich an die Bildung von Schwerpunktbibliotheken zu denken wäre.

Helga Penz erläuterte in ihrem Beitrag die Situation der österreichischen Kloster- und Ordensbibliotheken und wies darauf hin, dass allein für die im Fabian-Handbuch der historischen Buchbestände und auf www.klosterbibliotheken.at aufgelisteten 60 Klöster ein Bestand von rund 3,8 Millionen Bänden in klösterlicher Überlieferung nachgewiesen ist. Gerade der wertvolle, aber schwierig zu betreuende Altbestand stellt die Klöster vor große Herausforderungen, insbesondere bei der Auflösung von Niederlassungen und der Schaffung neuer Zentralbibliotheken. Beim Aufbau und der Betreuung von Bibliotheken, auch an neuen Niederlassungen oder Provinzsitzen, können Orden von einem Zusammenschluss wie der AKThB nur profitieren.

Da durch die großen strukturellen Veränderungen sowohl in den Diözesen wie in den Orden die kirchlichen Bibliotheken vor großen Herausforderungen stehen, diese aber kaum durch eigene Ressourcen zu bewältigen sind, gab der Gastreferent Herr David Röthler von PROJEKTkompetenz.eu eine detailreiche und sehr anregende Einführung in die Förderprogramme der EU.

Unter dem Titel „Die kirchliche Bibliothek – der unbekannte Ort“ wurde von Ingo Glückler, Karin Schamberber und Sonja Führer (Stiftsbibliothek St. Peter) eine Diskussion zu aktuellen Themen im kirchlichen Bibliothekswesen Österreichs geleitet. Angesprochen wurden die Fragen der öffentlichen Positionierung und Imagepflege, der Profilbildung insbesondere der Diözesanbibliotheken, der Funktionswandel von Konventbibliotheken, die Ablieferung von Pflicht- und Belegexemplaren, der Stellenwert von Online-Zugriffen und elektronischen Medien besonders bei kleineren Bibliotheken, die Übernahme von Ordensbibliotheken in andere Bibliotheken und vieles mehr.
Den Abschluss der Tagung bildete eine kundige und abwechslungsreiche Führung durch die reiche St. Florianer Stiftsbibliothek durch den Bibliothekar Friedrich Buchmayr, der den TagungsteilnehmerInnen Einblicke in seine Arbeit und in die Zimelien des Hauses gewährte.

Viele Themen wurden angesprochen und werden die kirchlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekare auch weiterhin beschäftigen. Es wurde beschlossen, jährlich Tagungen der AKThB-Österreich abzuhalten.

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