Nachruf auf Sr. Christl Öhlinger rscj (1940–2026)

Provinzarchivarin Sr. Christl Öhlinger bei ihrer Tätigkeit. (c) Petra Rainer
Bevor sich Sr. Christl ganz der Bewahrung der Geschichte verschrieb, prägte sie jahrzehntelang das pädagogische Wirken ihres Ordens. Nach ihrer Ausbildung und ersten Lehrjahren in Saxen und Linz trat sie 1965 zunächst bei den Kreuzschwestern ein. Nach dem Studium der Musikerziehung und Geschichte in Wien wechselte sie 1973 in die Gesellschaft vom Heiligen Herzen Jesu, wo sie 1980 ihre Ewigen Gelübde ablegte. Es folgten prägende Jahre im Schuldienst und in der Internatsleitung in Graz und Pressbaum – ab 1992 als Oberstudienrätin und ab 1995 als Oberin. Für ihr großes Engagement wurde ihr 2002 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
Mit dem Wechsel in den pädagogischen Ruhestand im Jahr 2002 begann für Sr. Christl ein zweiter, beeindruckender Wirkungsweg: Sie übernahm das Amt der Provinzarchivarin. Nach einer internationalen Weiterbildung bei einem Archivkurs in Dublin (2003) leitete sie das Zentraleuropäische Provinzarchiv (CEU) an den Standorten Wien (2002–2004), Riedenburg/Bregenz (2004–2019, teils auch als Oberin) und bis zu ihrem Ableben wieder in Wien (2019–2026).

Sr. Christl Öhlinger im Sacré Coeur Kloster Riedenburg in Bregenz. (c) Petra Rainer
Pionierarbeit für die Ordensarchive Österreichs
In dieser Rolle hinterließ Sr. Christl bleibende Spuren in der österreichischen Ordensarchivlandschaft. Sie zeigte eindrucksvoll auf, wie professionell und international vernetzt die Archivorganisation eines Frauenordens sein kann. Von 2003 bis 2012 wirkte sie in den Anfängen der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Ordensarchive Österreichs mit und gestaltete die Zusammenarbeit im Vorstand mit viel Sachkenntnis und Passion. Noch im letzten Weihnachtsbrief blickte sie dankbar zurück: „Es ist schön zu sehen, was sich aus den fragwürdigen Anfängen 2003 alles entwickeln konnte.“
Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter, dem Archivar Lukas Winder, meisterte sie zudem eine große logistische Aufgabe: den Umzug des gesamten CEU-Provinzarchivs von Bregenz nach Wien. Unter ihrer fachkundigen Leitung wurden historische Chroniken aus den Gründungszeiten der Klöster – viele in französischer Originalsprache –, Jahrbücher und Lebensberichte gesichert und wegweisend für die Digitalisierung sowie die Forschung vorbereitet.
Ein großes Herzensanliegen war ihr dabei stets die „Transferarbeit“: das Weitergeben des geistigen und historischen Erbes an weltliche Mitarbeitende. Auf die Frage, wie man Menschen hierfür begeistert, antwortete sie: „Indem wir selbst bis ins hohe Alter von unserer Sendung überzeugt sind und ihnen die Sicherheit vermitteln, dass sie auf ihre Weise unsere gemeinsame Sendung leben.“
Ihr Wissen, ihre Leidenschaft für das historische Erbe und ihre Geduld waren für uns alle ein großes Geschenk. Wie tief ihre Verbundenheit zur ARGE blieb, zeigte sich noch im November 2024 bei einer herzlichen Begegnung mit dem Vorstand im Sacré Coeur Kloster am Rennweg in Wien. Wir werden Sr. Christl in dankbarer und liebevoller Erinnerung behalten.
Rest in peace