Besenstrich für Besenstrich

Schneefall draußen, Archivarbeit drinnen: Zum Jahresauftakt übernahmen wir die Pfarrarchive von Sistrans und Lans. © Daniela Rungg/Dagmar Strimmer/Miriam Trojer
Mit rund 60.000 Büchern, zigtausenden Archivalien und vielen Kunstwerken ist klar: Langweilig wird es bei uns nicht. Um genau zu wissen, wie viele Artefakte wir beaufsichtigen, müssten wir allerdings alles bereits erschlossen und katalogisiert haben – eine Mammutaufgabe, bei der wir noch am Anfang stehen. Aber Schritt für Schritt und Besenstrich für Besenstrich arbeiten wir uns voran. Und manchmal sogar ganz wörtlich: wir reinigen, entstauben und pflegen, was uns anvertraut ist, damit es auch künftig erzählen kann, was in ihm steckt. All diese kleinen Schritte prägen unser Jahr. Zeit also für einen Blick zurück.
Pfarrarchive und Nachlässe
Gleich nach Dreikönig starten wir mit einer sehr winterlichen Aufgabe: Der Übernahme der Pfarrarchive Sistrans und Lans. Bei tiefem Schnee sichteten Miriam, Daniela und Lehrling Jakob das Material, verpackten es und brachten es im Konventbus sicher ins Stiftsarchiv.
Im Lauf des Jahres folgten auf Bitte der jeweiligen Pfarrer die Archive von Aldrans und Völs. Die Erschließung dieser Bestände sowie jener aus Hötting ist noch im Gange, aber das Pfarrarchiv Ampass konnten wir erfolgreich abschließen. Eine Straße ist also schon fertig gefegt!

Abgeschlossen ist das Pfarrarchiv Völs noch nicht – aber zumindest abgeholt! Sekretärin Sarah freut sich, wie es scheint! © Daniela Rungg/Dagmar Strimmer/Miriam Trojer
Mit Wehmut übernahmen wir auch die Nachlässe der verstorbenen Chorherren D. Sigmund Hepperger und D. Stephan Lang, die nun geordnet im Stiftsarchiv verwahrt werden.
Kunst, Klima und ein frisch geputztes Museum – im Frühjahr stand die Kunst im Mittelpunkt: Ein kleinerer leerer Raum im Stift wurde zu einem Gemäldedepot umfunktioniert, damit alle kleineren und mittelgroßen Bilder, die nicht an den Wänden hängen, endlich an einem Ort Platz fanden. Mit Unterstützung von Fr. Friedrich erreichten wir dabei noch einen Meilenstein: Jedes Gemälde im Stift besitzt nun einen Datensatz und einen aktuellen Standort. In einem Haus dieser Größe ist das ein echtes Erfolgserlebnis.
Auch das Stiftsmuseum begleitete uns das ganze Jahr über – durch Klimakontrollen, Schädlingsfallen und Führungen. Ein Tag bleibt besonders in Erinnerung: der große Museumsputz. Gemeinsam mit den Reinigungsfeen des Hauses brachten wir Fenster, Böden, Vitrinen und Exponate auf Hochglanz. Das Museum strahlt seither wieder richtig.

Achtung für alle mit schwachen Nerven: Dagmar Strimmer kennt kein Erbarmen – jedes Tierchen wird untersucht, egal wie viele Beinchen es hat oder wie freundlich es zu winken scheint. © Daniela Rungg/Dagmar Strimmer/Miriam Trojer
Forschungen, Anfragen und Bibliothek
Das reiche Kulturgut des Stiftes weckt erneut wissenschaftliches Interesse. Besonders intensiv begleiteten wir Dr. Stella Wisgrill und Prof. Esther Wipfler von der Universität München bei ihren Untersuchungen zum sogenannten Rindsmaul-Reliquiar – inklusive Archivrecherchen, Fototerminen und einem kleinen Ausflug nach St. Sigmund im Sellrain. Auf die Ergebnisse dürfen wir sehr gespannt sein!
Besuch aus Minnesota: Dr. Heintzelmann war vor fast 50 Jahren Teil des Teams des „Monastic Manuscript Microfilm Project“. Bei seinem Besuch nahm er die Originale noch einmal in Augenschein und meinte lachend: „Won’t be able to stop by again in 50 years!“ © Daniela Rungg/Dagmar Strimmer/Miriam Trojer
Bis Ende November beantworteten wir außerdem über 100 Anfragen aus Bibliothek, Archiv und Kunst und betreuten mehr als 20 Benutzer:innen. Von Studierenden und Familienforscher:innen über Künstler:innen bis hin zu Professor:innen – die Vielfalt unserer Nutzer zeigt, wie vielseitig der Bestand des Stiftes ist.
Auch in der Bibliothek tat sich viel: Seit Mai ist das Stift Mitglied im KOBi-Verbund der Ordensbibliotheken. Bibliothekarin Dagmar Strimmer füllt den Katalog seither fleißig Besenstrich für Besenstrich, oder besser: Buch für Buch. Das nächste große Projekt wird die Einbindung der historischen Bibliothek sein.
Vernetzung, Fortbildung und ein besonderer Auftrag
Zu unserem Arbeitsalltag gehört nicht nur das Bewahren, sondern auch das Dazulernen und Vernetzen. 2025 waren wir daher regelmäßig unterwegs – etwa beim Österreichischen Bibliothekskongress in Wien, bei der Jahrestagung der österreichischen Ordensarchive in Linz und beim Österreichischen Archivtag in Wien. Der Austausch mit Kolleg:innen ist für uns unverzichtbar, um am Puls der Zeit zu bleiben und neue Impulse mit nach Hause zu nehmen.
Ein besonderes Highlight: Unsere Abteilungsleiterin Miriam wurde im Mai zur Vorstandsvorsitzenden der ARGE Ordensarchive des Bereichs Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz gewählt – eine große Ehre und Anerkennung!
Team und Unterstützung
Im Juli verabschiedeten wir unseren Lehrling Jakob, der seine Ausbildung zum Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistenten mit Auszeichnung abschloss und nun im Archiv der Erzdiözese Wien tätig ist. Wir merkten schnell, was er im Alltag geleistet hat. Umso dankbarer waren wir, dass uns im Herbst Laura Madreiter als Praktikantin unterstützte. Sie katalogisierte, half bei Nachlässen und brachte ihr eigenes Projekt – die Inventur und Datenübertragung der Archivbücher – erfolgreich zu Ende.
Fazit: Am Ende dieses turbulenten Jahres sind wir müde, aber glücklich und freuen uns auf ein sicherlich nicht minder aufregendes Jahr 2026 mit vielen neuen Erkenntnissen, Begegnungen und Herausforderungen!
Dieser Beitrag, der von Abteilungsleiterin Miriam Trojer verfasst wurde, ist in der Zeitschrift „Stift Wilten Aktuell“ in der Ausgabe Weihnachten 2025 (28. Jahrgang, Heft 2/2025) erschienen. Wir dürfen ihn hier dankenswerterweise veröffentlichen. Text: Miriam Trojer; Bilder: Daniela Rungg/Dagmar Strimmer/Miriam Trojer - Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten