Ordenszeitschriften – wenig beachtet und dennoch eine wichtige Quelle

Sonja Führer

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Als Kooperation der Bibliothek der Erzabtei St. Peter (Salzburg) mit der Österreichischen Ordenskonferenz (Wien) im Jahr 2014 ins Leben gerufen, verfolgt das Zeitschriftenarchiv der Orden das Ziel, Ordensperiodika, sowohl die aktuell erscheinenden, als auch jene, deren Erscheinen mittlerweile eingestellt ist, als wichtige Quelle für die sich im 20. und 21. Jahrhundert rasch verändernde österreichische Ordenslandschaft zu sichern. Die Zusammenführung der Bestände in einer Sammlung macht die Vielschichtigkeit und die Vielzahl dieser Ordensperiodika erstmals sichtbar. Durch die kontinuierliche Sammeltätigkeit wächst das Zeitschriftenarchiv weiter an. Einerseits werden die aktuellen Jahrgänge übernommen, andererseits erhält das Archiv aus vielen Gemeinschaften fehlende ältere Jahrgänge, wodurch Bestandslücken geschlossen werden können.*

 

„In einer sich verändernden Ordenslandschaft ist Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften das Gebot der Stunde.“ Dieser Satz leitete im Jahr 2014 den Bericht über die feierliche Unterzeichnung des Kooperationsvertrages am 7. März zwischen der Österreichischen Ordenskonferenz (mit Sitz in Wien) und der Erzabtei St. Peter in Salzburg ein. [1] Und er hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt, im Gegenteil, die Veränderungen in der Ordenslandschaft gehen weiter.[2] Mit dieser Kooperation kommen die Orden auch ihrer Verantwortung nach, die Sicherung der eigenen Quellen für die Ordensgeschichte zu gewährleisten und damit einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation des religiösen wie auch des kulturellen Erbes in Österreich zu leisten. Drei Aspekte haben im Jahr 2014 zur Schaffung des Zeitschriftenarchivs der Orden geführt.

 

Aktuelle Zeitschriftenhefte aus Frauen- und Männerorden werden im Zeitschriftenarchiv der Orden gesammelt und archiviert (in Auswahl).

Abb. 1: Aktuelle Zeitschriftenhefte aus Frauen- und Männerorden werden im Zeitschriftenarchiv der Orden gesammelt und archiviert (in Auswahl). © ÖOK/Irene Kubiska-Scharl

 

1. Was soll gesammelt werden?

Im Jahr 2026 werden 89 männliche und 103 weibliche Gemeinschaften von der Österreichischen Ordenskonferenz vertreten. Viele dieser Klöster und Ordensgemeinschaften dokumentieren ihr Gemeinschaftsleben, das soziale Engagement, ihre missionarische Tätigkeit und ihre lokalen wie auch internationalen Vernetzungen nicht nur nach innen im jeweils eigenen Archiv, sondern kommunizieren all dies auch in regelmäßig erscheinenden Periodika öffentlich. Bei diesen Periodika handelt es sich daher nicht um wissenschaftliche Schriftenreihen, sondern meist um Kleinschriften, die – bibliothekarisch gesprochen – mitunter im Grenzbereich zur „grauen Literatur“ liegen, jedoch sehr zeitnah historiografische sowie prosopografische Notizen enthalten und auch die liturgischen Feiern oder baulichen Veränderungen in Wort und Bild dokumentieren.[3] Diese Informationen sind sonst kaum oder nur schwer zu finden, wodurch dieses Schrifttum eine wichtige, allerdings oft unterschätzte Quelle, besonders für das Ordensleben des 20. Jahrhunderts, darstellt.

Von den derzeit 144 im Zeitschriftenarchiv nachgewiesenen Titeln[4] spiegelt die Verteilung nach der herausgebenden Körperschaft die vorherrschende Wahrnehmung der Ordenslandschaft wider: Mit 86 Titeln überwiegen Periodika von Männerorden deutlich gegenüber solchen von Frauenorden (34 Titel). Die Bezeichnungen Männer- bzw. Frauenorden schließen hierbei auch die Kongregationen ein.

 

Bei der Verteilung der 144 Zeitschriften nach Körperschaften zeigt sich, dass von deutlich mehr Männerorden Zeitschriften nachgewiesen sind (86 Titel), als von Frauenorden (34 Titel)

Abb. 2: Bei der Verteilung der 144 Zeitschriften nach Körperschaften zeigt sich, dass von deutlich mehr Männerorden Zeitschriften nachgewiesen sind (86 Titel), als von Frauenorden (34 Titel). © Erzabtei St. Peter/Sonja Führer

 

 

In öffentlichen Bibliotheken oder Archiven sind die eingangs definierten Ordenszeitschriften nicht vollständig nachgewiesen und wenn Bestände vorhanden sind, dann nur unter einem regionalen Gesichtspunkt.[5] Das gilt insbesondere für Frauengemeinschaften. Der Abgleich mit der Zeitschriftendatenbank (ZDB)[6] ergibt, dass in diesem Repositorium 56 der im Zeitschriftenarchiv der Orden nachgewiesenen Titel bisher nicht aufscheinen. Die Recherche im Gesamtkatalog der „Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH“ (OBVSG)[7], in welchem 87 Bibliotheken [u. a. die Österreichische Nationalbibliothek und die Universitätsbibliotheken] zusammengeschlossen sind, hat ergeben, dass 61 Titel in keiner Bibliothek vorhanden sind.

 

In der Zeitschriftendatenbank (ZDB) sind 56 Ordenszeitschriften nicht nachgewiesen. Im Österreichischen Verbundkatalog (OBVSG) sind sogar 61 Ordenszeitschriften in keiner der 87 teilnehmenden Bibliotheken vorhanden.

Abb. 3: In der Zeitschriftendatenbank (ZDB) sind 56 Ordenszeitschriften nicht nachgewiesen. Im Österreichischen Verbundkatalog (OBVSG) sind sogar 61 Ordenszeitschriften in keiner der 87 teilnehmenden Bibliotheken vorhanden. © Erzabtei St. Peter/Sonja Führer

 

Das Ziel des Zeitschriftenarchives ist es daher, die Publikationen aller kanonischen Lebensverbände, die Niederlassungen in Österreich haben, möglichst vollständig zu sammeln, zu bewahren, zu erschließen und zugänglich zu machen, um die erwähnten Überlieferungslücken zu schließen. Diese Spezialsammlung soll die Sichtbarkeit des Lebens und Wirkens der Österreichischen Ordensgemeinschaften in der Vergangenheit ebenso wie im Kontext der aktuellen Veränderungen und Herausforderungen ermöglichen. Schon in verschiedenen Titeln wie Rundbrief, Jahresberichte, Chroniken, Brief an die Freunde, … spiegelt sich die Vielfältigkeit wider, welche die österreichische Ordenslandschaft bis heute prägt. Manche Zeitschriften weisen eine lange Erscheinungsdauer auf, die ebenso bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, wie das Beispiel der von den Steyler Missionaren seit 1878 herausgegebenen Zeitung Stadt Gottes aufzeigt.

Ca. 75 dieser Titel werden von den einzelnen Klöstern und Gemeinschaften (45 männliche und 20 weibliche) an die Ordensgemeinschaften Österreich übermittelt, wo sie als eine der Informationsgrundlagen für die Ordensnachrichten ausgewertet werden. Danach werden sie jahrgangsweise an die Bibliothek der Erzabtei St. Peter geschickt.

 

2. Wo werden diese Materialien aufbewahrt?

Die Zeitschriften verbleiben im Eigentum der Österreichischen Ordenskonferenz. Die Erzabtei St. Peter in Salzburg stellt einen eigenen Speicherbereich der Bibliothek für die Aufstellung zur Verfügung. Derzeit hat das Zeitschriftenarchiv einen Umfang von 50 Laufmetern Regalfläche.

 

Abb. 4: Die Lagerung der Ordenszeitschriften in St. Peter erfolgt möglichst platzsparend. © Erzabtei St. Peter/Sonja Führer

 

Das Interesse an Ordensgeschichte prägte schon seit Jahrhunderten die Sammlungstradition der Salzburger Benediktiner und bildet bis heute einen der Sammelschwerpunkte der Stiftsbibliothek. Die Schaffung eines Sammelortes in kirchlicher Trägerschaft soll ein Angebot darstellen, verstreute und unvollständige Bestände zusammenzuführen und einen möglichst vollständigen Bestand aufzubauen. Daher besteht das Ziel des Zeitschriftenarchivs der Orden neben der Übernahme der aktuellen Jahrgänge auch darin nicht mehr erscheinende und Vorgänger-Zeitschriften zu sammeln. Bei Schließungen oder Zusammenlegungen von Niederlassungen besteht somit eine Möglichkeit, Bestände abzugeben und nicht entsorgen zu müssen.

 

3. Wie werden sie erschlossen und zugänglich gemacht?

Um sich einen raschen Überblick darüber verschaffen zu können, welche Zeitschriftentitel und welche Bestände davon im Zeitschriftenarchiv bereits vorhanden sind, sind eine elektronische Erschließung und eine Recherchemöglichkeit über einen Web-OPAC notwendig. Seit dem Jahr 2020 erfolgt dies über den Verbundkatalog der Österreichischen Orden (KOBi = Katalog der Ordensbibliotheken)[8], in welchem das Zeitschriftenarchiv der Orden als Teilbibliothek der Erzabtei St. Peter erschlossen ist.

Die zentrale Aufbewahrung und Erschließung bietet somit einerseits einen guten Überblick über die Ordenszeitschriften, unterstützt die Forschung zu einzelnen Gemeinschaften, aber auch bei vergleichenden Fragestellungen, und ermöglicht eine benutzerfreundliche, rasche Bearbeitung von Anfragen. Andererseits bietet die Erschließung in einem einzigen Katalog als umfassendes Nachweisinstrument für Ordenszeitschriften einen einfachen und sehr übersichtlichen Zugang für die wissenschaftliche Forschung. Sie unterstützt aber auch jene Institutionen, die – aus welchen Gründen auch immer – Ordenszeitschriften ausscheiden müssen, bei der Durchführung eines raschen Bestandsabgleichs.

Das Zeitschriftenarchiv der Orden stellt ein Beispiel einer gelungenen Kooperation im kirchlichen Bereich dar und kann vielleicht als Leuchtturmprojekt weitere Initiativen von Bibliotheken und Archiven anregen, welche auch das Feld der digitalen Kommunikation berücksichtigen, um das vielfältige Wirken von Klöstern und Ordensgemeinschaften in Gesellschaft und Kultur weiterhin sichtbar zu machen und die Zeugnisse davon zu bewahren.

 

Sonja Führer wurde nach dem Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Universität Salzburg Bibliothekarin der Erzabtei St. Peter (Salzburg). Berufsbegleitend absolvierte sie bibliothekswissenschaftliche Kurse in Wien und Graz. Seit 2009 ist sie Leiterin der Stiftsbibliothek. Als Mitglied des Leitungsteams der Arbeitsgemeinschaft Ordensbibliotheken der Österreichischen Ordenskonferenz ist sie Mitinitiatorin des Verbundkatalogs für Ordensbibliotheken in Österreich (KOBi). Ihre Forschungsinteressen liegen in der Kloster- und Bibliotheksgeschichte der Benediktiner von St. Peter.

 

 

* Vortrag gehalten bei der IV. Konferenz der europäischen Kirchenarchivare von 18.–20. Mai 2026 in Wien (Überarbeitete Fassung).

1 Ein gemeinsames Haus für die Ordenszeitschriften, in: Ordensnachrichten 4 (2014), 14f.

2 Zu Ausrichtung und Aufbau des Zeitschriftenarchivs der Orden siehe folgende zwei Artikel auf der Homepage der Ordensgemeinschaften Österreich: https://www.ordensgemeinschaften.at/kultur/aktuelles/news/article/7749.html und https://www.ordensgemeinschaften.at/8435/10-jahre-zeitschriftenarchiv-ordenszeitschriften-als-wissensspeicher. [Zugriff für alle in diesem Beitrag angegebenen Hyperlinks: 12.08.2026].

3 Jahresberichte von Schulen oder sozial-karitativen Einrichtungen, deren Inhalte nicht mehr direkt mit den Ordensgemeinschaften in Verbindung stehen, werden dabei nicht berücksichtigt.

4 Mit Stand August 2026 sind im Katalog der Ordensbibliotheken (KOBi) 156 Titel für das Zeitschriftenarchiv nachweisbar. 12 Zeitschriften beziehen sich nicht auf Österreich und werden daher für die aktuelle Fragestellung nicht in der Statistik berücksichtigt. Durch Veränderungen bei den Körperschaften – besonders in Folge von Zusammenlegungen oder Neuordnungen von Provinzen – kann es zu gewissen Unschärfen kommen.

5 Nur in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek und der Bibliothek der Hochschule Heiligenkreuz finden sich umfangreichere, überregionale Ordenszeitschriftenbestände.

6 Die ZDB verzeichnet in Deutschland und Österreich verfügbare gedruckte sowie elektronische Periodika und wird laufend um europäische digitalisierte Zeitungen ergänzt: https://zdb-katalog.de/index.xhtml

7 https://www.obvsg.at/

8 Über den Web-OPAC ist eine kostenfreie Recherche möglich:https://kobi.ordensgemeinschaften.at