Kulturkleinod Malteserkirche
Das Erscheinungsbild der Malteserkirche in der Kärntner Straße hat in den letzten 200 Jahren einiges an Veränderungen erfahren. (c) Souveräner Malteser-Ritter-Orden
1854 wurde Josef Graf Mittrowsky von Mittrowitz und Nemyšl Komtur von St. Johann zu Wien. In seiner Amtszeit kam es zu der Umgestaltung des Kirchenraumes im Stil des Historismus. Die Renovierung wurde wenig gewürdigt, da sie die Qualität des Historismus nicht geschätzt wurde. Ein heute verschwundener Sternenhimmel, der sich über das gesamte Gewölbe zog, und bunte Glasfenster brachten eine spezifisch mystische Lichtstimmung in die Kirche. Nur in der Mitte des Chores über dem Hochaltar sind Reste der Fenster erhalten. Regelmäßige Messbesucher äußern immer wieder Interesse, mit wem die beiden zentral angebrachten Wappen in Verbindung stehen.
Das Linke erschließt sich leicht, da es das Wappen des Ordens ist, in seiner Form fast identisch zu der, die wir heute noch verwenden. Obwohl der Großmeister des Ordens durch seinen Besitz von Malta und Gozo als Souverän und Fürst anerkannt wurde und Kaiser Rudolf II. (1607) und Ferdinand II. (1620) ihn in seiner Würde als Reichsfürst bestätigten, wurde der Fürstenstand des Großpriors erst später (1879), durch Kaiser Franz Joseph bestätigt.
Das rechte Wappen zeigt auf rotem Grund einen vertikalen weißen Balken. Das Spruchband darunter ist aufgrund der Höhe nicht leicht zu entdecken: „Aeternus quia purus“ – „Ewig, weil rein“. Es ist das Wappen der Familie Mittrowsky, einer aus Böhmen stammenden Familie, die sich als Rittergeschlecht bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Ihre zahlreichen Spuren finden wir auch in Mähren und Schlesien.
Wer war Josef Graf Mittrowsky?
Ein Portrait von Josef Kriehuber aus dem Jahr 1845 zeigt ihn als aufgeklärten Aristokraten, der seine Vorbilder im englischen Adelsideal und dem Landleben sieht. Die Bartmode erinnert an István Graf Széchenyi. Sein joviales Wesen verdeckte oft seine militärische Karriere. Im Jahre 1821 wurde er zum Leutnant im Ulanenregiment Nr. 4 ernannt. Er diente in verschiedenen Kavallerieregimenten, bis er im Jahre 1833 als Major und Dienstkämmerer bei Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser, in Verwendung kam. 1846 wurde er zum Generalmajor befördert. Er war in all diesen Jahren ein umsichtiger Vertrauter des Kaisers. Seine Stellung als Vorsteher der Inneren Kammer des Kaisers in den kritischen Monaten des Jahres 1848, von April bis September, zeugt vom Vertrauen der kaiserlichen Familie in seine persönliche Kompetenz. Bald wurde er zum k.u.k. Kämmerer ernannt, die Würde eines Geheimen Rates folgte.

Fra’ Josef Mittrowsky. (c) Lithographie von Josef Kriehuber (1845) via Wikimedia Commons
Die enge persönliche Verbindung zu Kaiser Ferdinand und Kaiserin Maria Anna blieb bis zu seinem Tod bestehen. Anfang des Jahres 1857 wurde ihm ein Elfenbeinkreuz mit Widmung von beiden Majestäten für die Wiener Malteserkirche überreicht. Es befindet sich noch heute an der rechten Seitenwand in der Nähe der Professenbank. Es handelte sich um eine offizielle Anerkennung seiner Bemühungen um die erfolgreiche Renovierung der Kirche.
Nachdem Franz Graf von Kolowrat-Krakowsky Großprior des Ordens von Böhmen und Österreich wurde, übernahm Josef Graf Mittrowsky dessen Stelle eines Gesandten des Johanniterordens am kaiserlichen Hof in Wien. Diese ununterbrochene diplomatische Position am Wiener Hof war auch für die Anerkennung der Souveränität des Ordens ein wichtiger Schritt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kurzbezeichnung „Malteserorden“ am Wiener Hof eingeführt, da es immer wieder zu Verwechslungen mit dem evangelischen Johanniterorden in Brandenburg-Preußen kam.
Die Stellung als Bailli und Komtur von St. Johann in Wien verband Fra’ Josef Mittrowsky mit einem weit über das Übliche hinausgehenden persönlichen Pflichtgefühl. Als er am Weihnachtstag des Jahres 1875 starb, betrauerte ihn nicht nur der gesamte Orden, sondern ganz Wien. Die Kirche wurde mit schwarzen Tüchern ausgeschlagen, Funeralwappen wurden aufgehängt. Drei Erzherzöge waren erschienen: Karl Salvator, Wilhelm und Rainer; außerdem Obersthofmeister Fürst Hohenlohe, Vertreter des Herrenhauses, die Ritter des Ordens und die Vertreter des Deutschen Ritterordens. Auffallend war die starke Teilnahme der Generalität und von Stabsoffizieren. Nach dem Requiem ging der Kondukt zum Nordbahnhof. Als letzter Gruß verabschiedeten Ehrensalven den Sarg am Praterstern. Dann ging es das letzte Mal nach Kunstadt (Kunštát) in Mähren, wo Fra’ Josef Mittrowsky seine letzte Ruhestätte fand.
Das Fenster mit seinem Wappen und sein Aufschwörschild an der Orgelempore der Kirche sind die letzte sichtbare Erinnerung an einen Ordensritter, dem der Souveräne Malteser-Ritter-Orden mehr verdankt, als die kollektive Geschichtsschreibung überliefert.
Autor: Wolfgang J. Bandion