Das Jahr 1945 bei den österreichischen Redemptoristen

Kirche und Kloster von Maria am Gestade 1945. (c) Provinzarchiv CSsR Wien
Am 12. März 1945 wurde das Kloster Maria am Gestade in Wien verheerend von einer Bombe getroffen, unter den Trümmern des Gebäudekomplexes Salvatorgasse 10 und 12 starben an die hundert Personen. Die Patres und Brüder, die im Keller Sicherheit gesucht hatten, blieben unverletzt. Auch die Kirche blieb einigermaßen verschont. Das Dach und die hofseitige Außenwand des Klosters wurden aber zerstört, wodurch es in die Zimmer hineinregnete. Die Bücher der Hausbibliothek lagen unter Schutt und Schlamm. Ein Bombeneinschlag am 8. April 1945 beschädigte das Kirchendach. Nach dem Krieg erstand Maria am Gestade unter P. Joseph Wirth, der in dieser Zeit Rektor war, neu. Die Finanzierung der Wiederherstellungsarbeiten erwiesen sich allerdings als schwierig. Die Ansuchen kosteten viele Nerven. Es musste gewissermaßen um jeden Ziegel verhandelt werden. Doch gab es auch Leute, die sich durch Spenden für die Heimkehr ihrer Söhne aus dem Krieg bedanken wollten. Nach der provisorischen Instandsetzung des Kircheninneren konnte ab dem 9. Oktober 1945 wieder am Hochaltar Heilige Messe gefeiert werden. Die gotischen Fenster und Bilder, die während des Kriegs in Laxenburg gelagert waren, kamen erst 1948 in die Kirche zurück.
In Hernals (Wien) zerstörte eine Bombe am 22. März 1945 das zum Kloster gehörige Vereinshaus. Einige Räume für die Pfarre waren bald wiederhergerichtet, aber der Theatersaal blieb lange ohne Dach und wurde zum Gemüseanbau genutzt.
Das verwüstete Kolleg in Eggenburg (Niederösterreich) wurde nach dem Krieg wieder übernommen. Das zum Kloster gehörige Vereinshaus (heute Gästehaus „K-Haus“) wurde erst in den 1950er Jahren für seelsorgliche Zwecke frei. Das Noviziat wurde vorübergehend nach Mautern (Steiermark) verlegt. Doch begann man mit einem Brüdernoviziat. In Oberpullendorf (Burgenland) wurden deutsche, ungarische und kroatische Gottesdienste in der ausgeraubten Kirche gefeiert. In Leoben (Steiermark) wohnten Mietsparteien im Kloster. Erst 1951 war ein Stockwerk für die Kommunität freigeräumt. In Innsbruck (Tirol) erhielten die Redemptoristen das beschlagnahmte, schwer beschädigte Gebäude zurück. In Puchheim (Oberösterreich) waren die Patres während des Krieges in der Lage gewesen, dank des Einsatzes von Herzogin Maria del las Nieves Bourbon seelsorglich aktiv zu bleiben. Nach der schweren Bombardierung Attnangs am 21. April 1945 wurden hunderte Tote auf dem Steinpflaster der Georgskirche wie auch der Wallfahrtskirche aufgebahrt.
Im seit 1938 aufgehobene Juvenat in Katzelsdorf (Niederösterreich), wo am 1. April 1945 abziehende Truppen des Fliegerhorsts Wiener Neustadt den Turnsaal in Brand gesteckt hatten, zogen am Abend desselben Tages russische Soldaten plündernd durchs Haus. Manche Einrichtung ging verloren. Der Wiederaufbau erforderte große Anstrengung. Der am 13. April 1945 verstorbene P. Hermann Joseph Hofbauer, ein Urgroßneffe des heiligen Klemens, wurde aufgrund des Einmarschs der Russen nicht am Friedhof, sondern im Klostergarten beigesetzt. Erst ab September 1946 konnte nach den nötigen Renovierungsarbeiten der Schul- und Internatsbetrieb wieder aufgenommen werden.
Von Mautern war das Studentat 1940 nach Puchheim verlegt worden. Am 19. Juni 1945 wurde das Kolleg wiedereröffnet. Am 16. September 1945 wurde das Kloster in Mautern von der britischen Besatzung und dem Land Steiermark den Redemptoristen zurückgegeben. Aber die Wiederaufnahme des Studienbetriebs verzögerte sich, bis die in Kriegsgefangenschaft geratenen Theologen zurückgekehrt waren. Erst im September 1946 wurde mit dem ersten Semester nach dem Krieg begonnen. Einige Patres konnten mit den Belastungen gut umgehen. Beispielsweise kamen P. Karl Dolejsi seine Sprachkenntnisse zugute, um mit den Besatzungssoldaten zu verhandeln. P. Josef Weilharter hatte auch im Krieg an seinen künstlerischen Projekten gearbeitet. Andere kamen nach Inhaftierungen physisch und psychisch gebrochen zurück.
Da für die Nachkriegszeit eine zunehmende religiöse Gleichgültigkeit befürchtet wurde, wollten die Redemptoristen möglichst schnell das kirchliche Leben wieder beleben. Volksmissionen und andere seelsorgliche Tätigkeiten, nicht zuletzt in der Jugendarbeit, wurden mit großem Eifer wieder aufgenommen.
Ein Jahr nach Kriegsende, 1946, beging Kardinal Theodor Innitzer für die ganze Erzdiözese Wien ein großes Klemenstriduum in Maria am Gestade, um für das Anliegen der geistlichen Erneuerung zu beten. Viele Gläubigen, darunter auch Vertriebene aus Tasswitz (Tasovice bei Znaim, Tschechien, dem Geburtsort von Klemens Maria Hofbauer, Redemptorist und Stadtpatron von Wien und Heiliger,), nahmen große Strapazen auf sich, um dabei zu sein. Nun konnte man für das Kriegsende innig danken und an die heroische Glaubenskraft und unverbrüchliche Hoffnung des Stadtpatrons erinnern und darum bitten, dass er Wege aus den materiellen und seelischen Trümmern weisen möge.
Autorin: Yasmine Wessely, Provinzarchivarin