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25. Juli 2019

Ein neuer Fund in den Sammlungen des Stifts Göttweig

Abt Gottfried Bessel und seine Briefe über die „Würzburger Lügensteine“

Mag. Rameder und sein Team haben im Briefnachlass des Abtes Gottfried Bessel (reg. 1714–1749) einige bemerkenswerte Briefe gefunden, die belegen, dass einer der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Fälschungsskandale des 18. Jahrhunderts sogar in Göttweig Spuren hinterlassen hat.

In der jüngsten Ausgabe des „Göttweiger“ (Nr. 1/2019) berichtet Mag. Bernhard Rameder, Kustos der Stiftssammlungen in Göttweig, von einem interessanten Fund. Er hat uns seinen Text dankenswerter Weise für unsere Website zur Verfügung gestellt.

1725 versteckte ein bis heute Unbekannter in einem Weinberg wenige Kilometer außerhalb von Würzburg eine große Menge an Steinen, die von Bildhauern so präpariert wurden, dass sie gewisse Ähnlichkeiten mit fossilen Versteinerungen von kleineren Tieren und Pflanzen hatten - aus heutiger Sicht jedenfalls relativ plumpe Imitationen von Fossilien. Im Sommer des Jahres 1725 wurde der angesehene Würzburger Arzt und Universitätsprofessor Dr. Beringer (1670-1738) auf diese seltsamen Steine hingewiesen. Er veranlasste, dass alle – wohl kurze Zeit zuvor versteckten – „Figurensteine“ wieder ausgegraben wurden. Von diesen präparierten Steinen haben sich über 600 Stück bis heute erhalten. In Würzburg verursachte der vermeintlich sensationelle Fund jedenfalls großes Aufsehen. Viel zu spät wurde offensichtlich, dass sich um eine gezielte Täuschung handelte, mit der Dr. Beringer hinters Licht geführt werden sollte. Es entfachte sich ein Gelehrtenstreit mit zwei Kollegen Beringers an der Würzburger Universität, die immer wieder verdächtigt wurden, die Fälschung erdacht zu haben.

In Göttweig war zur gleichen Zeit Abt Gottfried Bessel auf der Suche nach kuriosen Objekten für sein Kunst- und Naturalienkabinet. Als eifriger Leser der „Neuen Zeitungen von gelehrten Sachen“, einer wissenschaftlichen Zeitschrift, fiel ihm rasch die Ankündigung des Fundes von höchst seltsamen Steinen in Würzburg ins Auge.

Abb. 1: Einer der nach Göttweig übersandten Briefe, (c) Rameder; Abb. 2: Portrait des Abtes Gottfried Bessel (reg. 1714-49), (c) Stift Göttweig, Edgar Knaack;

Abb. 3: Echtes Fossil aus der ehemaligen Kunst- und Wunderkammer (c) Rameder

Sogleich beauftragte er seinen dortigen Handelsagenten Georg Joseph Bockleth, sich um die Beschaffung solcher Steine für die Göttweiger Sammlungen zu kümmern. Fünf neu entdeckte und bis dato unbekannte Briefe zwischen Bessel und Bockleth (geschrieben von April bis Juli 1726, sowie ein Brief im Jänner 1728) geben uns nun Aufschluss darüber, welche Informationen und Gerüchte um die heute sogenannten „Würzburger Lügensteine“ nach Göttweig gelangten. Der Göttweiger Abt zeigt sich in den Briefen interessiert, aber auch sehr kritisch und bat seinen Agenten, selbst in den Weinbergen nach solchen Steinen zu suchen. Sicher lässt sich sagen, dass sieben Stück dieser Steine sowie neun lose Kupferstichdarstellungen davon nach Göttweig geschickt wurden, die leider heute verschollen sind.

Text: B. Rameder
Redaktion: iks

Abb. 4: In der Stiftsbibliothek findet sich eine große Zahl an Sekundärliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts zur Fossilienkunde, (c) Rameder;

Abb. 5: Einblick in die Kunst- und Wunderkammer des Stiftes, Kupferstich 1744, (c) Stift Göttweig

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