12. Oktober 2026

Salesianerinnen Wien: Skulptur der Ordensgründerin restauriert

Am 18. Oktober 2026 steht die Restaurierung im Mittelpunkt: Der Europäische Tag der Restaurierung macht auf die Bedeutung der fachgerechten Erhaltung unseres kulturellen Erbes aufmerksam. Auch im Kloster der Salesianerinnen am Rennweg in Wien gibt es Anlass zur Freude: Die erste von insgesamt acht historischen Gartenskulpturen konnte fachgerecht restauriert werden. Den Auftakt bildet die Figur der Ordensgründerin, der hl. Johanna Franziska von Chantal (*1572, †1641).

Susanne Winkler restaurierte die Figur der Ordensgründerin der Salesianerinnen, der hl. Johanna Franziska von Chantal.

Susanne Winkler restaurierte die Figur der Ordensgründerin der Salesianerinnen, der hl. Johanna Franziska von Chantal. (c) ÖOK/bw

 

Die mit Öl- bzw. Öl-Harz gebundenen Farben gefasste Gipsfigur ist Teil einer Gruppe von acht Skulpturen, die innerhalb von Nischen im Garten des Klosters der Salesianerinnen in Wien aufgestellt sind. Die fachgerechte Restaurierung durch Susanne Winkler bildete nun den Auftakt für die Restaurierung der weiteren Figuren.

 

Das Kloster der Salesianerinnen

Der Orden der Heimsuchung Mariens, benannt nach dem Besuch Mariens bei Elisabeth, der Mutter des hl. Johannes (Lk 1, 39-56) wurde 1610 vom hl. Franz von Sales und der hl. Johanna Franziska von Chantal in Frankreich gegründet. Die Witwe Kaiser Josefs I., Kaiserin Wilhelmine Amalia, stiftete 1717 in Wien ein Heimsuchungskloster, das für sie selbst als Witwensitz und als Bildungsstätte für junge Mädchen dienen sollte. Mit Heimsuchungsschwestern aus Brüssel besiedelt, konnte das Kloster 1719 bezogen werden. Bis heute leben die Schwestern der Heimsuchung Mariens, auch Salesianerinnen genannt, im Kloster am Rennweg. Eine feste Tagesordnung, Gebet und Arbeit bestimmen den Alltag der Gemeinschaft.

 

In Nischen im Garten des Klosters der Salesianerinnen in Wien sind acht Skulpturen zu finden. Die Statue der hl. Johanna Franziska von Chantal ist Teil davon.

In Nischen im Garten des Klosters der Salesianerinnen in Wien sind acht Skulpturen zu finden. Die Statue der hl. Johanna Franziska von Chantal ist Teil davon. (c) ÖOK/km

 

Aufwendige Detailarbeit

Der wunderbare Garten, der zum Kloster gehört, ist sowohl Ort der Arbeit als auch der Ruhe und Kontemplation. In der warmen Jahreszeit stehen hier die acht etwa 1,10 Meter großen Gipsfiguren in den Nischen entlang der Gartenmauer und sind damit besonderen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Wechselnde Temperaturen, Feuchtigkeit und die jahreszeitlichen klimatischen Bedingungen stellen für die Gipsfiguren eine besondere Herausforderung dar. Während der Wintermonate werden sie zum Schutz im Kloster aufbewahrt.

 

Die klimatischen Bedingungen hatten im Laufe der Zeit zu Schäden an den Fassungen geführt. Neben einer Oberflächenverschmutzung zeigten sich teilweise massive Fassungsabhebungen sowie Fehlstellen. Diese wurden durch geeignete Festigungsmaßnahmen behandelt und die abstehenden Fassungsbereiche mithilfe von Druck und Wärme schonend niedergelegt und gefestigt. „Die Konsolidierung erwies sich aufgrund der ausgeprägten Hochstellungen der Fassungen als aufwendig, führte aber zu einem zufriedenstellenden Ergebnis“, erklärte die Restauratorin. Durch Kittungen und anschließende Retuschen konnten die Fehlstellen farblich in den Bestand integriert werden. Ein passender Firnis stellte schließlich den ursprünglichen Glanz der Figur wieder her.

 

Die Restaurierung der Figur der hl. Johanna Franziska von Chantal machte den Auftakt. Nun folgen die weiteren Skulpturen des Salesianerinnen-Klosters.

Die Restaurierung der Figur der hl. Johanna Franziska von Chantal machte den Auftakt. Nun folgen die weiteren Skulpturen des Salesianerinnen-Klosters. (c) ÖOK/km

 

Die hl. Johanna Franziska von Chantal

Die hl. Johanna Franziska von Chantal war die Tochter des Parlamentspräsidenten Frémoyt von Burgund und heiratete im Alter von 20 Jahren den Baron Christophe de Rabutin, Baron von Chantal. In glücklicher Ehe gebar sie sechs Kinder. 1601 verunglückte ihr Mann bei einem Jagdunfall. Durch diesen Schicksalsschlag schwer getroffen, bestimmten fortan Gebet und Buße ihr Leben. In einer Vision erhielt sie einen Hinweis auf ihren künftigen geistlichen Begleiter. 1604 begegnete sie Franz von Sales und erkannte in ihm den ihr offenbarten Freund. Gemeinsam gründeten sie 1610 in Annecy den Orden „Von der Heimsuchung Mariens“, die „Salesianerinnen“.

 

Für die Gemeinschaft der Salesianerinnen am Rennweg in Wien hat die gelungene Restaurierung der Figur der hl. Johanna Franziska von Chantal einen besonderen Wert. In der Sorge um den Erhalt der Skulptur zeigt sich nicht nur die Verantwortung für ein historisches Kunstwerk, sondern auch die lebendige spirituelle Verbundenheit mit der Ordensgründerin. Mit der Restaurierung der ersten Figur ist der Auftakt gemacht: Nach und nach werden auch die weiteren Skulpturen restauriert, um dieses besondere Ensemble und seine spirituelle Bedeutung für die Gemeinschaft zu bewahren.