17. September 2026

Freundeskreis Kapuzinergeschichte traf sich in Salzburg

Vom 8. bis 9. September 2026 traf sich der „Freundeskreis Kapuzinergeschichte“ in Salzburg. Der Freundeskreis bietet eine Plattform für historisch interessierte Kapuzinerbrüder, Laien sowie Mitarbeitende aus der Verwaltung der Kulturgütereinrichtungen des Ordens, um sich auszutauschen. Auch Studierende, die für ihre wissenschaftlichen Arbeiten auf die Bestände der Kapuziner zurückgreifen, erhalten hier die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren. Der Freundeskreis sieht in der eigenen Ordensgeschichte den wesentlichen Schlüssel für das Verständnis der Gegenwart und für künftige Handlungsoptionen.

Der „Freundeskreis Kapuzinergeschichte“ traf sich Anfang September 2026 in Salzburg.

Der „Freundeskreis Kapuzinergeschichte“ traf sich Anfang September 2026 in Salzburg. (c) Kapuzinerdelegation Tirol/Manfred Massani

 

Zwischen zwölf und 20 Teilnehmende aus vier Ländern kamen in Salzburg zusammen und erweiterten ihr Wissen während der Exkursionen und der Referate. Der erste Tagungstag begann mit zwei Exkursionen.

 

Wertvolle Buchschätze und franziskanische Kunst

Die erste Station war die Universitätsbibliothek Salzburg, wo die historische Kapuzinerbibliothek Salzburg untergebracht ist. Ursprünglich Teil des 1599 von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau gegründeten Klosters auf dem Kapuzinerberg, zählt sie zu den bedeutendsten Ordensbibliotheken der Region.

 

Nachdem die Bibliothek 1986 zunächst dem Landesarchiv übergeben worden war, ging sie 2023 als Schenkung an die Universitätsbibliothek Salzburg über. Kurz vor der offiziellen Buchpräsentation zur Erschließung der Kapuzinerbibliothek Salzburg gaben Christoph Brandhuber und sein Team (Abteilung Universitätsarchiv und Bibliothekssammlungen) erste Einblicke in ihre Arbeit. Die gezeigten Werke orientierten sich an den pastoralen Tätigkeitsfeldern der Kapuziner und umfassten besondere Raritäten: eine reich verzierte Koberger-Bibel und Makulatureinbände der 36-zeiligen Bibel (B36) – entstanden um 1459/60 (Gutenberg-Ära), zählt sie zu den seltensten und ältesten in Salzburg bisher entdeckten Druckfragmenten.

 

Teilnehmende aus vier Ländern trafen sich in Salzburg und erweiteren bei Exkursionen und Referaten ihr Wissen zu Franz von Assisi.

Teilnehmende aus vier Ländern trafen sich in Salzburg und erweiteren bei Exkursionen und Referaten ihr Wissen zu Franz von Assisi. (c) Universitätsbibliothek Salzburg

 

Einen Einblick, wie aufgefundene Vorbesitzervermerke sowie lose Einlagen in Büchern (Andachtsbilder, Spielkarten, Totenzettel) und Manuskripte (darunter ein historisches Kochbuch) digital ausgewertet werden, gibt die Plattform eplus.uni-salzburg.at/usbkapuziner. Allen Beteiligten war die Freude an der Erschließung dieses Schatzes anzumerken.

 

Ausstellung „LebensKunst“ im Dommuseum

Am Nachmittag führte Ausstellungskurator Reinhard Gratz durch die Sonderausstellung LebensKunst im Dommuseum Salzburg. Die Vielfalt franziskanischer Kunst- und Geistesgeschichte zeigte eindrucksvoll, wie franziskanische Spiritualität über die Jahrhunderte in den verschiedenen Ordenszweigen gewirkt hat – und bis heute wirkt. Jeden Tag stehen Mitglieder der franziskanischen Ordensfamilie Besucher:innen als Ansprechpersonen zur Verfügung.

 

Besonders beeindruckte die Stele „Franziskus versöhnt sich mit dem Schatten“ des Kapuziners Laurentius Englisch. Um anderen in Frieden zu begegnen, müsse der Mensch zuerst den „eigenen Wolf in sich selbst besänftigen“ – eine Botschaft von hoher Aktualität.

 

Biografien, Regionalgeschichte und Ausblick

Der zweite Tag im Kapuzinerkloster Salzburg startete mit einem Vortrag von Jan-Bernd Elpert über Valeriano Magni (1586–1661), einen der bedeutendsten Diplomaten und Religionsphilosophen des 17. Jahrhunderts, der in der Salzburger Klostergruft ruht.

 

Nach einer Klosterführung durch Bruder Christian folgten weitere Fachbeiträge:

  • Karin Trieschnigg beleuchtete die Geschichte der Kapuziner in Münstereifel über einen biografischen Zugang (ihr Wirken als Prediger, Bettelbrüder und Gründer einer Tuchmacherei).
  • Dietmar Wachter thematisierte das Leben von P. Benvenut Kapferer und die Klostergründung in Landeck-Perjen, ergänzt durch Zitate aus dessen Tagebuch und historisches Bildmaterial.
  • In der Abschlussrunde stellte Klaus Baulmann die editierte Chronik „Annalen der Kapuziner von Kloster Brunnen 1705 – 1796“ vor. Christian Schweizer wies zudem auf die Stiftung Pro Helvetia Franciscana hin.

Ausblick: Nächstes Treffen 2028

Das nächste Treffen des Freundeskreises ist für 2028 geplant – im Jahr des 500-Jahr-Jubiläums des Kapuzinerordens. Als Tagungsort ist Luzern mit einem Besuch des Kapuzinerklosters Sursee im Gespräch.

 

Erwähnte Publikationen (im Buchhandel erhältlich):

  • Reinhard Gratz u. a. (Hg.): LebensKunst. 800 Jahre Franz von Assisi. Katalog zur 46. Sonderausstellung des Dommuseums Salzburg (24. Mai bis 2. November 2026). ISBN: 978-3-901162-32-9
  • Karin Trieschnigg: Die Kapuziner in Münstereifel. Bettelmönche, Prediger, Tuchmacher. ISBN: 978-3-948682-63-7
  • Klaus Baulmann (Hg.): Annalen der Kapuziner von Kloster Brunnen 1705–1796. ISBN: 978-3-89710-425-9

Quelle: Manfred Massani (Kulturgutverwaltung der Delegation Tirol der Kapuziner)

 

[irene kubiska-scharl & karin mayer]