Eine außergewöhnliche Konventuhr im Franziskanerkloster Schwaz
Das imposante Werk von Johannes Capristan Silbernagl OFM in Schwaz. (c) Michael Neureiter
Österreichweit gibt es eine große Vielfalt an Groß- und Turmuhren. Sie sind noch in zahlreichen Kirchen, Klöstern, Burgen und Schlössern als geschmiedete Uhrwerke erhalten. Besonders reich ist der Variantenreichtum im Bundesland Tirol, da Innsbruck im 16. Jahrhundert ein Zentrum der Uhrmacherkunst gewesen ist. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass es in Tirol zahlreiche Familien gab, aus denen durch mehrere Generationen Großuhrmacher hervorgingen.
Johannes Capristan Silbernagl OFM als kunstsinniger Großuhrmacher
Einer unter ihnen war Johannes Capristan Silbernagl OFM (*1699, †1755). Er wurde als Michael Silbernagl in Waidbruck im Eisacktal (IT) als Sohn eines Huf- und Waffenschmieds Jodok Silbernagl und dessen Frau Ursula Edenhauser geboren. Auf Bitte der Klarissen in Brixen, wurde er vom Provinzial in den Franziskanerorden aufgenommen und erhielt den Ordensnamen Johannes Capristan – nach dem Franziskanerheiligen und „Apostel Europas“ (*1386, †1456). Er verbrachte mehr als drei Jahrzehnte seines Mönchslebens in verschiedenen Klöstern Süd- und Nordtirols sowie in Bayern und im Trentino, um zahlreiche Turm- und Konventuhren anzufertigen oder bereits vorhandene zu reparieren.

Die Schlagleitung im Refektorium. (c) Michael Neureiter
Das Schwazer Meisterstück
Schon 1723 hatte er im Franziskanerkloster Schwaz eine Uhr repariert, die Veit Forstlechner zugeschrieben wird. 1751 wurde er vom Provinzial erneut nach Schwaz geschickt, um eine neue Uhr anzufertigen. Er arbeitete – zusammen mit seinem Gehilfen, Michael Jeger – zwei Jahre daran. Das notwendige Eisen für das rund 600 kg schwere Stück wurde von der Familie Fieger aus Fügen im Zillertal zur Verfügung gestellt. Die Uhr beeindruckt durch eine außergewöhnliche Eigenschaft. Jeweils 7 ½ Minuten vor der halben und der vollen Stunde ertönt eine zusätzliche Schelle im Refektorium, die nicht vom Schlagwerk, sondern vom Zeigerwerk ausgelöst wird. Dies wird im Kloster als „Einschlagen“ bezeichnet. Der Betrieb der fünf Zifferblätter im Kloster, im Fronbogen der Kirche und im Refektorium wurden in den letzten Jahren elektrifiziert. Die Schlagwellen zum zweiten Schellenpaar im Refektorium wurden schon in den 1960er Jahren entfernt, das Schellenpaar neben dem Uhrwerk im Konvent läuft nun elektrisch.
Das Klosteruhrwerk kann nur nach Terminvereinbarung besichtigt werden.
Quelle: Michael Neureiter/Werner Kaill, Der Franziskanerbruder Johannes Capristan Silbernagl (1699-1755) und seine Konventuhren für Kaltern, Füssen und Schwaz. Eine reiche Turmuhrenlandschaft, in: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Jahresschrift 2025, Bd. 64, 139-153. Online unter: DGC Jahresschrift 2025 Johann Capristan Silbernagl OFM.pdf