14. Juli 2026

Wiener Minoriten: Wo Restaurierung & Konservierung Schule machen

Die Zentralbibliothek der Minoriten und ihr Archiv in Wien verfügen über einen außergewöhnlich umfangreichen historischen Buchbestand. Die ältesten Handschriften stammen aus der Zeit um 1300! Um Schäden, die über die Jahrhunderte entstanden sind, zu beseitigen, ging der Orden eine Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste ein. Studierende konnten so ihr theoretisches Wissen an Originalbeständen der Zentralbibliothek und des Archivs in die Praxis umsetzen.

Restaurierung und Konservierung

Speziell eingefärbtes Japanpapier wird zur Reparatur der Buchköpfe ausgewählt und appliziert. © Minoriten / Pol B. Edinger

 

Es ist wenig verwunderlich, dass im Verlauf einiger Jahrhunderte, in denen die Bücher gebraucht, bewegt und eben auch lange nicht bewegt wurden, Schäden auftauchen. Hinzu kommen über diese lange Zeit so manche Unfälle wie beispielsweise Wasserschäden oder durch Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen provozierte Materialschwächen.

 

Ausbildungskooperation mit der Akademie der Bildenden Künste

Die Erhaltung eines vergleichbar reichen und alten Bücherschatzes bedarf nicht nur kontinuierlicher Überwachung und Pflege, sondern in Schadensfällen auch Maßnahmen durch Restauratoren und Konservatoren. Durch eine Kooperation mit Frau Adrien Hofbauer-Bankos, Lehrende am Institut für Konservierung/Restaurierung der Akademie der Bildenden Künste, konnten Studierende ihr theoretisches Wissen an Originalbeständen der Zentralbibliothek und des Archivs in die Praxis umsetzen.

 

Restaurierung und lebendige Bildungsarbeit bei den Wiener MinoritenEin Frühdruck (ganz hinten), Handschriften aus dem 14. Jahrhundert, Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurden behandelt. © Minoriten / Pol B. Edinger

 

Bei einem ersten Treffen wurden eine Auswahl exemplarischer Schäden getroffen, Pläne erstellt und alle nötigen Maße genommen, um beim zweiten Termin zur Praxis zu schreiten. Es wurden z.B. die „Köpfe“, die oberen Kanten des Bucheinbandes, mit gefärbtem Japanpapier stabilisiert. Durch wiederholtes Herausziehen der Bände über Jahrhunderte sind viele davon beschädigt. Für einige der Handschriften, deren Einbände noch ihre mittelalterlichen Metallbuckel haben, wurden spezielle Umschläge gefertigt. Besonders eine „Inkunabel“, ein sehr früher Druck aus der Anfangszeit des Druckes mit beweglichen Lettern, wurde ebenfalls stabilisiert. Alle ausgeführten Maßnahmen sind für das geschulte Auge leicht erkennbar und reversibel. Sie können jederzeit mittels einfachster Behandlung wieder abgenommen werden, ohne dabei Spuren zu hinterlassen.

 

Restaurierung und lebendige Bildungsarbeit bei den Wiener Minoriten

Ein Arsenal an speziellen Werkzeugen und Mitteln ist für die Arbeiten nötig: Umschläge, Köpperbänder, Seidenpapier – die Bestände erfordern kreative Lösungen. © Minoriten / Pol B. Edinger

 

Fit für die nächsten Jahrhunderte

Die ungemein wertvolle Erfahrung von Konservatoren und Restauratoren kostet normalerweise etwas – durch das Format einer Ausbildungskooperation konnten unentgeltlich einige Bände der Zentralbibliothek und des Archivs gefestigt, stabilisiert und für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte gesichert werden.

 

„Wir danken Frau Adrien Hofbauer-Bankos und Ihren Studierenden für die wunderbare Zusammenarbeit ganz herzlich!“, freut sich Pol B. Edinger, Archivar der Minoriten Wien, über die gelungene Kooperation.

 

Die Ergebnisse können sich sehen lassen:

 

Die geschützte Inkunabel neben ihren Geschwistern, die noch der Behandlung harren.
Die geschützte Inkunabel neben ihren Geschwistern, die noch der Behandlung harren.
Die neu verpackten und geschützten Handschriften in ihrem Kasten
Die neu verpackten und geschützten Handschriften in ihrem Kasten
Gefestigte „Köpfe“
Gefestigte „Köpfe“
Gut geschützt für weitere Jahrhunderte: in säurefreien Umschlägen stehen besonders beschädigte Exemplare wieder an ihrem Platz.
Gut geschützt für weitere Jahrhunderte: in säurefreien Umschlägen stehen besonders beschädigte Exemplare wieder an ihrem Platz.
Reparierter Einschnitt bei Inkunabel
Reparierter Einschnitt bei Inkunabel

 

Text und Fotos: Pol B. Edinger, Zentralbibliothek und Archiv der Minoriten Wien