Franziskanerinnen Amstetten: Inventarisierungsprojet erfolgreich abgeschlossen
Erfolgreicher Projektabschluss: Das fertige Kunstgutinventar wurde am 6. Mai 2026 von Karina Steiner an Sr. Franziska Bruckner übergeben. © ÖOK/bw
Mit der verantwortungsvollen Aufgabe der Inventarisierung wurde die Kunsthistorikerin und Restauratorin Karina Steiner betraut, die insgesamt 274 Objekte erfasste. Wenige davon stammen aus dem 18. Jahrhundert, der größte Bestand ist dem 19. und 20. Jahrhundert zuzuordnen. Die Bandbreite reicht von einigen barocken Figuren über Mobiliar oder den Nachlass der Künstlerin Anna Tschadesch (*1906, †1977) bis hin zu der in weiten Teilen erhaltenen Originalausstattung der Franziskuskirche aus der Zeit um 1900. Im Zuge der Inventarisierung wurde jeder Gegenstand sorgfältig begutachtet, fotografisch dokumentiert, vermessen und hinsichtlich Material, Technik und Zustand beschrieben.
Sr. Franziska Bruckner, selbst historisch interessiert, konnte zu vielen Objekten interessante Auskünfte geben. Sie ist mit dem Ergebnis der Inventarisierung sehr zufrieden und lobte die sorgfältige Arbeit. Das übergebene Inventar dient den Verantwortlichen nun als Information über ihre kulturellen Werte, die Dokumentation hilft bei Restaurierungsmaßnahmen und Versicherungsfällen sowie auch bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit konkreten Objekten oder Aspekten der Ordensgeschichte.
Einige der 274 erfassten Objekte, die entweder kunsthistorisch bedeutsam oder von zeithistorischem Interesse sind bzw. Teile der Ordensgeschichte und der Standorte widerspiegeln.
Spuren der Geschichte der Kongregation und des spirituellen Lebens
Der Orden hat mit den Halleiner Schulschwestern gemeinsame Wurzeln in einer Gemeinschaft des Regulierten Dritten Ordens des hl. Franziskus, die 1723 von Maria Theresia Zechner (*1697–†1763) in Hallein gegründet wurde. 1845 von Kaiserin Carolina Augusta nach Wien berufen, wurde der Kongregation 1852 das ehem. Schloss Judenau (bei Tulln) zur Verfügung gestellt, welches sie als Waisenhaus betrieb. Ab 1855 diente das ehem. Schloss der – von nun an selbstständigen – Kongregation als Mutterhaus. 1938 untersagte man den Schulschwestern an diesem Standort jedoch die Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit, weshalb sie Judenau verlassen mussten und in der größten Filiale der Kongregation, in Amstetten, eine neue Heimat fanden. So wurde Amstetten zum neuen Mutterhaus.
Die Schwestern leben und arbeiten heute aber auch an den Niederlassungen in Langenlois, St. Pölten, Viehdorf, Waidhofen an der Ybbs und Zwettl. Die Tätigkeiten reichen von Seelsorge und Bildungsarbeit bis hin zur Pflege, sozialen Diensten und stillem Gebet. Sie lassen sich leiten von den franziskanischen Werten: Einfachheit, Dankbarkeit, Demut und die Freude am Leben.
Das spirituelle Herz der Gemeinschaft
Der Grundstein für das Kloster in Amstetten wurde am 18. April 1876 gelegt, um eine Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen zu errichten. Die dem heiligen Franz von Assisi geweihte und nach Plänen von Heinrich Holzeland, von der Firma Schreihofer-Gerlacher 1898/99 errichtete Klosterkirche präsentiert sich als Zentralraum mit fünfeckigem Grundriss und einem südöstlich gelegenen Turm, der den Eingangsbereich bildet. Die Kirche ist als Gesamtkunstwerk zu verstehen und weist eine qualitätsvolle durchkomponierte Ausstattung sowie ein speziell auf eine „Schulkirche“ abgestimmtes ikonografisches Konzept auf.
Haus voll Glorie und Geschichte: Einblick in die Klosterkirche der Franziskanerinnen Amstetten © ÖOK/sb
Die Klosteranlage wurde im 2. Weltkrieg schwer getroffen und anschließend wieder aufgebaut, die Kirche selbst war von den Bombenschäden nicht betroffen. Ein Brand jedoch, der 2012 in der Klosterkirche gelegt wurde, hatte erhebliche Schäden verursacht, die jedoch mithilfe aufwendiger Restaurierungsarbeiten wieder behoben werden konnten.