Stift Seitenstetten: Fachgespräch zum historischen Naturalienkabinett

Das Naturalienkabinett steht im Mittelpunkt des sammlungswissenschaftlichen Fachgesprächs im Stift Seitenstetten. (c) ÖOK/km
Im niederösterreichischen Benediktinerstift Seitenstetten befinden sich naturhistorische Sammlungsräume, darunter ein Naturalienkabinett, das auf den ersten Blick nahezu unverändert aus dem 18. Jahrhundert stammt. Dieser Eindruck täuscht: Seit März 2025 untersuchte ein Team des Zentrums für Museale Sammlungswissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems und der Landessammlungen Niederösterreich in enger Kooperation mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Stiftesdiesen besonderen Ort. Im Rahmen eines sammlungswissenschaftlichen Fachgesprächs wurde das Projekt „Sammlungswissenschaftliche Erforschung des Naturalienkabinetts im niederösterreichischen Benediktinerstift Seitenstetten“ sowie erste Zwischenergebnisse einer ausgewählten internationalen Fachpublikum präsentiert.
Interdisziplinäre Herangehensweise
In ihrer Gesamtheit widmen sich die Vorträge der naturhistorischen Sammlung des Stiftes Seitenstetten unter vielseitigen Blickwinkeln: Sie zeigten wie historische, kunsthistorische, restauratorisch-konservatorische und denkmalpflegerische Perspektiven ineinandergreifen und ein breites Spektrum an verschiedensten Fragestellungen eröffnen können. Die dabei deutlich werdende interdisziplinäre Herangehensweise stellt eine zentrale Prämisse der sammlungswissenschaftlichen Forschung dar.

Beim sammlungswissenschaftlichen Fachgespräch im Stift Seitenstetten treffen internationale Fachleute sowie Vertreter:innen aus den österreichischen Benediktinerstiften zusammen. Auf dem Foto zu sehen (vl): P. Benedikt Resch, Mathias Weis, Sandra Sam, Isabella Gmeindl, Markus Bürscher und Claudia Rapberger. (c) Verena Bull
Aktuell befindet sich das Projekt in einer umfassenden Dokumentationsphase. Die beteiligten Forschenden konzentrieren sich darauf, grundlegende Daten innerhalb ihrer jeweiligen Disziplinen systematisch zu erfassen. Da es sich um eine historische Sammlung handelt, umfasst dies nicht nur die Sichtung und Dokumentation des gegenwärtigen Zustandes, sondern auch die Miteinbeziehung historischer Quellen sowie die präzise Erarbeitung ihres historischen Kontextes.
Bewahrung von Kultur und Wissen
Im 18. Jahrhundert richteten zahlreiche Stifte naturhistorische Sammlungen ein – wie sich diese im Laufe der Zeit entwickelten, soll nicht in Vergessenheit geraten. Dafür ist es wichtig, die Bedeutung der Stifte und Klöster als Orte der Bewahrung von Kultur und Wissen stärker ins Bewusstsein zu rücken. Zur Untersuchung dieser besonderen Sammlungsorte schlägt der sammlungswissenschaftliche Zugang vor, interdisziplinäre Perspektiven anzuwenden, um mannigfaltige Blickwinkel auf Vergangenheit und Gegenwart sichtbar zu machen.
Historische Sammlungsorte in Stiften und Klöstern verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Statt sie als „Dornröschenschlaf“-Relikte zu betrachten, gilt es, genau hinzusehen: Nur so lassen sie sich ihre historische Tiefe, ihren religiösen Kontext und ihren heutigen Zustand angemessen erfassen und verstehen. Dafür bedarf es einer interdisziplinären sowie institutionsübergreifenden Zusammenarbeit, für die sich im Rahmen des Fachgesprächs eine deutliche Bereitschaft der Teilnehmenden zeigte.
Text: Claudia Rapberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität für Weiterbildung Krems, Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften