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13. April 2026

Stiftsbibliothek Melk: Think big – Ostern in Onkel Toms Hütte

Die Stiftsbibliothek Melk beherbergt eine Vielzahl an Büchern. Zwei davon fielen Bibliothekarin Bernadette Kalteis vor Ostern in die Hände: der „Poetische Nachlass“ von Katharina Koch und der berühmte Roman „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe. Sie stellte die beiden Bücher im Hinblick auf Ostern im Oster-Newsletter der Stiftsbibliothek Melk vor:

Stiftsbibliothekarin Bernadette Kalteis stellte im Oster-Newsletter der Stiftsbibliothek Melk zwei Bücher im Hinblick auf Ostern vor.

Stiftsbibliothekarin Bernadette Kalteis stellte im Oster-Newsletter der Stiftsbibliothek Melk zwei Bücher im Hinblick auf Ostern vor. (c) Stiftsbibliothek Melk

 

Zwar ist in der Stiftsbibliothek nicht mit Ostereiern zu rechnen, aber zwei ganz spezielle Büchlein verstehen es mindestens ebenso gut, sich unauffällig im Regal zu verstecken: der „Poetische Nachlass“ von Katharina Koch – weitgehend unbekannt – und der berühmte Roman „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe. Dass diese beiden so unterschiedlichen Bände just vor Ostern ins bibliothekarische Blickfeld gerieten, war nicht geplant, aber ein Glücksfall.

 

So oft, so oft schon hört´ ich klingen

Die Osterglocken hell und klar,

So oft schon „Halleluja“ singen

Am festgeschmückten Hochaltar.

So oft schon hört´ ich es erschallen

Das Wort von dem, der auferstand,

Sah um sein Grab den Weihrauch wallen

Als frommer Liebe Opferpfand…

 

Fromm und kirchlich sattelfest klingt Ostern bei Katharina Koch (1811-1892). Sie gehört zu den deutschen Naturdichterinnen – Frauen ohne besondere Schulbildung, die „von Natur aus“ poetisches Talent und das Glück hatten, entdeckt und protegiert zu werden (freilich ohne im männlich dominierten Literaturbetrieb allzu große Wellen zu schlagen). Fast ihr ganzes Leben verbrachte Koch in ihrem Heimatdorf Ortenburg in Bayern und hatte erst mit 61 Jahren den großen Durchbruch als Autorin. An den ärmlichen Lebensverhältnissen änderte die neue Popularität nicht viel. Weiterhin verdiente sie ihren Unterhalt als Näherin, mit Handarbeitsunterricht und kleineren Schreibaufträgen. Als unverheiratete Frau legte sie Wert darauf, „Jungfer Bas“ genannt zu werden. Ähnlich bieder wie die Bezeichnung wirken heute auf den ersten Blick auch ihre Texte, die allesamt von moralischem Ernst und religiöser Demut getragen sind. Umso auffälliger ist deshalb ein inhaltlicher Ausreißer. Das Gedicht „An die Verfasserin von Onkel Toms Hütte“ zeigt hinter der kreuzbraven Jungfer eine sehnsuchtsvolle Idealistin, die davon träumt, mit ihrem Schreiben Großes zu vollbringen und Menschen zu beflügeln. Doch abgesehen davon, dass sich die beiden Autorinnen fast exakt die gleichen Lebensdaten teilten, trennten sie buchstäblich Welten: ein Kontinent, ein Ozean und vor allem eine völlig andere soziale Realität.

 

Harriet Beecher Stowe (1811-1896) stammte aus einer US-amerikanischen Familie charismatischer Reformdenker und Prediger, die den Kampf gegen die Sklaverei als ethische und religiöse Pflicht begriffen. Unterstützt durch das Vorbild ihrer engagierten Geschwister (darunter die glühende Frauenrechtlerin Isabella Beecher Hooker), nutzte sie ihre Literatur als politische Waffe. „Onkel Toms Hütte“ („Uncle Tom´s Cabin“, 1852) trug wesentlich dazu bei, das Bewusstsein für das Unrecht zu schärfen. Viele Leserinnen und Leser begannen erst durch diese Geschichte, das Schicksal der versklavten Menschen mit neuen Augen zu sehen. Das führte amerikaweit zu einem grundlegenden Nachdenken über die bestehenden Strukturen und Gesetze. Die Frage stellte sich immer drängender, wie eine Gesellschaft politisch und wirtschaftlich organisiert sein darf, die Freiheit und Menschenwürde tatsächlich ernst nimmt.

 

Zwei Bücher aus der Stiftsbibiothek Melk: der „Poetische Nachlass“ von Katharina Koch und „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe.

Zwei Bücher aus der Stiftsbibiothek Melk: der „Poetische Nachlass“ von Katharina Koch und „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe. (c) Stiftsbibliothek Melk

 

Dieser Ruck im sozialen Gewissen entzündete sich symbolisch an der literarischen Figur des Sklaven Tom, der sich im Roman trotz Todesandrohung weigert, andere Menschen zu verraten, der unter Folter seinen Werten treu bleibt, der verhöhnt wird, ohne Hass zu entwickeln, und der die Kraft dazu aus seiner Glaubensüberzeugung zieht. Es ist kein Zufall, dass er in vielem an Jesus von Nazareth erinnert. Auch der Satz, den Beecher Stowe ihrem Protagonisten in den Mund legt, als er seinen Peinigern entgegentritt, ist ein Echo auf die biblische Passionsgeschichte: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Ebenso bedeutet Toms gewaltsamer Tod im Roman keine Kapitulation vor Machtverhältnissen. Er steht für eine Wahrheit der Seele, die sich durch die physische Vernichtung des friedlichen Systemsprengers nicht auslöschen lässt, vielmehr die Menschen in seinem Umfeld existentiell berührt und nachhaltig verändert.

 

Das Buch wurde in kürzester Zeit zu einem der meistgelesenen Werke des 19. Jahrhunderts. Es ergriff ein Millionenpublikum in den Vereinigten Staaten und in Europa und wurde zum Mitauslöser für das gesellschaftliche Aufstehen gegen die Sklaverei. Beecher Stowe bewies, dass Frauen ihrer Zeit durch öffentliches Schreiben massiven Einfluss nehmen und in den Menschen etwas bewegen konnten. Katharina Kochs Begeisterung dafür zeugt von einer beeindruckenden Weltoffenheit (auch was ihre Lektüre betrifft), vor allem weil ihr eigener Alltag in der niederbayerischen Provinz geografisch und sozial eng begrenzt war. Als Schriftstellerin groß zu denken, neue Maßstäbe anzulegen, etwas bewirken zu können, genau das war es, was sie faszinierte. In ihrem Gedicht an die berühmte Kollegin formuliert sie ungewohnt euphorisch: „Und dir gelangs! Du hast das Wort geweiht, du hast erreget einen Erdentheil!“ Für sich selbst räumt sie zwar ein, „nicht solche That wird jemals mir gelingen, ich bin zu arm an solchem hohen Muth“, aber der Funke ist von Amerika nach Bayern übergesprungen: „Doch nun aufs Neue will ich kräftig ringen, entflammen will ich meiner Seele Glut.“

 

Natürlich muss man „Onkel Toms Hütte“ im Jahr 2026 differenzierter lesen und als historische Quelle begreifen. Der verstaubte Jugendbuchklassiker löst heute nicht ohne Grund Unbehagen aus und katapultiert die Leser unweigerlich in die Bredouille zwischen Political Correctness und historischem Sprachgebrauch. Dennoch lässt sich das Werk im Licht von Ostern verstehen: Eine Autorin erhebt ihre Stimme, eine literarische Figur bleibt ihrem Gewissen bis zum Äußersten treu – und die mutigen Visionen von einem gerechteren Miteinander inspirieren das Denken einer ganzen Gesellschaft, sich gegen den Mainstream für eine bessere Welt einzusetzen. Auch das ist ein Stück der christlichen Osterbotschaft: Aufbruch und Auf(er)stehen für ein erneuertes menschliches Zusammenleben.

  • Karl Schrattenthal: Katharina Koch, eine deutsche Naturdichterin. Dritte, um den poetischen Nachlass und die „Erinnerungen“ der Dichterin vermehrte Auflage. Pressburg/Leipzig 1895. Sign. 47.344
  • Harriet Beecher Stowe: Onkel Toms Hütte. Nach dem englischen Original bearbeitet von Hermann Trescher. Halle a. d. Saale 1897. Sign. 48.713 (Besitzeintrag von P. Albert Fürst, 1918)

Text: Bernadette Kalteis, Stiftsbibliothek Melk

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[teresa bruckner]


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