Herz-Jesu-Schwestern: Das wiederentdeckte Altarbild der Rudolfstiftung

Das Herz Jesu Detail aus dem Altarbild. (c) Herz-Jesu-Schwestern
Seit Jahrzehnten hängt das Werk im Klausurbereich des Ordenshauses und ist den Schwestern vertrauter Bestandteil ihres Alltags. Seine Herkunft jedoch ist in Vergessenheit geraten. Erst die Transkription der Chronik dieser ersten Niederlassung brachte Aufschluss über seine Entstehung und Bedeutung. Darin findet sich der Hinweis, dass das „wundervolle Hochaltarbild“ von P. Gregor Hiltscher OSB, dem damaligen Beichtvater, 1876 den Schwestern geschenkt worden sei. Besonders aufschlussreich ist der Zusatz, dass das Gemälde hervorgegangen aus der „Künstlerhand“ der Schwester des Historienmalers J. Kastner, „die später bei den Guten Hirtinnen den Schleier nahm“, stammt. Die feierliche Einweihung des Bildes erfolgte am Herz-Jesu-Fest des Jahres 1876 – vor nunmehr 150 Jahren.

Das Altarbild im Kloster der Herz-Jesu-Schwestern. (c) Herz-Jesu-Schwestern
Das Krankenhaus „Rudolfstiftung“, gestiftet von Kaiser Franz Joseph anlässlich der Geburt seines Sohnes Kronprinz Rudolf, nahm ab 1865 die ersten Patientinnen und Patienten auf. Für den Pflegedienst empfahl man dem damaligen Direktor, Dr. Böhm, die engagierte Mitarbeit einer jungen Ordensgemeinschaft, die sich während des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871) in den Lazaretten besonders verdient gemacht hatte. 1873 trafen schließlich die ersten Herz-Jesu-Schwestern in Begleitung des Ordensgründers P. Victor Braun in Wien ein. Ihre Zahl wuchs rasch: In den Blütejahren versahen bis zu 130 Schwestern ihren Dienst in der Rudolfstiftung. Beim Rückzug der Kongregation aus dem Spital 1966 waren noch 69 Schwestern dort tätig.
Große Bedeutung in mehrfacher Hinsicht
Für die Gemeinschaft hat die Wiederentdeckung des Altarbildes in mehrfacher Hinsicht große Bedeutung. Zum einen zeigt das Motiv die Schutzpatronin der Kongregation, die hl. Margareta Maria Alacoque, und dokumentiert so den geistlichen Ursprung ihrer ersten österreichischen Niederlassung – einen Ort, den auch der Ordensgründer P. Victor Braun selbst mehrfach besuchte. Hier, vor dem Altarbild, fanden ab 1879 die Einkleidungen und Gelübdeablegungen der jungen Gemeinschaft statt. Das Werk ist somit nicht nur ein künstlerisches, sondern auch ein spirituelles Zeugnis der frühen Geschichte des Ordens in Wien.

Die Spitalskapelle der Rudolfstiftung. (c) Herz-Jesu-Schwestern
Zum anderen erfreut die Erkenntnis, dass es sich um ein Werk einer Künstlerin handelt. Die Malerin entstammte der bekannten Wiener Künstlerfamilie Kastner. Die drei Schwestern Maria, Seraphine und Anna Kastner arbeiteten bereits in jungen Jahren gemeinsam mit ihrem Vater Josef Kastner d. Ä. und ihrem Bruder Josef Kastner d. J. an verschiedenen Aufträgen und traten später in den Orden der Schwestern vom Guten Hirten ein, wo sie ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzten. Das Altarbild der Rudolfstiftung reiht sich somit in das bislang kaum dokumentierte Werk weiblicher Sakralkünstlerinnen des 19. Jahrhunderts ein und bietet neue Einblicke in die Verflechtungen von Kunst, Religion und weiblicher Berufung in dieser Zeit.

Hl. Margareta Maria, Detail aus dem Altarbild. (c) Herz-Jesu-Schwestern
Quellen:
Chronik der Dienerinnen des heiligsten Herzens Jesu, Wien, III, Rudolfstiftung, 1873-1923
F. Zuleger: 100 Jahre Rudolfstiftung. In: Wiener Klinische Wochenschrift Nr. 50 (1964), S. 877-880
Christine Regal: Die Malereien in der Kirche der vom Orden der Schwestern vom guten Hirten geführten „Weiberstrafanstalt“ in Wiener Neudorf (1876-1880) [online]. Verfügbar unter: https://phaidra.univie.ac.at/o:1990747. Zugriff 02.03.2026
Autorin: Nicole Jaufer, Archivarin der Kongregation der Dienerinnen des Heiligsten Herzens Jesu