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13. Februar 2026

Spiritueller Rückzug am Hof Maria Theresias

Anlässlich des 800. Todesjahres des heiligen Franz von Assisi lud der Wiener Franziskanerkonvent am 10. Februar 2026 zu einem kulturhistorisch wie spirituell bemerkenswerten Vortragsabend in das historische Refektorium des Franziskanerklosters Wien ein. Unter dem Titel „Macht, Pracht, Stille“ wurde eine bislang wenig erforschte Facette der habsburgischen Hofkultur beleuchtet: die tief verwurzelte Nähe des Wiener Kaiserhofes zur franziskanischen Spiritualität.

Christoph Brandhuber und P. Oliver Ruggenthaler OFM vor dem Porträt des Karl Joseph Fürst von Batthyány (1698–1772).

Christoph Brandhuber und P. Oliver Ruggenthaler OFM vor dem Porträt des Karl Joseph Fürst von Batthyány (1698–1772). (c) ÖOK/km

 

Im Zentrum stand die erstmalige Präsentation einer barocken Porträtserie, die Mitglieder der kaiserlichen Familie und des Hofstaates Maria Theresias in franziskanisch anmutenden Gewändern zeigt. Die um 1759 entstandenen Gemälde verweisen auf ein Spannungsfeld von höfischer Repräsentation und bewusster geistlicher Selbstverortung – eine Bildsprache, die Macht und Demut, Weltverantwortung und Weltflucht miteinander verschränkt.

 

Der Abend wurde von P. Sandesh Manuel OFM musikalisch begleitet, die Begrüßung erfolgte durch P. Elias van Haaren OFM, Vikar des Franziskanerklosters Wien. Die Publikation ist Edeltraud Mariae Paulae Gräfin Folliot de Crenneville-Poutet gewidmet, die aufgrund einer Erkrankung nicht anwesend sein konnte.

 

Porträts als Zeugnisse franziskanischer Weltdeutung

Die inhaltliche Einführung hielt P. Oliver Ruggenthaler OFM, Guardian des Franziskanerklosters Wien, der sich seit Jahren der Erhaltung, Erschließung und wissenschaftlichen Kontextualisierung franziskanischen Kulturgutes widmet. Sein Anliegen ist es, die Geschichte des Ordens auch innerhalb der franziskanischen Gemeinschaft neu zugänglich zu machen und als Auftrag für gegenwärtige Verantwortung zu verstehen.

 

Der im Wiener Franziskanerkloster bewahrte Gemäldezyklus umfasst 17 lebensgroße Halbfigurenporträts (ca. 95 × 70 cm) bedeutender Persönlichkeiten des Wiener Hofstaates. Die Dargestellten zeigen sich bewusst in Ordensgewändern, die den franziskanischen Habit erkennen lassen. Die Habite geben hier nicht Auskunft über eine tatsächliche Ordenszugehörigkeit, sondern sind bildgewordenen Ausdrucksform einer geistlichen Selbstvergewisserung.

 

Porträt der Erzherzogin Maria Elisabeth (1743–1808) im franziskanisch anmutenden Habit.

Porträt der Erzherzogin Maria Elisabeth (1743–1808) im franziskanisch anmutenden Habit. (c) ÖOK/km

 

Besondere Aufmerksamkeit galt drei Gemälden mit französischen Bildlegenden, deren Bedeutung erst jüngst erschlossen werden konnte. Zur Interpretation dieser Texte wurde Christoph Brandhuber, Leiter des Universitätsarchivs Salzburg, hinzugezogen.

 

Bildlegenden und geistliche Weltflucht

Christoph Brandhuber zeigte auf, dass die Bildlegenden ein zentrales Motiv der frühneuzeitlichen Frömmigkeitsgeschichte reflektieren: die geistliche Weltflucht innerhalb der Welt. Exemplarisch analysierte er das Porträt des Staatskanzlers Wenzel Anton Dominik Fürst von Kaunitz-Rietberg, der vor der Silhouette Wiens dargestellt ist und auf einen antikisierenden Tempel verweist.

 

Die beigefügten Verse stammen von Voltaire und sind durch eine Korrespondenz mit Charlotte Sophie Gräfin von Bentinck historisch belegt. Gerade bei Kaunitz, der kaum für persönliche Demut bekannt war, eröffnet die Darstellung im franziskanischen Gewand eine neue Deutungsebene: Sie verweist weniger auf asketische Praxis als vielmehr auf eine intellektuelle und moralische Aneignung franziskanischer Ideale. Ein Briefwechsel aus dem Jahr 1759 dokumentiert eine bemerkenswerte Sehnsucht nach Einfachheit und innerer Ordnung am aufgeklärten Wiener Hof.

 

Adel, Dritter Orden und franziskanische Frömmigkeit

Die Bildnisse stehen im weiteren Kontext der jahrhundertelangen Verehrung des heiligen Franz von Assisi am Wiener Kaiserhof. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Dritte Orden des heiligen Franziskus, der Frauen und Männern ein Leben gemäß franziskanischer Spiritualität in der Welt ermöglichte (heute: Ordo Franciscanus Saecularis). Mehrere Mitglieder des Hauses Österreich gehörten diesem Orden an. Innerhalb des Dritten Ordens bestanden zudem Konföderationen von Eremiten, die ein besonders kontemplativ geprägtes Ideal vertraten. Die Porträts können somit als visuelle Zeugnisse einer adeligen Frömmigkeitsform gelesen werden.

 

Franziskaner und Kaiserhaus: gelebte Beziehung

P. Oliver Ruggenthaler verwies auf die enge Beziehung zwischen dem Franziskanerorden und dem habsburgischen Kaiserhaus, die in den Ordenschroniken der Klöster Maria Lanzendorf, Maria Enzersdorf und St. Hieronymus in Wien dokumentiert sind. Diese Chroniken berichten von einem kontinuierlichen Austausch, in dem die Franziskaner den Hof in Zeiten von Krankheit, Krieg und persönlichen Krisen begleiteten. Eine besonders eindrückliche Episode betrifft Maria Theresia, die während ihres Wochenbetts nach der Geburt ihrer Tochter Maria Josepha die Wiener Franziskaner-Schola mit der Ausführung der Lamentationen der Karwoche beauftragte. Ihre Dankbarkeit äußerte sich in einer großzügigen Spende sowie in 26 Pfund feinster Schokolade. Auch Wallfahrten der kaiserlichen Familie zu franziskanischen Klöstern sind mehrfach belegt.

 

Herkunft der Porträtserie

Die Porträtserie, von Hand eines unbekannten Malers, entstammen ursprünglich dem Landsitz „Mon Pérou“ in Wien-Rodaun, dem heutigen Areal des Kollegium Kalksburg. Maria Theresia hatte dieses Anwesen ihrer engen Vertrauten und Erzieherin der drei ältesten Töchter, Charlotte Freiin Hager von Allentsteig, geschenkt und deren Heirat mit dem Fürsten von Trautson arrangiert.

 

Nach dem Tod der Fürstin im Jahr 1793 ging das Landgut in den Besitz des Hof- und Kammerjuweliers Franz Edlen von Mack über und damit auch die Gemäldeserie. Mit der Übernahme des Schlosses durch die Jesuiten im Jahr 1856 begann eine neue Phase der Überlieferungsgeschichte. In den 1860er Jahren gelangten die Gemälde in das Franziskanerkloster Maria Enzersdorf, wo sie 1871 durch Karl Schellein, Kustos der Gemäldegalerie Belvedere, restauriert wurden. Im Jahr 2025 wurde die Serie in das Wiener Franziskanerkloster überführt.

 

Verlorene Werke und offene Forschung

Ein Eintrag im Konventprotokoll von Maria Enzersdorf ermöglicht die Rekonstruktion von zehn weiteren Porträts der Serie. Ein gesicherter Verlust ist der Diebstahl des Bildnisses der Fürstin Esterházy. Zu den weiteren vermissten Darstellungen zählen unter anderem Porträts von Maria Theresia, Joseph II., Leopold II., Erzherzogin Maria Amalia, Karl Alexander von Lothringen sowie weiterer bedeutender Persönlichkeiten des Hofes. Über die ursprünglich wohl 32 Gemälde existieren bislang keine weiteren archivalischen Nachweise.

 

Einblick in das historische Refektorium im Franziskanerkloster in Wien.

Einblick in das historische Refektorium im Franziskanerkloster in Wien. (c) ÖOK/es

 

Die Forschung ist somit keineswegs abgeschlossen. Eine virtuelle Rekonstruktion der Gesamtserie erscheint sowohl kunsthistorisch als auch ordensgeschichtlich wünschenswert. Hinweise zur Provenienz oder zum Verbleib einzelner Werke nimmt P. Oliver Ruggenthaler OFM dankbar entgegen.

 

Im Anschluss an die Vorträge lud der Franziskanerkonvent zur Ausstellungsbesichtigung und Agape ein. Über 70 Teilnehmende folgten dem wissenschaftlich fundierten und lebendig vermittelten Vortragsabend. Die im Refektorium präsentierte Porträtserie eröffnete dabei einen eindrucksvollen Zugang zur Frage, wie franziskanische Spiritualität am Hof Maria Theresias nicht nur verehrt, sondern bildlich gelebt und reflektiert wurde.

 

Die Publikation kann gegen eine Spende im Franziskanerkloster Wien erworben werden: Kontakt

 

Quelle: Oliver Ruggenthaler OFM und Christoph Brandhuber (siehe auch: Macht, Pracht, Stille. Spiritueller Rückzug am Hof Maria Theresias, Vestigia franciscana 1, Salzburg–Wien 2025)

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Weiterlesen:

Website der Franziskaner in Österreich und Südtirol

Franziskaner (Ordens-Wiki)

 

[karin mayer]


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