Spirituelles Tönen – wenn Räume auch das Innere öffnen und zum Klingen bringen

Spirituelle Räume haben auch etwas mit unserem Körper gemeinsam. Sie können in Schwingung versetzt werden und strahlen etwas aus. 

"Dies ist für Menschen, die unseren interreligiösen Andachtsraum aufsuchen, spürbar", erzählt die Krankenhausseelsorgerin Sr. Margareta Sausag von der Gemeinschaft der Franziskanerinnen. "Sie spüren: Hier kann man frei sein. Das erfahren Menschen als heilsam." Mit dem Angebot "Heilsame Zeit am Donnerstag" bietet die Krankenhausseelsorge des Klinikum Wels-Grieskirchen ein besonderes Programm an. Einmal in der Woche wird mit spirituellen Impulsen, gemeinsamen Singen, Entspannung mit Musik und Texten oder Segensfeiern eine andere Dimension des Menschen als im Krankenhaus üblich, angesprochen. Der „andere“ Raum, ein ganz dem Krankenhaus-Alltag entgegenstehender, nicht-funktionaler Raum, bietet Unterbrechung und Perspektivenänderung an. Das Angebot, in den interreligiösen Andachtsraum zu kommen ist zugleich das Angebot, den eigenen spirituellen Raum zu öffnen und sich berühren zu lassen. „Wenn das gelingt, kann Verbundenheit erlebt werden, Vertrauen wachsen, Trost verspürt, und neue Perspektiven entstehen.“, berichtet Sr. Margareta Sausag, die auch langjährige diplomierte Krankenpflegerin mit Sonderausbildungen in den Bereichen Stationsleitung, Intensivpflege und Palliativ Care ist und fügt hinzu, dass „vereinzelt auch Menschen nach ihren Krankenhaus-Aufenthalten speziell für die Donnerstags-Angebote kommen." 

Der interreligiöse Andachtsraum im Klinikum Wels-Grieskirchen. © Klinikum Wels-Griesirchen / Nik Fleischmann

In der Corona-Zeit hat das Seelsorge-Team begonnen diese spirituellen Impulse aus der Kapelle über das Hausradio zu übertragen. „Gerade in dieser herausfordernden Zeit ist es uns wichtig, stärkende Impulse zu setzen, die in den Menschen etwas zum Klingen bringen,“ so Sr. Margareta. Mit kleinen Kärtchen auf den Tabletts des Mittagsessens werden die PatientInnen eingeladen über das Hausradio mitzuhören oder direkt in die Kapelle zu kommen. Gerade in der Adventzeit oder jetzt in der Fastenzeit öffnet die Seelsorge noch andere Räume: „Mit Sätzen wie: ‚Mensch du bist göttlich, du bist befreit‘ wollen wir Botschaften der Ermutigung und des Trostes auch in Gängen und Stationen sichtbar machen und einen Gegenakzent zu den Einschränkungen und Belastungen setzen.“

Sr. Margareta Sausag: seit 1984 in der Gemeinschaft der Franziskanerinnen, seit 2013 Krankenhausseelsorgerin.
© Frauenkommission / Franz Litzlbauer (Projekt Seelsorgerinnen ins Bild bringen)


Mit dem interaktiven Projekt: „Auf dem Weg zu neuem Leben“ will die Seelsorge einladen gemeinsam durch die Fastenzeit auf Ostern zuzugehen. Dabei werden MitarbeiterInnen und PatientInnen eingeladen, die Gedankenimpulse zu nutzen und ihre Ideen zu den verschiedenen Fragestellungen über die Pinnwände am „Kirchenplatz“ einzubringen. Über die Mitarbeiter*innen-App, per E-Mail oder auf den Impulsplakaten werden Hintergrundinfos zu dieser Fastenaktion weitergegeben. Bei der Entwicklung der Aktionen fragen sich die Seelsorger*innen des Teams selbst, was sie anspricht, welche Worte und welche Bilder sie selbst berühren.

„Als Seelsorgerin wird meine Person zum Resonanzkörper, der meine Gottesbeziehung zum Klingen bringt und der mit anderen Menschen mitschwingt. Ich biete in der Begleitung einen geschützten Raum an, in dem die Lebensgeschichten und das, was die Menschen beschäftigt, ausgedrückt und bearbeitet werden können.“, erklärt die langjährige Krankenschwester, Seelsorgerin und Ordensfrau. Besonders wichtig sind die Begleitung und die Eröffnung eines inneren aber auch eines konkreten physischen, geschützten Raumes, wenn die Seelsorger*innen Verabschiedungen von an COVID-19-Verstorbenen ermöglichen und begleiten. „Dann ist es auch für mich gut zu wissen: Gott geht mit mir den Weg.“

[Text: Theresa Stampler, entstanden aus einem Gespräch mit Sr. Margareta Sausag]