Kultur & Dokumentation

100 Jahre Missionsgesellschaft „Königin der Apostel“

Die Kongregation der Missionsschwestern von der Königin der Apostel (SRA) wurde vor 100 Jahren, am 1. Juli 1923 in Wien kanonisch gegründet. Unsere Mission der Verkündigung der barmherzigen Liebe Gottes ist in Indien, Deutschland, Österreich, Italien, der Slowakei, den Philippinen und Uganda verbreitet. Gegenwärtig zählt die Kongregation rund tausend Schwestern in neun Verwaltungseinheiten.

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Einige Schwestern beim Gruppenfoto in Budapest im Jahr 2018 (Foto: Missionsgesellschaft von der Königin der Apostel).

Die Anfänge der Kongregation führen uns zurück ins 19. Jahrhundert. Unser Gründer, P. Antonius Maria Bodewig, geboren am 2. November 1839 in Köln, war in den Jahren 1872-1874 als Jesuitenmissionar in Indien eingesetzt und mit der Lehrtätigkeit beschäftigt. Während dieser Zeit verspürte er den sehnlichen Wunsch, sich für die Verkündigung der Frohen Botschaft für alle Menschen in Indien einzusetzen. Er träumte davon, eine Missionsgesellschaft aus Priestern, Brüdern und Schwestern zu gründen, um sich konkret für die Missionsarbeit in Indien zum Wohl der Frauen und Kinder einzusetzen.

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Foto: P. Bodewig (Foto: Missionsgesellschaft von der Königin der Apostel)

Nach einer langen reiflichen Überlegung, ob sein Wunsch, eine Kongregation zu gründen, dem Willen Gottes entsprach, opferte Pater Bodewig alles, um seinen Traum zu verwirklichen, auch wenn das bedeutete, 1888 aus der Jesuitengesellschaft auszutreten und in der Erzdiözese Köln in Deutschland inkarniert zu werden. Er nutzte jede Gelegenheit, um jungen Männern und Frauen in Deutschland seinen Traum von der Missionsarbeit in Indien zu vermitteln. Viele schlossen sich ihm an, und er gründete 1894 in Köln die "Missionsgesellschaft von der Unbefleckten Empfängnis". Die erste Gruppe von 14 Brüdern und 8 Schwestern wurde 1895 nach Indien gesandt, um in Lahore und Dacca zu arbeiten. Durch mehrere unglücklichen Zwischenfälle, die durch die besondere Situation seiner Zeit verursacht wurden, endete das Unternehmen offenbar mit einem "Misserfolg". Pater Bodewig starb am 8. Januar 1915 in Rom, in der Nacht vor seiner Privataudienz bei Papst Benedikt XV, mit einer unerfüllten Vision!

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Foto: Pionierarbeit der Schwestern in Indien (Foto: Missionsgesellschaft von der Königin der Apostel)

Die Mitglieder blieben dem Charisma von Pater Bodewig treu. Bruder Paul Sonntag gehörte zu der Gruppe, die Pater Bodewig bereits 1906 nach Wien entsandt hatte. 1908 gründete er einen Verlag und den Verein zur Förderung der katholischen Mission in Indien und gab 1909 die Zeitschrift "Licht und Liebe" heraus, um die Indienmission bekannt zu machen. Dieser Verein wurde 1916 in "Katholisches Missionswerk für Indien" umgewandelt, unter der Leitung von Freiherr Dr. Leo di Pauli und Dr. Theodor Innitzer, dem Professor für Theologie an der Universität Wien.

Br. Paul Sonntag, ein begeisterter Verfechter P. Bodewigs Idee, hat sich sehr eingesetzt für die Veröffentlichung der Situation in Indien. Er konnte durch den Verein „Katholisches Missionswerk für Indien“ die Kirche in Indien großzügig unterstützen. Er war es auch, der den Kontakt zu den Brüdern und Schwestern aufrecht hielt. In Professor Dr. Theodor Innitzer hat er eine große Unterstützung bekommen. Das Bestreben des „Katholischen Missionswerkes für Indien“ war es, eine eigene Gesellschaft von Priestern, Brüdern und Schwestern für die Missionierung Indiens ins Leben zu rufen. Gemeinsam haben sie die Konstitutionen erarbeitet, die sie Kardinal Piffl vorgelegt haben und die er im März 1922 gutgeheißen hatte. Daraufhin schreibt Dr. Theodor Innitzer am 22. März 1923 im Namen des Katholischen Missionswerk für Indien an den Kardinal van Rossum, Präfekt der Propaganda Fide in Rom einen Brief mit der Bitte um Erlaubnis zur Gründung der Missionsgesellschaft der Königin der Apostel in Wien. Nachdem die hl. Kongregation der Propaganda Fide im Rom dem Ansuchen stattgegeben und am 8. Mai 1923 die Gründung erlaubt hatte, wurde die „Missionsgesellschaft Königin der Apostel“ am 1. Juli 1923 in Wien durch den Erzbischof, Dr. Friedrich Gustav Kardinal Piffl (+1932), kanonisch errichtet. Univ. Prof. Dr. Theodor Innitzer wurde vom Ordinariat zum Superior der neuen Vereinigung ernannt und blieb bis zu seinem Tod am 9. Oktober 1955 der geistliche Vater der Schwestern.

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Prof. Dr. Innitzer als Superior mit den Schwestern (Foto: Missionsgesellschaft von der Königin der Apostel).

Alle Mitglieder der früheren Gesellschaft, die in all den Jahren trotz der vielen Schwierigkeiten dem Missionswerk für Indien die Treue hielten und in Gemeinschaften in Deutschland, Österreich, Italien und Belgien lebten, schlossen sich der neuen Gründung an. Seit 30. September 1925 ist der Schwesternzweig vollkommen selbständig und unabhängig vom männlichen Zweig. Der männliche Zweig wurde 1954 aufgelöst.

Am 25. Dezember 1926 fand die Abschiedsfeier der ersten fünf Glaubensboten nach Indien in der Votivkirche und am Nachmittag im großen Saale des katholischen Gesellenhauses, Gumpendorferstraße 39 statt. Kardinal Dr. Piffl knüpfte an den Sinn des Weihnachtsfestes an. „An diesem Tage feiern wir den Abschied der ersten Missionare der Missionsgesellschaft „Königin der Apostel“. Es ist gerade heute der richtige Tag für eine Abschiedsfeier, denn auch sie, die Missionare, bringen die frohe Kunde von der Geburt des Welterlösers in das Missionsland. Das Fest ist nicht deshalb so bedeutungsvoll, weil Missionare abreisen, sondern weil die ersten einer spezifischen Wiener Missionsgesellschaft hinausgehen. Darüber freuen wir uns. Es freut sich der Hl. Vater, der seinen Segen geschickt hat, es freut sich der Bischof, weil durch die Aussendung der ersten Missionare einer spezifisch Wiener Gesellschaft der Missionsgedanke in der Wiener Erzdiözese wachsen wird, denn die Wechselbeziehungen zwischen denen, die in die Fremde gehen, und denen, die in der Heimat für sie beten und opfern, werden sich in der Zukunft noch enger gestalten und dem Missionsgedanken neue Nahrung bringen. Es freut sich die Missionsgesellschaft selbst, am meisten aber Br. Sonntag, dessen jahrzehntelanges Mühen und Opfern nicht umsonst war.“

Das Ordensjubiläum wird mit einem Festgottesdienst im Wiener Stephansdom am 01. Juli 2023, 16.00 Uhr gefeiert. Der Messe wird Kardinal Christoph Schönborn vorstehen. 

Text und Bilder: Sr. Eva-Maria Kremshuber SRA


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