Kultur & Dokumentation

Das Heilige Grab im Stift Dürnstein

Das Heilige Grab des Stiftes Dürnstein wurde als permanentes Heiliges Grab gebaut, im Gegensatz zu Installationen, die nur an den Osterfeiertagen angebracht werden. Durch seine Opulenz und Farbigkeit im Stile eines Barock-Theaters lädt es den Betrachter dazu ein, vor dem Grab Christi innezuhalten.

 Heiliges Grab, Stift Dürnstein (c) Stift DürnsteinHeiliges Grab, Stift Dürnstein (c) Stift Dürnstein

Im barocken Kreuzgang des Stiftes Dürnstein befindet sich das Heilige Grab, das 1731 vom italienischen Theateringenieur Antonio Galli da Bibiena gebaut wurde. Dazu wurde eine erhöhte Bühne geschaffen, die durch die Abfolge von Leinwandkulissen, Gurtbögen und Säulenstellungen eine tiefenräumliche Wirkung erzielt. Buntfärbige Kugeln, die einst mit Öllämpchen, heute mit elektrischem Licht beleuchtet werden, versuchen eine Art barocker Lichtmystik nachzuempfinden. Der Gläubige wird eingeladen, aktiv am Leiden Christi teilzunehmen.

Im Zentrum des Theatrums befindet sich in einer ovalen Öffnung der Leib Christi, der den Betrachter zur Anbetung einlädt. Darüber ist als Silhouttenschnittfigur Maria als Schmerzensmutter aufgestellt, deren Herz ausgeschnitten ist. Wenn sich der Gläubige dabei auf eine bestimmte Fliese kniet, sieht er durch das Herz Mariens hindurch auf das Herz Christi, das, von Leidenswerkzeugen umgeben, auf einen Thron im Hintergrund des Theatrums gemalt wurde. So wird thematisch der Blick des Knieenden durch das Herz Mariens zum Herz Christi geleitet: Symbolisch wird damit ausgedrückt, dass der Weg zum Herzen Jesu durch das Herz Mariens führt. Diese Fliese ist dadurch erkennbar, dass sie durch die vielen Tausenden Knieenden im Laufe der Zeit ausgebuchtet wurde.

Durchblick durch das Herz Marias, Heiliges Grab, Stift Dürnstein (c) Stift Dürnstein Durchblick durch das Herz Marias, Stift Dürnstein (c) Stift Dürnstein

An beiden Seitenwänden befinden sich sechs aufgemalte Kreuzigungsszenen. Auf einem Emblem wurde der Schriftzug „SI MALE FECISTI/MOX RESPICE VULNERA CHRISTI – „wenn du übel getan hast, blicke rasch auf die Wunden Christi“ angebracht. Hier wird also der Gedanke fortgesetzt, dass die Wunden Jesu der Weg zur Umkehr und Heil sind.
Den Kreuzgang verdunkelte man, in dem man großformatige Passionsbilder (1732 gemalt von Johann Gottlieb Starmayr) an den drei Außenmauern in den Fensternischen einhängte. Theologisch wurde damit ausgedrückt, dass der Weg des Menschen von der Dunkelheit der Sünde zum Licht der Auferstehung führt.
Dieser alten Tradition entsprechend, wird der barocke Kreuzgang auch heute noch in der Karwoche für Besucher geöffnet. Das Heilige Grab des Stiftes Dürnstein wurde als permanentes Heiliges Grab gebaut, im Gegensatz zu Installationen, die nur an den Osterfeiertagen angebracht werden. Durch seine Opulenz und Farbigkeit im Stile eines Barock-Theaters lädt es den Betrachter dazu ein, vor dem Grab Christi innezuhalten. Es zeugt von der Freude der Auferstehung und der Überwindung des Todes durch den Erlösertod Jesus Christi.

[Elisabeth Glatzenberger, Kultur- & Tourismusabteilung, Stift Dürnstein und Mag. Bernadette Schiefer, Kulturvermittlerin, Stift Dürnstein]

Quelle: Herbert Karner, Kreuzgang und Krypta. Barocke Bilderräume des Klosters, in: Stift Dürnstein, 600 Jahre Kloster und Kultur in der Wachau, hg. von Helga Penz, Andreas Zajic (Schriftenreihe Waldviertler Heimatbundes 51, Horn/Waidhofen a. d. Thaya 2010) 162‒181, hier 163 ff.

Kontakt
Stift Dürnstein
Nr. 1
3601 Dürnstein
 www.stift-duernstein.at

Öffnungszeiten und Eintrittspreise unter www.stift-duernstein.at


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