Kultur & Dokumentation

Universum Klosterwerkstätte - Weihnachtskrippen

Weihnachtskrippen bildeten sich aus den Krippenspielen heraus und sind seit dem Mittelalter nachweisbar. Im 16. Jahrhundert greifen die Jesuiten die Weihnachtskrippe als anschauliches Andachtsbild auf, als ein geeignetes gegenreformatorisches Mittel.

Es kommt zu einer weiten Verbreitung von Weihnachtskrippen in den katholischen Kirchen und Adelshäusern Europas. In der Barockzeit wird die Krippe zu einem theatralischen Erlebnisraum - angereichert mit zahlreichen Figuren und Episoden. Bestückt wird die Szenerie meist mit allerlei miniaturhaften Zubehör, den sog. Finimenti. Es ist die Blütezeit der Krippe. Das Verbot Josef II. 1782 Krippen im Kirchenraum aufzustellen, lässt sich nicht durchsetzen und es wird 1804 auch schon wieder aufgehoben.[1] Ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts erobert ein neuer Brauch aus dem Norden die Salons: der Christbaum, dessen Tradition somit wesentlich jünger ist als die der Weihnachtskrippen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Tradition, Krippen zu Weihnachten aufzustellen, wiederbelebt.[2]

Wachskrippe aus Wien-Stadlau

Krippen gibt es in den unterschiedlichsten Materialien, Techniken und Größen. Der Krippenaufbau und Figuren werden aus Brettern, Holz, Papier, Wachs, gebrannten Ton oder Elfenbein angefertigt, die allermeisten sind farblich gefasst oder bekleidet.

Ein besonderes Exemplar einer Weihnachtskrippe von ca. 1920/30 ist jene aus der simpelvelder Wachswerkstatt der Schwestern vom armen Kinde Jesus. Ein geschenktes Wachskindl an Clara Fey, der Ordensgründerin, war der Auslöser. Eine Mitschwester (Sr. Petra Schönstedt) beschäftig sich mit der Technik und bittet einen Künstler ihr Formen anzufertigen. Was zunächst nur für die Niederlassungen gedacht war, wird durch die große Nachfrage zu einem Exportartikel. Es bleibt nicht „nur“ beim Wachskindl. Im Wachsatelier stellen die Schwestern Wachskrippen her, die in keiner bürgerlichen Familie mehr fehlen durften. In der Chronik ist nach ihrem Ableben 1893 vermerkt: Zu Weihnachten gehen wohl alleweil siebzig große Kisten mit vollständiger Krippeneinrichtung nach allen Himmelsgegenden ab, der kleineren Sendungen von Krippen und Krippchen, Jesuskindchen u. dgl. In den mannigfachsten Darstellungen gar nicht zu gedenken. An denselben ist alles und jedes von der Hand der Schwestern geschehen, die man im Verlauf der Zeit dafür ausbilden ließ …[3]

Clara Fey gründet 1844 in Aachen den Orden Schwestern vom armen Kinde Jesus.[4] Bald darauf werden zahlreiche Niederlassungen in Österreich eröffnet. Um die Waisenhäuser und sich selbst zu finanzieren, unterhalten die Schwestern, neben dem Wachs-Atelier, eine Paramentenstickerei (liturgische Kleidung und Textilien).[5] Diese beginnt ursprünglich als Schneiderei, um ihren Eigenbedarf an Kleidung abzudecken. Die Produkte beider Werkstätten erfüllen rasch einen hohen handwerklichen und künstlerischen Anspruch, der sie über die Grenzen hinaus bekannt macht.

Die Arbeitsschritte, die für die Herstellung der Wachsfiguren nötig sind, sind im Museum Simpelveld bei Aachen in den Niederlanden dokumentiert. Kopf und Gliedmaßen werden aus einem Wachsgemisch in eine Form gegossen. Die Einzelteile werden aneinandergeschweißt und die Nahtverbindungen gesäubert und angepasst. Der Körper wird, je nach Größe, aus Pappe, Draht oder Holz gefertigt, mit Leinenstreifen umwickelt, mit Knochenleim stabilisiert und danach mit Kreide grundiert. Um 1900 beginnen die Schwestern Holzgestelle zu bauen und erzeugen damit bewegliche Gliederpuppen.[6] Anstelle der aufgemalten Kleider nähen die Schwestern in ihrer Paramentenstickerei die Kleidung dazu.

Jedes Jahr wird jene Weihnachtskrippe aus dem Wachs-Atelier Simpelveld der Schwestern vom Armen Kinde Jesus in der Klosterkirche Maria Frieden in Wien-Stadlau aufgestellt. In den „Coronajahren“ 2020 und 2021 konnte die Krippe auf Grund von Pandemie-Verordnungen in der Kirche nicht aufgestellt werden. Da der Stall zu groß ist und die Leute nicht mühelos vorbeigehen konnten, berichtet Landesoberin Sr. Beata Maria Inderin. 

[susanne barabas]

Quellen

[1]  Krippe, Wien Geschichte Wiki (Wien 2021); online unter:  https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/index.php?title=Krippe&oldid=812424.
[2] Lexikon für kirchliches Kulturgut, Hrsg. Arbeitskreis für Inventarisation und Pflege des kirchlichen Kunstgutes (Regensburg 2010) 135.
[3] Kirchenführer, Museum De Schat van Simpelveld, Niederlanden Simpelveld (o.J.) 25; online unter: https://deschatvansimpelveld.nl/wp-content/uploads/2020/08/ontwerp-DE.pdf.
[4] Clara Fey (1815-1894). Seligsprechung am 5. Mai 2018 in Aachen; in: https://www.ordensgemeinschaften.at/kultur/frauenorden/211-schwestern-vom-armen-kinde-jesus.
[5] In der Niederlassung in Wien - Döbling hatten die Schwestern vom armen Kinde Jesus von 1863-1983 eine Paramentenstickerei. Eine Werkstätte für Wachsobjekte hat es ausschließlich im Generalat in Simpelveld bei Aachen gegeben. 
[6] Kirchenführer, Museum De Schat van Simpelveld, Niederlanden Simpelveld (o.J.) 26; online unter: https://deschatvansimpelveld.nl/wp-content/uploads/2020/08/ontwerp-DE.pdf.

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