Kultur & Dokumentation

Maria in der Hoffnung

Die Darstellung von „Maria in der Hoffnung“ oder auch „Maria gravida“ ist ein seltenes Sujet innerhalb der gängigen Mariendarstellungen in der österreichischen Kunstgeschichte.

In Spanien ist das Fest „Mariae Erwartung“ traditionell stärker verankert und wird seit dem 7. Jahrhundert am 18. Dezember gefeiert und hat daher auch einen anderen Stellenwert in der Ikonografie.

Thematisch steht „Maria in der Hoffnung“ in der Tradition der Darstellung der „Anna in der Hoffnung“, als auch in zeitlicher und thematischer Nähe zur Heimsuchung, wo Maria ihre Cousine Elisabeth besucht, die gerade mit Johannes dem Täufer schwanger ist.

Die bildliche Darstellung „Maria in der Hoffnung“ tritt in Zusammenhang mit der „Unbefleckten Empfängnis der Maria“ zu Beginn der Neuzeit auf. Die Weiterentwicklung des Typus der „Unbefleckten Empfängnis der Maria“ führt schließlich im 17. Jahrhundert zur sogenannten „Maria Immaculata“, die zum wichtigsten Marienbild im Barock und Rokoko avanciert.[1] Und so wird sie hier auch präsentiert, im Typus der „Maria Immaculata“, wonach Maria auf einer Weltkugel stehend dargestellt wird, die gerade triumphierend eine Schlange zertritt. Ihr Kopf wird von Strahlen und 12 Sternen umgeben. Die Initialen IHS auf ihrem Bauch lassen keine Zweifel offen.

Maria ist von schwebenden Engeln und Engelsköpfen umgeben. Zwei Engeln halten über ihrem Kopf ein Spruchband mit dem Satz aus dem Prolog des Johannesevangeliums „und das word ist fleisch worden“ (Joh.1,1.14). Auf dem Spruchband sitzt mit ausgebreiteten Flügeln die Taube des Heiligen Geistes, darüber die hebräischen Worte, „Du bist derjenige, der“.

Die Farbgebung von Marias Gewand steht in einer langen bildlichen Tradition. Ihr Gewand ist entweder rot oder blau, oft auch beides. Während im Osten tendenziell das Obergewand Mariens rot gehalten ist, ist es im Westen meist blau, als Verweis auf die Himmelsfarbe. Das Ährenkleid, das die Gottesmutter hier trägt, ist ein Symbol der Fruchtbarkeit.

Der Maler dieses Bildes könnte das Gnadenbild „Maria zur Guten Hoffnung“ aus der Pfarrkirche St. Martin in Ohlsdorf (Bezirk Gmunden) als Vorbild für sein Werk vor Augen gehabt haben. Dieses Bild wurde von Christoph Matthäus Degenhart (auch: C. M. Doognhart, 1611-1676) für den Hochaltar gemalt.[2] An anderer Stelle wird er auch mit Werken in Seitenstetten in Verbindung gebracht und als Klostermaler von Garsten (Oberösterreich) genannt. Schon bei flüchtiger Betrachtung lassen sich zahlreiche Übereinstimmungen ausmachen.

Das Gemälde "Maria in der Hoffnung" stammt aus dem Karmelitenkonvent in Linz und wurde im Zuge der Inventarisierung des Sammlungsbestands wiederentdeckt.

[susanne barabas]

 

[1] Vgl. Sachs, Hannelore, Badstübner, Ernst, Neumann, Helga, Wörterbuch der christlichen Ikonographie, Regensburg 2004, S. 358, Sp. 2.

[2] Vgl. Schnöll, Stefan L., Gnadenbild „Mutter zur guten Hoffnung“. in: https://www.dorotheum.com/de/l/5782951/.

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