Digitalisierung des «Herbarium Florianense»

Als im Jahr 1917 der Kustos des Augustiner Chorherrenstiftes St. Florian Josef Ackerl 63 Flechten vom Kremsmünsterer Pater Hermann Patzalt fand, notierte er dazu am 22. März 1917: „In unserem Hause hört das Finden nicht auf“. Diese werden „sobald als möglich unserm Herbar eingereiht werden.“ Am 25. Juli 1917 starb er 54jährig.

Und so fand ich mich – ohne zu suchen – eines Tages vor den acht Kästen des „Herbarium Florianense“ und den darin befindlichen 40 Laden mit getrockneten Pflanzen. Über Vermittlung von Mag. Stefan Weigl, dem Leiter der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Linzer Biologiezentrums, begutachtete DI. Dr. habil. Martin Pfosser, der Leiter der botanischen Abteilung stichprobenartig das Herbarium, dessen Grundstein eine Schenkung des dritten Linzer Bischofs Sigismund Ernst von Hohenwart im Jahr 1825 war. Dabei kam schon das eine oder andere interessante Stück zutage.

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Der Erhaltungszustand der Sammlung, die immer wieder durch Schenkungen und Tausch erweitert wurde, ist sehr zufriedenstellend. Auch im Hinblick auf einen neuen Standort im künftigen Sachdepot, sollte die Sammlung einfach einmal fotografisch dokumentiert werden.

Ich erzählte dem befreundeten Gärtnermeister Sebastian Sandner von diesen Vorhaben und am 2. Jänner 2021 begann er mit seiner Frau die erste „Lade“ zu fotografieren. Seine Eltern, Gärtnermeister Werner und Brigitta Sandner, denen er davon berichtete, wurden neugierig. Aus „Neugier“ und „beruflicher Verbindung“ zu Pflanzen stellten sie sich für dieses Projekt zur Verfügung. Auf die Frage warum – „das fragen wir uns auch“ kommen Antworten: „Da entdeckt man interessante und auch weniger interessante Pflanzen, solche, die es wahrscheinlich gar nicht mehr gibt. Und nachdem wir einige Laden gemacht hatten, sind wir quasi süchtig geworden. Süchtig nach besonderen Exemplaren. Und in Corona-Zeiten ist diese Beschäftigung sehr entstressend und sehr entspannend.“

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So entdeckt man nicht nur Pflanzen vom Garten hinter dem Haus, dem Kapitelgarten, sondern Exemplare der Flora „rund um die Welt“ (Kilimandscharo, Java, Neuseeland, Brasilien, Norwegen und auch aus dem Prälatengarten des Stiftes). Momentan stehen wir bei Lade 17. Den größten Teil der bisher 8.008 Fotos machte das Ehepaar Sandner. Die Vornummerierung und die Vergabe der Inventarnummern liegen in den Händen von Dr. Bernadette Kerschbaummayr und dem Kustos. Die ausgedruckten Abbildungen füllen bis jetzt 22 große Ordner. An dieser Stelle sei Brigitta und Werner Sandner für ihr Engagement und den großen Zeitaufwand im Namen des Stiftes sehr herzlich gedankt.

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Bald dürfen wir Halbzeit dieses Projektes feiern. Vier der acht Kästen, die der damalige Stiftstischler Karl Gruber im September 1915 verfertigte, hat jetzt unser Mitarbeiter in der Stiftstischlerei Ahmad Latifi restauriert.

[Text und Fotos: Kustos Herr Harald R. Ehrl CanReg, Augustiner Chorherrenstift St. Florian]