Ein Schreibtisch mit Geschichte

Das Kloster der Barmherzigen Schwestern in Laab im Walde, einem kleinen Vorort im Nordwesten von Wien, konnte mit einem Schreibtisch von historischem Wert aufwarten: Niemand geringerer als der ehemalige Bundeskanzler Julius Raab erledigte dort seine Korrespondenz.

Wer sich die Landkarte des kleinen niederösterreichischen Ortes Laab im Walde ansieht, dem fällt sofort das Kloster der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul auf, das das Antlitz des Dorfes prägt. Die Ordensfrauen kauften 1879 die ehemalige Kaltwasserkuranstalt und nutzten es seither als Kloster, aber auch als Altenheim und als Exerzitienhaus.

Im Laufe der Jahre konnte der Konvent viele Gäste begrüßen. Der prominenteste Gast kam sogar zweimal auf Sommerfrische ins Kloster von Laab im Walde: Niemand geringerer als Dr. Julius Raab, von 1953 bis 1961 Bundeskanzler der Republik Österreich, verbrachte mit seiner Gattin 1957 und 1959 seinen Sommerurlaub im kleinen Ort im Wienerwald; das Gästebuch verzeichnet die beiden Eintragungen des damaligen Bundeskanzlers. Raab nutzte die Zeit für den einen oder anderen Spaziergang durch den Ort und den angrenzenden Wienerwald; noch heute erinnert in Laab die „Julius-Raab-Gasse“ an den Aufenthalt des prominenten Politikers.

Aber nicht nur erholsame Streifzüge, sondern auch viele Arbeitsstunden standen auf dem Tagesprogramm. Bundeskanzler Raab nutzte dafür immer einen bestimmten (sozusagen „seinen“) Schreibtisch, der in seinem Zimmer stand. Hier wurden Akten durchgesehen, Gesetze gelesen und Korrespondenzen erledigt.

barmhsrn laab 002Bild des ehemaligen Bundeskanzlers Julius Raab. (c) Barmherzige Schwestern

Das Zimmer, in dem Raab seine Erholungstage verbrachte, wurde später ihm zu Ehren das "Julius-Raab-Zimmer" genannt. Jetzt muss der Raum allerdings durch notwendige Umbaumaßnahmen eine andere Funktion erhalten. Doch was sollte die Ordensfrauen mit dem historischen Möbelstück tun?

Neues Zuhause gesucht

Generaloberin Sr. Cordula wandte sich an Karin Mayer, Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der Ordensgemeinschaften Österreich, und bat um Rat. Mayer empfahl, den Schreibtisch dem „Haus der Geschichte Österreichs“ (hdgeo) zu überlassen. Das Museum in der Hofburg lädt zeitgemäß und pointiert zur Auseinandersetzung mit der ambivalenten österreichischen Geschichte der Republik Österreich seit 1918 ein. Hier sollte der Schreibtisch des Julius Raab ein neues Zuhause finden.

20210210 raab schreibtisch 01 c hdgoe Lorenz Paulus 750"Haus der Geschichte"-Direktorin Monika Sommer übernahm von Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker den Schreibtisch von Julias Raab. (c) hdgoe/Lorenz Paulus

Gesagt, getan. Am 24. Jänner 2021 wurde das historische Möbelstück von Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker offiziell an hdgoe-Direktorin Monika Sommer übergeben. Zwei Tage später wurde es unter sachkundiger Leitung abgeholt und ins Museum transportiert; dort wird der Schreibtisch Teil einer Sammlung von "politischen Möbeln". "Ich freue mich, dass der Schreibtisch von Julius Raab, der Teil des kulturellen Erbes der Barmherzigen Schwestern war, nun sorgsam bewahrt bleibt und zukünftigen Generationen diese Geschichte weitererzählt werden kann", so das zufriedene Fazit von Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker.

[Robert Sonnleitner, Bereich Kommunikation und Medien der Ordensgemeinschaften Österreich]