Frühneuzeitliche Quellen zu Nonnen gesucht!

Als Stiftsarchivarin von Lilienfeld und Mitarbeiterin im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive Österreichs ist es mir ein Anliegen, nicht nur die Geschichte des eigenen Klosters zu erhalten, sondern eine Plattform zu schaffen, damit auch andere Klöster und Orden ihre Geschichte und ihre Geschichten bewahren können.

Das Projekt „Nuns and Monks – Prosopographical Interfaces (NAMPI)“ startete im Juni 2019 als Teil des „Go!Digital“-Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und ist am Institut für Geschichte der Universität Wien angesiedelt. Ich habe das Projekt gemeinsam mit Daniel Jeller von ICARUS eingereicht und leite es nun auch mit Herrn Jeller. Weitere Mitarbeiter sind: Patrick Fiska (Universität Wien) und Sebastian Stoff (Universität Graz).

Prosopographie, also die systematische Erforschung eines bestimmten Personenkreises, ist ein wichtiger Forschungsbereich in den Geschichtswissenschaften, weil sie es Forscherinnen und Forschern ermöglicht, eine Reihe wichtiger Fragen über historische Gesellschaften und das Leben von Menschen zu beantworten. Quellen über katholische Nonnen und Mönche aus der Frühen Neuzeit gehören zu den ergiebigsten, die in eine moderne prosopographische Datenbank umgewandelt werden können. Klösterliche Gemeinschaften waren immer eng miteinander verbunden, Nonnen und Mönche wiesen viele verschiedene geographische und soziale Hintergründe auf und die Daten über sie sind von sehr hoher Qualität und gut strukturiert.

NAMPI LogoLogo von NAMPI ("Nuns and Monks - Prosopographical Interfaces")

Die technische Grundlage von NAMPI ist eine semantische Verknüpfung prosopographischer Informationen. Neben verschiedenen technischen Vorteilen bedeutet dies vor allem, dass Aussagen über die Personen, die Ereignisse ihres Lebens und die daran beteiligten Parteien gemacht werden können, in den Quellen nicht explizit angegeben wurden. Das System kann z.B. aus der Tatsache, dass eine Person, die Abt des Zisterzienserklosters Lilienfeld in Niederösterreich war, ableiten, dass diese Person ein Mann, Mönch im Zisterzienserorden sowie ein Mitglied des geistlichen Standes im Allgemeinen war. Diese Schlussfolgerungen werden durch die Verwendung von verschiedenen, auf CIDOC-CRM, einem Standard zum Informationsaustausch von Wissensdaten, basierenden Ontologien möglich. Die so entstehenden Daten werden dann in Form einer einfach verwendbaren Computer-Schnittstelle (API) allgemein bereitgestellt und werden eine nachhaltige Nutzung der Personendaten, unter anderem in Form einer Website und eines Editors zur Bearbeitung eben dieser Daten, ermöglichen.

          Seite aus dem Professverzeichnis der Kartause Gaming (c) NÖLA,  Ständisches  Archiv,  Klosterakten Kt. 111.

Am Ende des Projekts soll NAMPI Daten von etwa 82.000 Personen aus bereits vorhandenen Datenbanken (z.B. ProDomo, Germania Sacra) sowie aus bisher unveröffentlichten Quellen wie beispielsweise einem bis jetzt unbekannten Professverzeichnis der Kartäuser in Gaming beinhalten. NAMPI wird dazu beitragen, das Leben der frühneuzeitlichen Nonnen und Mönche zugänglich zu machen!

Wir sind nun auf der Suche nach noch unveröffentlichten Quellen zu Personen aus österreichischen Frauenkonventen in der Frühen Neuzeit. Das können Professbücher, Catalogi, Nekrologien, Taufbücher oder Novitiatsbücher sein. Die daraus gewonnenen Personendaten werden in unsere Datenbank eingespielt und sind dann in der Folge online abrufbar. Ich möchte noch einmal festhalten, dass wir lediglich Daten aus der Frühen Neuzeit verwenden und keine Daten aus der Gegenwart!

Kontakt: Dr. Irene Rabl, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, https://nampi.icar-us.eu