Ordensnachrichten 2004/2 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2004/2


Zum 25. Propstjubiläum von Maximilian Fürnsinn CanReg

 

 

 

Zum Geleit


Dem Ersten Vorsitzenden der Superiorenkonferenz, Maximilian Fürnsinn CanReg, zum 25. Propst-Jubiläum

Mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche von Herzogenburg in Niederösterreich feierte der Erste Vorsitzende der Superiorenkonferenz, Propst Maximilian Fürnsinn, am 23. April 2004 sein 25jähriges Jubiläum als Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg. Vor 25 Jahren, am 18. April 1979, war der damals erst 39jährige zum 68. Propst des Stiftes gewählt worden.
Am 5. Mai 1940 in Herzogenburg geboren, lernte der junge Maximilian nach der Volks- und Hauptschule zunächst das Fleischhauerhandwerk, besuchte dann die Aufbauschule Horn und trat nach seiner Matura 1965 in das Stift Herzogenburg ein. Nach Abschluß der Studien wurde er am 2. September 1972 zum Priester geweiht. In Stift Herzogenburg wirkte er zunächst als Kaplan, Novizenmeister und Bauamtsdirektor.
Heute stellt Propst Maximilian seine Dienste in vielfältiger Weise in den Dienst von Kirche und Gesellschaft. Der Landeshauptmann von Niederösterreich, Dr. Erwin Pröll, würdigte ihn in seinem Grußwort nach dem Festgottesdienst als herausragende Priesterpersönlichkeit, die "mit Herz und Hirn" die Botschaft des Evangeliums vermittle. Er sei "eine Autorität im besten Sinngewählt des Wortes, ohne autoritär zu sein". Seit 1981 leitet Propst Maximilian die Niederösterreichische Äbtekonferenz sowie die Ordenskonferenz der Diözese St. Pölten. 1998 wurde er zum Ersten Vorsitzenden der Österreichischen Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften gewählt. Im Jahr 2000 übernahm er zudem das Amt des Großpriors des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. 2004 schließlich wurde er zum Obmann der erfolgreichen Tourismusinitiative Klösterreich gewählt. Mit den Herzogenburger Gesprächen und regelmäßigen Medientreffen in Stift Dürnstein setzt Propst Maximilian immer wieder Initiativen im Diskurs zwischen Kirche und Gesellschaft. Nicht zuletzt öffnet das Stift bei den "Niederösterreichischen Kindersommerspielen" Tausenden von Kindern seine Pforten.


Propst Maximilian Fürnsinn - "Weltkind und Prophet"

Grußwort des Generalsekretärs der Superiorenkonferenz, P. Erhard Rauch SDS

Der Ruf nach Spiritualität ist gerade in unserer Zeit, die sich oft durch nüchterne Wirtschaftsdaten darstellt, sehr eindringlich. Und doch gibt es eine gewisse Orientierungslosigkeit, da das Angebot unübersehbar ist. Nicht nur die Weltreligionen versuchen ihr Welt- und Gottesbild den Menschen durch alle Mittel, die die moderne Gesellschaft kennt, zu vermitteln, auch viele kleinere Gruppen bis hin zur Esoterik spielen auf dem Markt der Sinnangebote mit. Daher bekommt Spiritualität bisweilen einen Hauch des Exotischen, des Nicht-Wirklichen.
Da ist es geradezu erfrischend, mit Propst Maximilian einen erdverbundenen und vielleicht deswegen auch himmelberührenden Menschen zu erleben, der es in seiner Person schafft, hier eine Brücke zu bauen, die für den ganz normalen Christen begehbar ist. Er verlangt weder von sich noch von anderen religiöse Kunststücke, er zeigt, dass es möglich ist, im einfachen Alltag ein geglücktes christliches Leben zu wagen.
eine geradezu hartnäckige Standfestigkeit in der christlichen Normalität hat sicherlich auch eine Rolle gespielt, daß er 1998 zum Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs gewählt wurde. Damit stellte er sich neben seiner Aufgabe als Propst des Stiftes Herzogenburg in den Dienst aller männlichen Orden Österreichs. Und das sind nicht weniger als 85 Einheiten, mit ihren je eigenen Spiritualitäten.
Diese Verschiedenheiten in der Kirche Österreichs zum Klingen zu bringen, wenn schon nicht mit einer Stimme, so doch mit einer gewissen Harmonie, ist eine Kunst, die Propst Maximilian mit einem guten Schuß Humor bravourös meistert. Diese Stimme klingt aber nicht nur im katholischen Insiderbereich, sie wird auch gehört in den anderen christlichen Kirchen und in der sogenannten "Welt draußen", die aber für ihn nie einen anderen als den von Gott geschaffenen Lebensraum für die Menschen bedeutete.
So freuen wir uns, ihm zu seinem Jubiläum danken zu dürfen für seine geerdete Spiritualität, für seine verständliche und überzeugende Sprache, die den oft spürbaren Gegensatz zwischen Kirche und Welt überwindet. Wir wünschen ihm, daß er weiterhin die Klarheit seiner Worte so setzt, daß sie bestimmt, aber nicht verletzend wirken. Und wir wünschen ihm viele Hörer in den Diözesen, Ordensgemeinschaften, Ministerien, Wirtschaftsbetrieben und Kulturgemeinschaften, damit etwaige Gräben der Vorurteile erst gar nicht aufgetan werden.


Stifte als Biotope menschlich-religiösen Lebens

Predigt des Zweiten Vorsitzenden der Superiorenkonferenz beim Festgottesdienst

Das Stift Herzogenburg begeht heute ein großes Fest. Propst Maximilian, der 68. Propst des Stiftes, feiert zusammen mit der Stiftsgemeinschaft, mit der Stadt Herzogenburg, mit den zum Stift gehörenden Pfarren und mit vielen Gästen sein Silbernes Jubiläum. Ich verzichte hier auf das Auflisten der Leistungen und Verdienste des Jubilars, obwohl es vieles zu sagen gäbe .
Ich möchte ein wenig grundsätzlich über die Bedeutung eines Stiftes nachdenken, wie es das Chorherrenstift Herzogenburg für unsere heutige Zeit ist. "Die Orden sind Gemeinschaften in der Kirche und für die Kirche - im Dienst am Menschen", sagt Papst Johannes Paul II. Dazu hat sie Gott erstehen lassen. Es gibt vielschichtige und spannungsreiche Beziehungen zwischen Orden und Diözesen, zwischen Orden und Umland. Das war immer so. Trotzdem waren und sind die Stifte und Ordensgemeinschaften ein großer, nicht wegzudenkender Segen für Kirche und Land.

Orte des Lebens

Die alten klösterlichen Gemeinschaften haben den Standort für ihre Klöster und Stifte sorgfältig ausgesucht. Sie haben sie an schönen Orten gebaut, die das Lob Gottes gefördert haben, an verkehrsstrategisch wichtigen Punkten, oft an großen Pilger-, Handels- oder Durchzugswegen, an gesunden Orten mit guten, wasserreichen Quellen. Die Klöster haben das umliegende Land kultiviert, die Gemeinschaften waren Lehrmeister der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens, des Lebenswissens, sie waren Meister in der Vermittlung der Werte einer christlichen Lebenskultur.
Auch das Stift Herzogenburg liegt an einer Verkehrsader, zwischen Nord und Süd, West und Ost, und hat eine weite kulturell-religiöse Ausstrahlung. In neuerer Zeit hat sich die weitere Umgebung zu einer bedeutenden Industriezone entwickelt, mit einer erstaunlich politischen, auch gewerkschaftlichen Lebendigkeit. Immerhin befindet sich nicht weit von hier die Wiege der Sozialdemokratie. Die jüngste Herausforderung bringt das Zusammenrücken Europas: Der kommende Mitteleuropäische Katholikentag ruft uns dies nachhaltig in Erinnerung. Wir stehen am Vorabend der EU-Erweiterung, die neue Herausforderungen bringen wird. "Fremde" Völker und Religionen sind nicht mehr fremd, sie leben mit uns. Schon heute sind von der arbeitenden Bevölkerung der Umgebung von Herzogenburg immerhin an die 10 Prozent Moslems.
Wir stehen in einem umfassenden und in der Geschichte beispiellosen Veränderungsprozeß, dessen Ausgang noch offen ist. Die große europäische Wertestudie bestätigt, was wir im tagtäglichen Leben beobachten: daß sich die Werte, die für das gesellschaftliche Gefüge bestimmend sind, rasch verändern. Das menschliche Leben, ein bis jetzt unantastbarer Wert, kommt an seinen Rändern, am Anfang und an seinem Ende immer mehr in die Verfügungsgewalt des Menschen. Die Unauflöslichkeit der Ehe, der Sonntag, der Wert der Tradition wurden früher von niemandem in Frage gestellt. Heute geraten diese und viele andere Werte in Fluß. Neue Werte entstehen: der Wert der individuellen Freiheit und Ungebundenheit, der Selbstbestimmung, des allseitigen Informiertseins, der Mobilität, der Leistung, des Fortschritts. Unter diesem Druck sucht der Mensch mehr und mehr Entlastung durch Betonung der Familie, der Heimat, der Einfachheit. Diese Auseinandersetzung zieht sich bis in das menschliche Herz.
Die Stiftsgemeinschaften gewinnen in dieser Situation ganz neue Bedeutung. Sie werden zu Orten der Pflege alles dessen, was das menschliche Herz in der Tiefe als kostbar und unaufgebbar ahnt und fühlt. Augustinus ist hier der große Lehrer der Pflege der Kultur des Herzens. Die Stifte sind Orte, wo der Mensch als Mensch ernst genommen ist, wo das Leben und die Freude als solche im Vordergrund stehen. Denken wir an die große Veranstaltung des Herzogenburger Kindersommers: Was wird da den Kindern an Werten vermittelt? Sie erfahren eine geschwisterliche Gemeinschaft des Miteinander-Sprechens und -Spielens, des Aufeinander-Hörens und Füreinander-Sorgens. Sie erfahren Leben. All das nehmen die Kinder mit in ihre eigene Lebenswelt. Die Ausstrahlung besteht ja genau darin, daß Menschen etwas finden, was sie formt und prägt, was sie in ihre Lebenswelt mitnehmen und dort an verschiedenen Orten weiterpflegen.

Orte der Kultur

Klöster waren immer Zentren der Kultur und der Geistigkeit. Ich hatte das Glück, einen alten Kartäuserprior von der Valsainte in der Schweiz zu kennen. Warum, so fragte ich mich, suchen Politiker, Juristen und Wirtschaftstreibende, Literaten und Philosophen diesen weißgekleideten Mönch auf? Was suchen sie? Sicher nicht spezielles Know-how für ihren Bereich. Sie suchen die Begegnung mit einem Menschen, der in der Tiefe verankert, der aus einem tiefen Vertrauen auf Gott lebt und so ganz Ohr für sie sein kann.
Was suchen die Politiker, die Wissenschaftler, Künstler und Kulturtreibenden, Theologen und Psychologen in Herzogenburg? Ich denke, daß sie hier einen Ort finden, der sie inspiriert, daß sie Menschen mit ähnlichen Fragen antreffen; sie finden einen Ort der Begegnung. Die Gemeinschaft des Stiftes und ihr Propst sind hier entscheidend wichtig. Oben im Gang vor der Propstei hängen in einer imposanten Reihe an der Wand die Gemälde der Pröpste von Herzogenburg. Propst Maximilian ist dargestellt als schlichter Priester mit klarem, offenem Blick, lächelnd in einer offenen Tür stehend. - Ja, das suchen und finden die Menschen hier, eine offene Tür und einladende Gesprächspartner, sie finden einen Ort, an dem Kultur beheimatet ist, wo alles Sinn und Bedeutung hat und bekommt. Die Stiftskirche mit dem wunderschönen Hochaltar, mit ihrer herrlichen Orgel und diesem akzentuiert schlichten Marmor-Altar im Presbyterium ist selbst eine Botschaft mit dem Menschen im Mittelpunkt. Sie ist so etwas wie ein Tagebuch der Epochen und Generationen, ein Kristallisationspunkt von Tradition und Geschichte. Was sucht der Mensch heute, in unserer kurzlebigen Erlebnisgesellschaft und in der Wegwerfkultur oder -unkultur mehr als das Bleibende, die Heimat für die Seele, die Erfahrung von Sinn und Wert? Was sucht der Mensch mehr als die Begegnung mit Menschen, die Zeugnis geben von einer ganz anderen Dimension des Lebens, die vielen heute kaum noch zugänglich ist, die sie aber verborgen ahnen und nach der sie sich sehnen: die Dimension des Jenseits und Gottes? Hier können sich die Gewichte und Schwerpunkte des menschlichen Herzens wieder zurechtrücken und neu ordnen. "Die Liebe ist das Schwergewicht der Seele", sagt Augustinus.

Orte des Glaubens

Die Ordensgemeinschaften haben sich an bestimmten Orten niedergelassen, weil sie ganz dem Lob Gottes obliegen und den Menschen den Glauben an Christus verkündigen wollen. Sie leben in einer tiefen Liebe zu Gott und lehren diese den Menschen durch ihr gelebtes Zeugnis. Sie wenden alle Phantasie auf, um den Glauben zu wecken. Sie lehren die Menschen die Liebe zu den Heiligen, die sie selbst nachahmen und von denen sie sich den Weg zu Gott zeigen lassen. Die Menschen übernehmen wie selbstverständlich die Ideale ihrer Heiligen: Sie denken sich etwas, wenn sie den hl. Augustinus dargestellt sehen, wie er sein brennendes Herz Gott hinhält. Sie spüren, das hat etwas mit mir zu tun, sie spüren, daß ihr eigenes Herz in der Gegenwart Gottes ruhig wird. Die Erfahrung dieses Großen der Kirche lebt weiter: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott." Sie denken sich etwas, wenn sie den hl. Benedikt als den Mönchsvater mit seinen zum Himmel gerichteten Augen dargestellt sehen. Er richtet ihre eigenen Augen aus zum himmlischen Vater und die Menschen verstehen, daß sie Gebet und Arbeit verbinden sollen: Ora et labora. Oder wenn sie die Märtyrer dargestellt sehen, spüren sie, daß der Glaube und die Beziehung zu Gott, zu Christus nichts Selbstverständliches ist, sondern daß dieses kostbarste Geschenk der Gnade bewahrt und verteidigt werden muß, nötigenfalls mit dem Leben. Und wenn sie schließlich ihre geschätzten Priester und Mönche miteinander beten und Gott loben sehen und hören, erwacht in ihnen die Sehnsucht nach dem Himmel und nach der Hingabe an den lebendigen Gott und nach Gemeinschaft des Gebetes. Klöster sind Orte der Gottsuche, der Gotteserfahrung und Orte der Mystik, sie sind Heimat des Glaubens, Orte des religiösen, theologischen Fragens, der Kontemplation. Hier finden Menschen Orientierung bei Mitmenschen, die sich dieser Dimension des Lebens geöffnet haben. Was braucht unsere konkrete Kirche heute mehr als solche Lebenspunkte, solche Biotope menschlich-religiösen Lebens?

Mit brennendem Herzen, kämpferisch, kraftvoll und zäh

Lassen Sie mich die Gedanken zusammenfassen im Blick auf das Wappen von Propst Maximilian: Wir sehen im Wappen das brennende Herz des hl. Augustinus. Es steht für die grenzenlose Liebe Gottes, die sich im durchbohrten Herzen offenbart hat. Es steht für die unstillbare Sehnsucht des menschlich liebenden Herzens nach dem Geliebt- und Angenommensein. Es steht für die Erfahrung eines tiefen Sinnes für das eigene Leben, des Sinnes, der in Liebe besteht. Wir sehen die Darstellung des Georgskreuzes. Der hl. Georg ist der Stiftspatron und der heutige Tagesheilige. Er steht für den großen und kleinen Kampf gegen das Böse, drinnen und draußen, für die Auseinandersetzung mit den eigenen dunklen und abgründigen Seiten und für die Sehnsucht, diese wenigstens ein Stück weit zu besiegen. Und schließlich trägt das Wappen das Bild eines Stiers: Propst Maximilian kommt von der Fleischerzunft. Dieses Tier im Wappen steht für die Kraft und Zähigkeit in Arbeit und Leben und im Verfolgen von Zielen, es ist das Zeichen für Bodenständigkeit und Lebensgrundlage, für Beruf und Sicherheit.
Möge Gott, der Herr, dieses Stift, möge Gott das Leben und Wirken von Propst Maximilian segnen und mit seiner unendlichen Liebe und Huld begleiten, zum Segen für die Kirche und für dieses Land.

Hinweis: Unter dem Titel "Christus wohnt in uns?! Suche und Versuche" haben die Mitbrüder von Propst Maximilian eine Festschrift zusammengestellt, die im Stift Herzogenburg zum Preis von 10 Euro erhältlich ist.