Ordensnachrichten 2007/4 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2007 Heft 4

 
Geleitwort von Propst Maximilian Fürnsinn CanReg

Erster Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs


Diese kleine „Festschrift“ der Ordensnachrichten enthält eine Reihe von Beiträgen zum Ordenleben aus der Feder des langjährigen Provinzials der österreichischen Redemptoristen und Bischofsvikars für die Institute des geweihten Lebens und die Gemeinschaften des aopostolischen Lebens in der Erzdiözese Wien, P. Dr. Alois Kraxner. Äußerer Anlass ist, dass P. Kraxner aus Altersgründen sein Amt als Bischofsvikar zurückgelegt und in dem Jesuiten P. Dr. Michael Zacherl einen guten Nachfolger gefunden hat. Innerer Grund, die Fülle der profunden Beiträge P. Kraxners zum Ordensleben festzuhalten und auch für kommende Generationen fruchtbar zu machen. Es sind nicht viele Ordensleute in Österreich, die sich über die Mühen des Tages hinaus Zeit und Kraft nehmen, über ihre Lebensform und die Aufgaben der Orden in Kirche und Welt nachzudenken. P. Kraxner ist einer von ihnen. Über die Grenzen seiner Gemeinschaft hinaus verdanken ihm die Ordensleute in Österreich deshalb sehr viel.

P. Kraxner ist auch für die Österreichische Superiorenkonferenz ein Mann der ersten Stunde. Als sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) die Notwendigkeit zeigte, die angestrebte Erneuerung des Ordenslebens auf ein solides theologisches Fundament zu stellen, riefen die Ordensoberen eine engagierte Gruppe von Ordensfrauen und -männern zusammen. Dazu zählte neben dem Klosterneuburger Stiftsdechanten Michael Schmid, dem Jesuitenprovinzial P. Josef Czerwinski, die beide schon verstorben sind, und der vor allem in der ökumenenischen Arbeit höchst profilierte Ordensfrau Prof. Christine Gleixner von Anfang an auch P. Kraxner. Aufgabe war die Durchführung eines „Theologischen Tages“ für die österreichischen Ordensleute, aus dem dann seit dem Jahr 1966 die Herbsttagung der österreichischen Ordensgemeinschaften erwuchs. Von P. Kraxners Bemühen um eine zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens und seiner engagierten Suche, auf den Spuren des Wiener Stadtpatrons Klemens Maria Hofbauer das Evangelium neu zu verkünden, gibt nicht nur die ansehnliche Anzahl der Themen dieser Ordenstagungen Zeugnis, sondern auch die in diesem Heft gesammelten Beiträge.

Unter dem Generalthema „Aufbrüche, Umbrüche – wohin? Zur Entwicklung der Orden in nachkonziliarer Zeit“ umspannen die acht Kapitel des Heftes die ganze Bandbreite des Interesses und Engagements von P. Kraxner in den letzten 40 Jahren. Er schreibt über die Situation der Orden in der unmittelbaren nachkonziliaren Zeit, hält Rückbesinnung auf die „Gestalten am Ursprung“, äußert sich „rund um die Bischofssynode 1994 mit dem Thema Orden, spricht immer wieder von der Notwendigkeit, „das Evangelium neu zu verkünden“, fragt nach der Zukunft der Orden und gibt seinen Mitbrüdern - und nicht nur ihnen - „Ermutigungen, auf dem Weg zu bleiben“.

Tatsächlich zeigen sich vor allem in den letzten zehn Jahren, in denen P. Kraxner als Bischofsvikar die Sorge für die rund 130 Frauen- und Männergemeinschaften in der Erzdiözese Wien anvertraut war, in der Ordenslandschaft „einschneidende Veränderungen“. In einem Interview mit der Zeitschrift des Canisiuswerk (dieses Heft, Seite 158 f.) nennt P. Kraxner vor allem drei Punkte. Wegen des Nachwuchsmangels in vielen Gemeinschaften wurde die Führung der ordenseigenen Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime vielfach an Laien übertragen bzw. von anderen Trägerschaften übernommen. Dabei sei es durchaus gelungen, dass die Spiritualität der jeweiligen Gemeinschaft trotzdem weiter wirksam bleibt. Denn die Orden würden großen Wert auf die geistige Formung der neuen Führungskräfte legen. Eine weitere große Veränderung habe sich durch eine Reihe neuer oder auch Zweige älterer Gemeinschaften ergeben, die sich im vergangenen Jahrzehnt im Bereich der Erzdiözese Wien niedergelassen haben. Auch wenn manche dieser Gemeinschaften noch auf der Suche nach einer Struktur und nach der Gestaltung ihrer spirituellen Ausrichtung seien, werde hier doch etwas von der Beweglichkeit des Anfangs und der Attraktivität des Ordenslebens auch in unseren Tagen deutlich.
Eine dritte einschneidende Entwicklung sieht der P. Kraxner im Eintrittsalter der Ordenskandidaten. Bei vielen Menschen falle der Entschluss für ein Ordensleben erst im Alter zwischen 30 und 40 Jahren – nach dem Studium oder Berufseinstritt. Das habe Vor- wie Nachteile. Ältere hätten bereits prägende Lebenserfahrungen hinter sich und fügten sich meist schwerer in eine bestehende Gemeinschaft ein als noch „formbare“ junge Menschen. Dafür hätten diese mehr Elan, aber eben auch mehr Unbeständigkeit ...

Die Beiträge dieses Heftes lesen sich spannend. Sie geben ein Zeugnis von der manchmal atemberaubenden Entwicklung der Orden nach dem Zweiten Vatikanum und zugleich von der Spiritualität des Autors, der sich ganz auf sein Leben im Orden eingelassen hat, offensiv die oft bedrängenden Fragen der Zeit angeht und dort, wo eine Leerstelle ist, diese auch mutig offen lässt. P. Kraxner hat sich vielfältig engagiert, nicht zuletzt auch im Laienapostolat als Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion (KA). Durch eine Auswahl seiner „Kleinen Schriften“ unter dem Titel „Impulse“ hat diese ihm 1993 gedankt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, P. Kraxner auch für die vielen Impulse zu danken, die er den österreichischen Ordensgemeinschaften in vier Jahrzehnten gegeben hat. Mögen die Leserinnen und Leser dieser „Festschrift“ neue Freude an ihrer Berufung finden und ganz im Sinn des Autors auch den Mut und die Bereitschaft, sich von Gott bisweilen auf neue Wege führen zu lassen.

Herzogenburg, am 28. August 2007