Ordensnachrichten 2007/5 - Zum Geleit

ON 2007/5

 

Geleitwort von
Mag. Sebastian Bock

Redakteur der Ordensnachrichten

„Auf Christus schauen.“ Unter diesem Motto stand der Besuch Papst Benedikts XVI. vom 7. bis 9. September 2007 in Österreich. Anlass war das 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell. Bereits 1983 hatte sein Vorgänger, Papst Johannes Paul II., das Heiligtum der „Magna Mater Austriae“ besucht (vgl. ON 1983, Heft 6). In dieser Ausgabe der Ordensnachrichten dokumentieren wir die programmatischen Ansprachen des jetzigen Papstes bei der Vesper in Mariazell und bei seinem Besuch des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz im Wienerwald.

Ging es bei der Ansprache in Mariazell mehr um die Bedeutung der evangelischen Räte und ihre Rolle in der Nachfolge Christi zur Gestaltung der Welt, so stand in Heiligenkreuz die Faszination des Ordenslebens im Mittelpunkt. Ein Kloster soll nach den Worten des Papstes vor allem eines sein: ein Ort geistlicher Kraft. „Als geistliche Oase zeigt ein Kloster nämlich der heutigen Welt das Allerwichtigste, ja das einzig Entscheidende: dass es einen letzten Grund gibt, um dessentwillen es sich zu leben lohnt: Gott und seine unergründliche Liebe.“

Rund um den Papstbesuch wurden unter der Internet-Adresse „www.papstbesuch.at“ sowie in der deutschen Ausgabe des L'Osservatore Romano aktuelle Berichte über die Situation der Orden und der Kirche in Österreich gesammelt. Einige dieser „Augenblicksaufnahmen“ hält unsere „Nachlese zum Papstbesuch“ fest.

Im Vorfeld der 850-Jahr-Feier fand am 18. März 2007 in Mariazell ein ökumenisches Symposium zu mariologischen Fragen statt, bei dem Prof. Dr. Maximilian Liebmann über „Mariazell im Spiegel kirchlich-religiösen und politischen Lebens in Mitteleuropa“ gesprochen hat. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an den Beitrag des Superiors von Mariazell, P. Karl Schauer OSB, zu „850 Jahre Mariazell. Ein benediktinischer Ort?“ (ON 2007, Heft 2, Seite 80 bis 83).

Ein weiterer Höhepunkt war fraglos die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung vom 4. bis 9. September 2007 im siebenbürgischen Sibiu (Hermannstadt,   Rumänien). Das Thema lautete: „Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa.“ 60 von insgesamt 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kamen aus Österreich – gemeinsam mit der Eisenbahn, was besonders positiv vermerkt wurde. Der Wiener Kardinal Dr. Christoph Schönborn OP hatte der Delegation am Wiener Westbahnhof seinen Segen erteilt. International beachtet und ebenfalls positiv vermerkt wurde, dass die Österreicher als gemeinsame Gruppe auftraten, was sonst bei keinem anderen Land beobachtet wurde.
Am Anfang Europas standen Benedikt von Nursia, der „Vater Europas“ († 547), und seine Mönchsbewegung. Aus der Verpflichtung, Europa heute „eine Seele zu geben“, arbeiten die Orden am Aufbau des neuen Europa engagiert mit, und zwar – nicht zuletzt dank ihrer übernationalen Strukturen – mit großem Erfolg.

Mariazell und Sibiu: Beide wichtigen Ereignisse verbindet der Beitrag über „Gelebte Ökumene – Mariazell und Sibiu“ aus der Feder der „Mutter der Ökumene“, Prof. Christine Gleixner FvB, der langjährigen Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Er macht deutlich, dass Österreich, was die ökumenischen Beziehungen angeht, als Musterland gelten kann.

Die Orden in Österreich nehmen viele wichtige Aufgaben für Kirche und Gesellschaft wahr, etwa im Bereich der Schulen oder Krankenhäuser, aber auch in der Pfarrseelsorge. So werden rund 40 Prozent aller Pfarren in Österreich von Ordenspriestern betreut. Nicht nur aus chronologischem Interesse machen die Ordensnachrichten die beiden „Kirchenfeste“ in Mariazell und Sibiu zum Thema, sondern weil beide eine große Verpflichtung und eine wichtige Aufgabe mit sich bringen: das Studium der Texte und das immer neue Nachdenken über unsere Aufgaben als Ordenschristen in Österreich und im immer mehr zusammenwachsenden Europa. Dabei dürfe man freilich nicht übersehen, so der Vorsitzende der Österreichischen Superiorenkonferenz, Propst Maximilian Fürnsinn CanReg, dass das Evangelium nicht nur eine Botschaft zur kontemplativen Verarbeitung sei, sondern zur Durchdringung der Welt. Nicht zuletzt an dem jetzt selig gesprochenen Widerstandskämpfer, Märtyrer und Mitglied des Dritten Ordens des hl. Franziskus, Franz Jägerstätter (1907–1943), ist das deutlich geworden. Von Mariazell nach Sibiu, ich denke, die 7.500 Ordensfrauen und -männer in Österreich sind auf einem guten Weg.

Wien, im Oktober 2007