Ordensnachrichten 2009/1 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 1/2009


Geleitwort von P. Erhard Rauch SDS

Generalsekretär der Superiorenkonferenz

Die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs besteht 50 Jahre. Mit Dekret der vatikanischen Ordenskongregation wurde sie am 12. November 1959 offiziell errichtet. Das ist für uns ein Grund zur Freude, zum Feiern und zum dankbaren Rückblick. Die Wurzeln dieser gemeinsamen Konferenz der höheren Oberen reichen freilich bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 zurück, als wirtschaftliche Schwierigkeiten eine wachsende Zusammenarbeit der Stifte erforderlich machten. Das Ergebnis war die Gründung einer „Kämmererkonferenz“ sowie ab 1932 einer regelmäßig tagenden „Äbtekonferenz“.

Auch die Verfolgungssituation während des nationalsozialistischen Regimes und der Wiederaufbau nach dem Krieg erforderten von den Orden eine verstärkte Zusammenarbeit. Aber nicht nur die wirtschaftliche Not und ungeklärte rechtliche Fragen führten die Ordensleute zueinander. 1949 wandten sich mehrere Provinzobere an die Äbtekonferenz und regten einen Zusammenschluss aller höheren Ordensoberen an. Dabei bewegte sie vor allem die brennende Frage nach der Gestaltung des Ordenslebens in der Welt von heute.

Es fanden mehrere Zusammenkünfte statt, selbst Statuten hatte man bereits entworfen. Doch erst mit dem Entschluss, die Superiorenkonferenz formell zu errichten und um kirchlichenrechtliche Anerkennung anzusuchen, gewann das junge Unternehmen Stabilität. Seitdem nimmt die Österreichische Superiorenkonferenz immer mehr Aufgaben wahr, was die Zusammenarbeit der Orden und ihre Vertretung gegenüber der Bischofskonferenz, der Nuntiatur und den staatlichen Stellen angeht.

Das ganze Jahr 2009 wird im Zeichen unseres Jubiläums stehen. Den Auftakt bildete am 28. März im Stift Melk eine Begegnung mit ausländischen Ordensleuten, die in Österreich tätig sind. Die internationale Begegnung sollte auch in der Öffentlichkeit zeigen, dass in einer globalen Welt Menschen aus verschiedenen Kulturen gut zusammen leben und arbeiten können. „Sind wir noch katholisch?“, betitelte Universitätsprofessor Franz Weber, der selbst zur Ordensgemeinschaft der Comboni-Missionare gehört, seinen Impuls. „Haben wir eine solche Weite, dass wir all das, was in der Welt als Suche nach der Wahrheit beobachtet werden kann, aufzunehmen bereit sind?“ 

Zu Themen wie „Erbe und Auftrag“, „Ordensgemeinschaften in den Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts“, „Geschichte der Frauenorden in der frühen Neuzeit“ findet  vom 27. bis 30. April im Wiener Kardinal-König-Haus ein spannendes Symposium österreichischer wie internationaler Fachleute statt. Von ihrem Selbstverständnis her waren die Orden immer auch so etwas wie ein „Kontrapunkt“ zur herrschenden Zeitströmung und ein „Stachel im Fleisch der Kirche“. Viele Orden sind als Antwort auf konkrete Situationen oder Nöte gegründet worden. Bei dem Symposion soll das aufgezeigt werden, zugleich aber auch ein Schritt weitergegangen werden. Welchen konkreten neuen Zeitfragen wollen und müssen wir uns stellen?

Den Höhepunkt bilden dann der Festgottesdienst und der Festakt am 28. April im Stift Klosterneuburg. Hier wird uns ein Wort von Papst Johannes Paul II. begleiten: „Ihr sollt euch nicht nur einer glanzvollen Geschichte erinnern und darüber erzählen, sondern ihr habe eine große Geschichte aufzubauen. Blickt in die Zukunft, in die der Geist euch versetzt, um durch euch noch große Dinge zu vollbringen“ (Vita consecrata, Nr. 110). „Schritte in die Zukunft des Ordenslebens“ werden sich bei der Festveranstaltung die Präsidentin der Frauenorden Österreichs, Generaloberin Dr. Kunigunde Fürst OSF, sowie Abt Christian Haidinger OSB vom Stift Altenburg skizzieren.

Weitere Programmpunkte im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums sind u. a. die Beteiligung vieler Orden an der erfolgreichen „Langen Nacht der Kirchen“ am 5. Juni sowie am 19. Juni eine Sternwallfahrt der Orden zum Stift St. Florian in Oberösterreich. Vom 29. Juni bis 10. Juli werden viele Orden Schulklassen zu einem „Tag der offenen Tür“ einladen. Der Österreichische Ordenstag am 24. November zum Thema „Verkündigung in der Welt von heute“ im Wiener Kardinal König-Haus beschließt das umfangreiche Programm. Wie ist die Situation der Orden heute in unserem Land? Unsere 85 männlichen Ordensgemeinschaften zählen 1.520 Ordenspriester und 470 Ordensbrüder. 35 Prozent aller Priester in Österreich gehören einem Orden an. Über 5.000 Ordensschwestern beleben unser Land in den verschiedensten Einsatzbereichen, im sozialen Dienst, in Bildungseinrichtungen, in geistlicher Begleitung für Jung und Alt. Tatsächlich sind die Ordensleute in der Öffentlichkeit weitgehend nur für ihre Pfarrseelsorge sowie für ihre Schulen und Krankenhäuser bekannt. Österreich wäre ein Stück kälter, gäbe es nicht auch dieses andere Engagement, das oft erst dann ins Bewusstsein kommt, wenn eine Gemeinschaft ihren Dienst beenden muss. Werbekampagnen wie www.herrgottnocheinmal.at versuchen dieses einseitige Bild des Ordenslebens etwas zurechtzurücken.

Weitere Informationen zum Jubiläum und zum Ordensleben insgesamt geben die verschiedenen Einladungen und Presseaussendungen, unsere Homepage www.superiorenkonferenz.at sowie diese und die folgenden Ausgaben der „Ordensnachrichten“. Lesen Sie, kommen Sie, feiern sie mit uns! Sie sind herzlich eingeladen.