Ordensnachrichten 2010/2 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2010/2


Geleitwort von Sr. Patricia Erber SDS
Vizepräsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs

„Ordensleben in Europa: Geschichten der Hoffnung. Hoffnung für die Geschichte.“

Unter diesem Thema stand die 14. Generalversammlung der UCESM (der Union der Europäischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen/innen), die vom 8. bis 14. Februar 2010 in Tschenstochau – Polen stattfand. Knapp 60 Vorsitzende bzw. Generalsekretäre/innen aus 25 europäischen Ländern nahmen an diesem Treffen teil. Diese vertreten ca. 400. 000 Ordensfrauen- und Männer.
Österreich war vertreten durch P. Lorenz Voith CSsR (Zweiter Vorsitzender der Österreichischen Superiorenkonferenz) und Sr. Patricia Erber SDS (Vereinigung der Frauenorden Österreichs).

Die alle zwei Jahre stattfindende Generalversammlung dient vor allem dem Austausch von aktuellen Themen und Fragen sowie der Vernetzung und der gegenseitigen Stärkung und Ermutigung, wobei auch Hintergrundinformationen und Themen des Gastgeberlandes vorgesehen sind.

Wie schon eingangs erwähnt, stand die diesjährige Generalversammlung unter dem Thema: „Ordensleben in Europa: Geschichten der Hoffnung. Hoffnung für die Geschichte.“ Hauptreferent war der spanische Claretinerpater José Cristo Rey García Paredes CMF.
„Auch wenn es paradox scheint: Die Erfahrung der Verzweiflung ist der Schlüssel zur Entdeckung der Hoffnung, denn wenn alles dunkel ist, genügt ein kleines Licht, um wieder Hoffnung entstehen zu lassen. Wir leben, weil wir hoffen. Hoffnung besteht dort, wo die Wahrscheinlichkeit besteht, das Böse zu überwinden. Die Hoffnung von der Verzweiflung her zu denken, ist weise und realistisch. Die Hoffnung wird nur von denen geschätzt, die einmal verzweifelt waren. Und nur sie nehmen Gefahr auf sich und trotzen jeder Art von Schwierigkeiten, um zu verwirklichen, was sie erhoffen. Die Hoffnung wird als eine Intuition geboren. Es entfaltet sich in uns eine Bewegung, die uns in eine vertrauensvolle Beziehung zur Welt bringt. Diese Intuition bewirkt, dass wir etwas ersehnen; sie gibt diesem Ersehnen Macht und stellt uns eine lichte, wünschenswerte Zukunft vor Augen. Die Hoffnung macht unser Herz heiter, beruhigt unsere Ängste und lässt uns die Gegenwart ertragen, so schmerzvoll sie auch erscheinen mag.“ Soweit ein Auszug aus dem dreiteiligen Referat von P. García.

Der Inhalt seiner Ausführungen wurde für uns nochmals „leibhaftiger“ und „eindrücklicher“ erfahrbar durch den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers von Birkenau und Auschwitz. Trotz unsäglichem Leid, Ohnmacht und Verzweiflung gab es an diesem Ort Zeichen der Hoffnung, Menschen, die füreinander zum Zeichen der Hoffnung wurden, so unter vielen anderen Maximilian Kolbe und Edith Stein.

Die gemeinsame Tagung in Tschenstochau war für viele von uns ein Ansporn, eine Ermutigung trotz der aktuellen Krise, die das Ordensleben kennt und durchschreitet, immer wieder auch unsere ursprüngliche Sendung in den Blick zu nehmen: die Hoffnung unter den Menschen wachzuhalten und durch das eigene Lebenszeugnis Hoffnung für die anderen zu sein.

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke schreibt in seinen Überlegungen zur Glaubensverkündigung aus ostdeutscher Perspektive (siehe Seite 53): „Es braucht Glaubende, die gegenüber anderen in Glaubensdingen ihr Herz auftun und bezeugen, zu welcher Hoffnung sie berufen sind.“ Sollten wir Ordensleute uns von diesen Worten nicht besonders angesprochen fühlen, überzeugend, unaufgeregt, mit „Bodenhaftung“ und menschenfreundlich vom Glauben an Gott zu sprechen und was er in unserem Leben bewirkt? Was Bischof Wanke über die Kirche sagt, gilt genauso für die Orden: „Eine Kirche, die im Gottesgeheimnis fest verwurzelt ist, bleibt auch heute für die Menschen interessant!“

„Die Verzweiflung, die uns manchmal überkommt, darf nicht das letzte Wort haben. Sie kann ein Moment des Stillstehens sein, damit wir nachdenken, Fehler korrigieren und uns auf das Wesentliche konzentrieren. Dann aber muss man sich von neuem der Hoffnung überlassen“ (P. García).

Vielleicht überkommt uns angesichts so manch aktueller Situation eher das Gefühl der Verzweiflung, der Resignation. Möge es uns mit Gottes Hilfe, der in uns und durch uns wirken möchte, gelingen, uns auch wieder zu öffnen für die Hoffnung, für das neue Leben, das Er uns zugesagt hat.

Wien, im April 2010