Ordensnachrichten 2010/6 - Zum Geleit

ON 2010 Heft 6

 

Geleitwort ON 6/2010

Sr. M. Cordis Feuerstein OP
Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs

Als Vertreterin einer Mitschwester fuhr ich im Februar 2010 zur Jahrestagung der Frauenorden nach Vöcklabruck. Bei einigen Pausengesprächen ging es immer wieder darum, dass die Vereinigung dringend eine Generalsekretärin sucht. So kam es, dass mir nach einem Gespräch mit Sr. Kunigunde klar wurde: Diese Aufgabe ist wichtig und ich möchte es gerne machen. Da wir Dominikanerinnen in Marienberg/ Bregenz nur wenige Schwestern sind, begann dann die schwierige Zeit des Wartens, vielleicht auch Bangens, bis alles geregelt war und ich am 1. September 2010 meine neue Aufgabe als Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden (VFÖ) in Wien beginnen konnte.

Ich bin Dominikanerin, komme aus Vorarlberg und war zehn Jahre Rektor-Stellvertreterin im Österreichischen Hospiz in Jerusalem. Dort bin ich zahlreichen Schwestern begegnet, die mit vielen Fragen, Sorgen, Erwartungen in dieses Land Israel – wir nennen es das Heilige Land – gekommen sind. In vielen Gesprächen habe ich erfahren, wie schwierig die Situation der Schwestern und der verschiedenen Gemeinschaften ist. Mir wurde immer mehr bewusst, dass es nur gehen kann, wenn wir enger zusammenrücken. Diese Gespräche brachten eines ganz klar zum Ausdruck: Veränderung bedeutet Verunsicherung und macht Angst. Viele Fragen stehen an. Jerusalem habe ich als einen Ort erlebt, wo die Menschen, auch die Ordensleute offener darüber redeten – auch über ihre Sehnsüchte, Visionen und Hoffnungen.

„Hat Gott uns tatsächlich vergessen (vgl. Ps 77)?“, fragte der Kapuziner Fra Paolo Martinelli OFMCap beim Schweizer Ordenstag 2010. Es gibt bei uns in Europa nur wenige Berufungen. Warum ist das so? Haben die Kirche, das Ordensleben Konkurrenz bekommen? Woher sollen die Berufungen kommen? Unsere Familien werden kleiner. Unsere Bevölkerung ist überaltert. Die katholische Prägung durch den Dreiklang von Familie, Schule und Kirche verliert an Einfluss. Christsein ist nicht mehr selbstverständlich – also Krise! In einem Seminar über die Mystiker Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse haben wir vor Jahren als junge Schwestern und Brüder unsere Gruppenarbeit wie folgt zusammengefasst: Krisen sind Suchaktionen Gottes. Also hat Gott uns doch nicht vergessen? Mehr darüber können Sie im Referat vom Ordenstag in Bern lesen (S. 3 ff.).

Krisen rufen nach neuen Wegen, nach verstärktem Miteinander, nach direktem Kontakt. Schlagworte aus der Wirtschaft sind uns bekannt: Übernahmen, Fusionen, Kräfte bündeln, Änderung des Marketings, die Menschen wollen direkt angesprochen werden – Direktmarketing. Sie werden wohl fragen, was dies mit unserer Situation zu tun hat? Paulus sagt: „Prüfet alles, das Gutes behaltet“ oder das Gute kann übernommen werden – wenigstens in Ansätzen –, ohne es neu zu erfinden. Veränderungen sind also auch im Ordensbereich angesagt – nach innen und nach außen.

2008 haben Sr. Kunigunde Fürst als Präsidentin und Sr. Patricia Erber als ihre Stellvertreterin ihre Aufgaben in der Vereinigung der Frauenorden Österreichs übernommen und in der Ausgabe der Ordensnachrichten 2008/2 einen Schwerpunkt so formuliert: die Zusammenführung der beiden Vertretungen „Vereinigung der Frauenorden Österreichs“ und „Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs“ mit einem gemeinsamen Sekretariat in die Wege leiten. Aus der Erfahrung anderer Länder können wir lernen, dass die Orden so zu einer größeren Breitenwirkung kommen können.

Seit 1. Jänner 2011 befindet sich das Sekretariat der Vereinigung der Frauenorden zusammen mit der Superiorenkonferenz auf der Freyung. Dadurch werden unsere Kräfte gebündelt, Synergien genutzt, Doppelgleisigkeiten vermieden und die Kommunikation vereinfacht. Es geht um eine größere Breitenwirkung der Ordensge - meinschaften innerhalb der Kirche und der Gesellschaft. In der Krise neue Wege zu wagen ist unser Ziel und wir danken allen, die uns auf diesem Weg mit Gebet begleiten und mit uns arbeiten, mit uns denken und uns neue Impulse geben. „Zukunft aus der Hoffnung gestalten“: Das ist Programm und Aufgabe für uns als Vereinigung der Frauenorden und auch für alle unsere Gemeinschaften.

Wien, im Dezember 2010