Hebammen – Erste Helfer auf dem Weg ins Leben

Am 5. Mai wird auf der ganzen Welt der Internationale Hebammentag gefeiert. Hebammen wie Bettina Steindorfer und ihre Kolleginnen vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan geben der Frau schon in der Schwangerschaft Sicherheit und betreuen Frauen und ihr Baby auch nach der Geburt. „Diese Arbeit ist ein Privileg“, betonen auch Michaela Greiner und Miriam Kehrer, Hebammen bei den Barmherzigen Brüdern Linz.

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Bettina Steindorfer, MA ist leitende Hebamme am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan: Das Wunder der Geburt bleibt für sie immer ein Wunder. Fotocredit: HF Pictures Heike Fuchs

Hebamme: Frau des Vertrauens

„Das Herzstück der Hebammenarbeit ist die Betreuung der Frau während der Geburt. Unser Anliegen ist es, das Vertrauen der Frau in den eigenen Körper zu stärken, um ein individuelles und natürliches Geburtserlebnis zu ermöglichen“, erklärt die leitende Hebamme des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder St. Veit, Bettina Steindorfer, MA. Der natürliche Geburtsverlauf wird von der Hebamme überwacht. Die Geburt ist für die werdende Familie ein einzigartiger Moment, und die ersten gemeinsamen Lebensstunden mit dem Kind sind Grundlage für einen engen Bindungsaufbau. Bei Regelwidrigkeiten von Mutter und Kind ist jederzeit ein rasches Handeln und medizinisches Ein- greifen von Seiten des Ärzteteams rund um Prim. Dr. Freydun Ronaghi, MBA möglich.

Orientiert an den Wünschen der Mütter

Mit 700 Geburten jährlich ist das traditionsreiche Ordenskrankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit die drittgrößte Geburtenstation in Kärnten. Schwangere Frauen können auf optimale Unterstützung und Beratung vertrau- en. Von der Geburtsvorbereitung bis zur Nachsorge betreuen engagierte Hebammen die werdenden Mütter, um ihnen ein harmonisches Geburtserlebnis unter optimalen Sicherheitsbedingungen zu ermöglichen. Die Philosophie der Geburtenstation des St. Veiter Krankenhauses ist es, der Frau ein individuelles und selbstbestimmtes Geburtserlebnis zu ermöglichen und dies mit persönlicher und medizinischer Kompetenz zu begleiten.

Öle, Akupunktur und Homöopathie

„Sehr oft werden wir in der Geburtsvorbereitung und der Hebammenberatung nach natürlichen Möglichkeiten zur Unterstützung des Geburtsverlaufes gefragt. Es gibt dafür homöopathische Arzneien und ätherische Öle und Düfte, die zur Anwendung kommen, um der Gebärenden bei ihrem Geburtsarbeit zu helfen“, weiß die erfahrene Hebamme. Selbstverständlich können auch andere, ganzheitlich orientierte Methoden Anwendung finden, wie Homöopathie und geburtsvorbereitende Akupunktur.
Nach der Geburt wird dann ein ungestörter Hautkontakt ermöglicht. Für das erste Stillen und Anlegen des Kindes an die Brust wird der Mutter jederzeitkompetente Unterstützung angeboten.

Experteninterview mit Hebamme Bettina Steindorfer

Mütter erinnern sich oft ein Leben lang an die Stunden im Kreißsaal, für Sie und ihre Kolleginnen ist das Alltag. Was berührt Sie da immer noch?

Sehr berührend ist der Beziehungsaufbau zwischen Hebamme und werdenden Eltern. Den Frauen und werdenden Eltern beizustehen ist immer wieder ergreifend und die Zeit des Familie-Werdens sehr individuell. Wir sind bemüht Wünsche und Bedürfnisse der Frauen und Paare zu berücksichtigen - diesen unvergesslichen Moment der Geburt begleiten zu dürfen ist immer wieder eine Besonderheit.
 
Mit welchen Fragen oder Unsicherheiten kommen werdende Eltern häufig zu Ihnen?


Die häufigsten Unsicherheiten sind oft rund um das Thema Geburt. Frauen verbinden die Arbeit der Heb-amme hauptsächlich mit der Geburt, daher werden uns in dieser Richtung sehr viele Fragen gestellt. Seit einigen Jahren bietet der Mutter-Kind-Pass jeder Schwangeren die Möglichkeit, in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche eine einstündige Beratung durch eine Hebamme kostenlos in Anspruch zu nehmen. Das Gespräch mit der Hebamme kann der Frau dabei helfen, das Vertrauen in den eigenen Körper zu stärken und sich freudig auf die Schwangerschaft ein- zulassen.

Was passiert unmittelbar nach der Geburt?

Der Aufbau einer tief gehenden Bindung beginnt sofort nach der Geburt mit einem ersten sanften Körperkontakt. Das dadurch erzeugte Glücksgefühl wirkt wie ein lebenslanges emotionales Bindungsband.

Ich interessiere mich für eine Geburt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder – wo kann ich mich informieren?


An den „Informationsabenden für werdende Eltern“ stellt sich die Geburtenstation in St. Veit mit dem Team vor und gibt Einblick in die Betreuung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Zusätzlich werden auch die geburtshilflichen Räumlichkeiten gezeigt. Doch auch im Rahmen der Spezialambulanz für Pränatal-Diagnostik entsteht schon frühzeitig der Kontakt mit den werdenden Eltern und es wird die Möglichkeit geboten die Philosophie, Atmosphäre und das Angebot des St. Veiter Krankenhauses frühzeitig kennenzulernen.
 Informationsabend für werdende Eltern im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan jeden ersten Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr im Seminarraum außer an Feiertagen - dann findet die Veranstaltung eine Woche später statt; keine Voranmeldung notwendig.

„Diese Arbeit ist ein Privileg“

 „Ich würde die Arbeit nicht mehr hergeben. Es ist ein Privileg, die Eltern zu begleiten und man erhält so viel Dankbarkeit“, erzählen Michaela Greiner und Miriam Kehrer, Hebammen bei den Barmherzigen Brüdern Linz. Wenn Miriam Kehrer von ihrer Berufung spricht, fangen ihre Augen an zu leuchten. Man merkt, wie sehr sie ihre Arbeit liebt.
Seit zweieinhalb Jahren hilft sie bei den Barmherzigen Brüdern Linz Babys ans Licht der Welt zu bringen. Nebenbei arbeitet sie noch als „Wahl“-Hebamme. „Als Hebamme hat man mehrere Möglichkeiten. Man kann angestellt sein, Vollzeit oder Teilzeit, aber auch freiberuflich arbeiten. Dadurch lassen sich Familie und Beruf perfekt verbinden, speziell Hebammen die selbst Kinder haben, schätzen die Flexibilität dieses Berufes“.

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Michaela Greiner und Miriam Kehrer. Fotorechte: Barmherzige Brüder Linz

Denn eine Betreuung durch eine Hebamme ist nicht nur vor der Geburt auf jeden Fall zu empfehlen, sondern auch in den ersten Wochen danach. Besonders Jungfamilien beanspruchen immer öfter diesen Zusatzdienst. Dazu Michaela Greiner. „Sowohl die Vorsorge als auch die Phase nach der Geburt ist für werdende Mütter ein großes Thema. In den Wochen vor der Niederkunft versuchen wir, den Frauen ein realistisches Bild von der Geburt zu vermitteln. Wir zeigen Entspannungsübungen, Atemübungen und sprechen über mögliche Geburtsstellungen und Optionen bis hin zur Wassergeburt. Haben die Frauen dann geboren, helfen wir Ihnen bei Fragen zur Rückbildung, dem Stillen, Babypflege und Ernährung sowie dem Alltag mit den Neugeborenen im Allgemeinen. Dies stellt eine große Entlastung für die jungen Eltern dar“.
Ihre junge Kollegin ergänzt: „Natürlich stehen wir den Frauen während der Geburt die ganze Zeit zur Seite. Eine sehr verantwortungsvolle aber auch spannende und aufregende Zeit. Denn jede Geburt ist anders und daher stellen wir uns auf jede Mutter individuell ein. Dafür erhalten wir vor allem von den Frauen viel Dankbarkeit“.
Bei ausdrücklichem Wunsch für eine Hausgeburt übernimmt die Hebamme Vorsorgeberatung, Geburt und Nachbetreuung. „Wir sind dafür bestens ausgebildet und solange es keine Komplikationen gibt, ist auch kein Arzt zwingend notwendig“, erklärt Greiner.
Die Geburtenstation bei den Barmherzigen Brüdern verzeichnet rund 1.700 Geburten pro Jahr. Das Motto der Abteilung „Privat. Sicher. Individuell“ verdeutlicht die Philosophie der Abteilung: ein Umfeld zu schaffen, das medizinische Versorgung auf höchstem Niveau und eine familiäre, fürsorgliche Betreuung ermöglicht. Eine Ausrichtung, die der Berufung zur Hebamme mit den Anforderungen eines mittlerweile hochqualifizierten Berufs entgegen kommt.

Akademische Ausbildung auf höchstem Niveau

Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Hebamme an einer Fachhochschule, die mit dem akademischen Grad eines Bachelor of Science in Health Studies (BSc) abschließt. In Österreich ist dies an sieben Fachhochschulen möglich. Darüber hinaus gibt es an einigen der Fachhochschulen Masterlehrgänge. Dazu Miriam Kehrer: „In den drei Jahren wird theoretisches und praktisches Wissen aus Physiologie, Anatomie, Pathologie, Biologie, Gynäkologie, Pädiatrie, Neonatologie, Embryologie und Fortpflanzung vermittelt, zusätzlich wird das Erlernte bei zahlreichen Berufspraktika, während der die Studierenden alle

Nähere Infos gibt es unter: https://www.barmherzige-brueder.at/site/linz/medizinpflege/abteilungeninstitute/frauenheilkdgeburtshilfe
Sowie auf Youtube: Kanal: Barmherzige Brüder Linz, Film Geburt bei den Brüdern
Alles rund ums Thema Hebamme gibt es unter www.hebammen.at