Klimaanlagen belasten Immunsystem

Gerade wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke überrschreitet können Klimaanlagen ein wahrer Segen sein. Kühlt man dabei zu stark runter, kann das aber schnell zu Schnupfen oder Halsweh führen. Wie kann man sich davor schützen?

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Nicht nur ein Segen: Klimaanlagen im Sommer. (c) Pixabay

Spätestens seit Ausbruch der Coronapandemie ist die 15-Minuten-Regel bekannt: Nicht länger als eine Viertelstunde soll man sich mit Kollegen in Innenräumen ohne Frischluftzufuhr Face to Face besprechen, sonst steigt das Risiko, einen Krankheitserreger aufzuschnappen. Das muss aber nicht immer Corona sein, denn jeder von uns trägt Milliarden von Viren, Bakterien und Parasiten mit sich.

Im Sommer können vor allem Klimaanlagen rasch zu "Virenschleudern" werden: Durch die hohen Temperaturunterschiede fängt man sich verhältnismäßig leicht einen Schnupfen oder Halsweh ein.

Hohes Infektionsrisiko

„Ausschlagend für ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Klimaanlagen ist der starke Wechsel zwischen den Temperaturen“, erklärt Thomas Rasse, Oberarzt an der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen. Der Körper wird dabei stark gefordert, da er sich stets an seine Umgebungstemperatur anpassen muss – zum Beispiel von 34°C Außentemperatur auf 19°C im klimatisierten Raum. „In solchen Situationen ist man meist auch nicht optimal gekleidet, dann tut sich der Körper schwer beim Akklimatisieren.“ Solche Umstellungsschwierigkeiten sind für das Immunsystem eine Zusatzbelastung -  und somit Wegbereiter für virale Infekte.

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Thomas Rasse, Oberarzt der HNO-Abteilung am Klinikum Wels-Grieskirchen. (c) WEGR

Luftzirkulation verteilt Viren

„Ein weiteres Problem bei Klimaanlagen ist auch die Zirkulation im Raum – dies bedeutet bei mehr Menschen in einem Raum mehr Belastung durch Viren. Die Klimaanlage bewirkt eine verstärkte Verteilung im Raum: Je länger man sich im Raum aufhält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich den Keimen der anderen auszusetzen. Deshalb macht die 15-Minuten-Regelung Sinn, nicht nur hinsichtlich Corona, sondern auch in Bezug auf Influenza oder anderen Viren, welche die Atemwege befallen.“

Schnupfen und Halsweh durch kühle Räume

Durch die starke Temperaturschwankungen kann es schnell mal zu Schnupfen, Rachen- und Kehlkopfentzündungen kommen. „Besonders empfindlich reagieren Menschen mit einer allergischen Rhinitis, da ihre Schleimhäute bereits belastet sind“, so der HNO-Experte.

Eigene Fitness kann schützen

Ob man sich allerdings ansteckt oder nicht, darauf hat auch die eigene Fitness einen Einfluss. Meist dauert die „Verkühlung“ nur wenige Tage und bedarf keiner speziellen Behandlung. „Die Infekte sind in der Regel selbstregulierend. Helfen können bei Schnupfen entzündungshemmende und schleimhautabschwellende Nasensprays bzw. bei Halsschmerzen Gurgellösungen.“ Auch pflanzliche Präparate, die in der Apotheke oft rezeptfrei erhältlich sind, können unterstützend eingenommen werden. Wichtig ist auch, immer ausreichend Flüssigkeit gleichmäßig über den Tag verteilt zu trinken. „Das unterstützt die Arbeit der Schleimhäute, ansonsten werden die Sekrete im Nasen- und Rachenraum zähflüssig und können erschwert abtransportiert werden. Mit einer guten Flüssigkeitszufuhr lässt sich auch vorbeugend eine Bildung von Rissen in der trockenen Schleimhaut und somit das erleichterte Eindringen von Keimen verhindern.“ Auch Nasensprays mit Meerwasser zur Pflege und Befeuchtung wirken prophylaktisch und therapierend.

Achtung vor Superinfektion

Tritt Fieber auf oder dauert der Infekt mit deutlichen körperlichen Einschränkungen länger als eine Woche, sollte man den Arzt aufsuchen. Nimmt der Schnupfen einen schwereren Verlauf, kann eine bakterielle Superinfektion entstehen, die sich auch zu einer Nebenhöhlenentzündung, der Sinusitis, entwickeln kann. „Die Sinusitis ist meist mit Fieber und einem Druckgefühl in der Nasennebenhöhle verbunden.“ Bei einer Hals- oder Kehlkopfentzündung kann die Stimme belegt sein. „Wenn dieser Zustand für mehrere Wochen andauert, dann stellen Sie sich bitte beim HNO-Facharzt zur Abklärung vor, um ein nicht entzündliches Problem abzuklären.“

Mögliche Coronainfektion ausschließen

Rasse empfiehlt außerdem: „Hinterfragen Sie bei einer Infektproblematik der oberen Atemwege auch die Möglichkeiten einer COVID-19-Infektion und kontaktieren Sie bei Fragen 1450! Seien Sie auch bei kleinen Infektionen der oberen Atemwege wachsam und halten Sie vorsorglich Abstand zu Ihren Mitmenschen, tragen Sie in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz und desinfizieren Sie regelmäßig Ihre Hände! Aber keine Panik bei einmal Husten – es muss nicht immer Corona sein.“

Quelle: Klinikum Wels-Grieskirchen

 

[elisabeth mayr]