Neueste Generation, neueste Technik

Durch die Weiterentwicklung in der Roboterchirurgie der letzten Jahre ergeben sich zahlreiche Vorteile in der Operationstechnik: Dank hochauflösender Bilddarstellung in 3D werden Körperstrukturen und Instrumente räumlich um ein Vielfaches vergrößert dargestellt. Die flexibel einsetzbare Technik ermöglicht dabei hochpräzises Arbeiten auch in Bereichen, wo die Anatomie kaum Platz lässt. Davon profitieren vor allem urologische Chirurgen und ihre Patienten. Am Klinikum Wels-Grieskirchen kommt der da-Vinci-Operationsroboter seit rund zehn Jahren zum Einsatz.

 

KWG Roboterchirurgie Uro

Am Klinikum Wels-Grieskirchen kommt der da-Vinci-Operationsroboter seit rund zehn Jahren zum Einsatz. Vor allem urologische Patienten profitieren von der flexibel einsetzbaren Technik, welche hochpräzises Arbeiten auch in Bereichen, wo die Anatomie kaum Platz lässt, ermöglicht. (c) Robert Maybach

„Die Generation Xi des da-Vinci-Roboters ermöglicht uns neben einer noch besseren Bildtechnik und einer hochpräzisen und flexiblen Instrumentenführung auch Multi-Quadranten-Operationen bei gleicher Lagerung des Patienten“, erklärt Clemens G. Wiesinger, der seit Dezember 2019 das junge, motivierte Team der Welser Urologie mit modern ausgerichtetem, breitgefächertem Leistungsspektrum leitet. In der Praxis bedeutet dies für den Patienten einen geringeren Blutverlust, minimale äußerliche Schnittwunden und raschere Wundheilung. „Bei der Operation sparen wir Zeit und erreichen ein verfeinertes, hochpräzises Operationsergebnis, wobei gutartiges und intaktes Gewebe erhalten werden kann.“

Zentrum für Robotische Medizin

Am Welser Zentrum für Robotische Medizin wird der technische Assistent für Eingriffe der Urologie, der Gynäkologie und der Allgemeinen Chirurgie genutzt. Rund 300 Eingriffe, davon mehr als 220 urologische, werden jährlich am Klinikum Wels-Grieskirchen da-Vinci-assistiert durchgeführt. „Bei einer Vielzahl der urologischen Eingriffe gibt es bedingt durch die Konstitution des knöchernen Beckens wenig Spielraum. Hier kommt uns die innovative Technologie mit den abwinkelbaren Instrumenten und den sieben Freiheitsgraden der Operationswerkzeuge sehr entgegen“, so Wiesinger. Derzeit sind zwei zusätzliche urologische Chirurgen am neuesten Gerät in Ausbildung.

Gelernt und trainiert wird am Simulator. „Meist sind es Prostataoperationen, Teilentfernungen der Niere und Eingriffe am Harnleiter, die wir roboterunterstützt vornehmen.“ Unter der besonders guten Sicht kann auch gut rekonstruiert werden, zum Beispiel bei Nierenbeckenplastiken oder Harnleiterwiederherstellungen. „Das ist ein gewaltiger Unterschied zu früher, mit einem großen Vorteil für die Patienten“, so der Urologie-Primar.

Ein schambehaftetes Fach

Die urologische Ambulanz und die Spezialsprechstunden werden von Menschen aller Altersgruppen aufgesucht. „Unsere jüngsten Patienten sind Kinder, bei welchen wir zum Beispiel Fehlbildungen des Harntrakts abklären sowie kleinere chirurgische Eingriffe vornehmen“, erklärt Wiesinger. „Darüber hinaus sehen wir junge Erwachsene mit Steinerkrankungen und Hodentumoren, aber auch mit Harnwegsinfekten sowie neurologisch bedingten Krankheitsbildern. Ältere Patienten behandeln wir hauptsächlich aufgrund von Tumorerkrankungen und funktionellen Störungen.“ Allgemein gilt die Urologie als schambehaftetes Fach: „Wir wollen den Patienten die Angst nehmen: Bei uns kann man alle Beschwerden offen ansprechen. Wir reagieren auf die Anliegen unserer Patienten äußerst sensibel und können oft schon mit einfachen Methoden den Alltag der Patienten erleichtern.“ Etwa die erektile Dysfunktion zählt zu diesen Themen: „Auch hier sind wir genau der richtige Ansprechpartner.“ Generell rät Wiesinger allen Männern: „Gehen Sie ab 45 regelmäßig zum Urologen, nicht nur punktuelle, sondern vor allem Verlaufsuntersuchungen in den Werten sind wichtig, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Vor allem bei familiärer Belastung – suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Urologen!“

Die Zukunft der Urologie

„Die Urologie ist ein Fach der Zukunft, da wird sich noch viel tun!“, blickt der Welser Urologe voraus.

„Die Menschen werden heute immer gesünder älter. Aufgrund des medizinischen Fortschritts können heute selbst bei älteren, multimorbiden Patienten Eingriffe vorgenommen werden, die eine Verbesserung der Lebensqualität bringen.“ In der modernen Urologie sind viele verschiedene medizinische Therapien bei onkologischen Patienten möglich, Schlagwort zielgerichtete Therapien. Viele Therapieansätze sind heute kombinierbar, so tut sich ein breites Behandlungsspektrum auf, die Urologie entwickelt sich extrem spannend. „Auch wird der Patient zusehends informierter, der Arzt nimmt immer mehr eine beratende und lenkende Funktion ein, der aus seiner professionellen Sicht und dem Erfahrungswert heraus Therapieempfehlungen gibt.“

[martin gsellmann]