Das leistet die Neonatologie heute

Knappe 7 Prozent der neugeborenen Babys in Österreich sind Frühchen und kommen damit vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Auf was bei der Versorung zu achten ist weiß Martin Wald von der Neonatologie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Jährlich kommen dort rund 45 Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm auf die Welt.

KWG Neo Kanga 2018

Eine ganzheitliche Betreuung der Frühgeborenen-Familien steht im Mittelpunkt. (c) KWG

Nur etwa vier Prozent der Kinder erblicken das Licht der Welt zum errechneten Geburtstermin zum Ende der 40. Schwangerschaftswoche – die meisten Babys werden innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen davor bis zwei Wochen danach geboren. Wird ein Kind vor der Schwangerschaftswoche 37 entbunden, spricht man von einem Frühgeborenen. Im Jahr 2018 wurden in Österreich rund 6.200 Frühgeborene verzeichnet. Gemessen an den mehr als 85.500 Neugeborenen des Jahres entsprach die Anzahl einer Frühgeborenenrate von 7,3 Prozent. Frühchen-Experte Martin Wald und sein Team versorgen an der Neonatologie am Klinikum Wels-Grieskirchen jährlich rund 45 Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm. Wichtige Aspekte der modernen Neonatologie sind neben der Verbesserung der Lebensqualität eine ganzheitliche Betreuung und Begleitung der Frühgeborenen-Familien, bei der Eltern, Ärzte, Pflege und viele weitere Disziplinen mitwirken.

Durch immense Fortschritte in der neonatologischen Intensivmedizin wurde in den letzten Jahren ein Überleben von sehr unreifen Frühgeborenen möglich. „Mit Schwangerschaftswoche 23 scheint nun eine Grenze erreicht zu sein, die aufgrund der Lungenunreife nicht in absehbarer Zeit nach unten verschoben werden kann“, erklärt Martin Wald, ärztlicher Bereichsleiter der Neonatologie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Nachdem lange die Überlebensrate im Vordergrund stand, geht es heute primär um die Verbesserung der Lebensqualität. Besonders wichtig ist zu Beginn das Abwenden klassischer Probleme, wie Hirnblutungen, akuter Darmkomplikationen oder Erkrankungen der Netzhaut.

Familie im Mittelpunkt – So werden Eltern miteinbezogen

Im Rahmen einer Hochrisikoschwangerschaft startet die Begleitung der werdenden Eltern, zusätzlich zur überaus wichtigen geburtshilflichen Betreuung, bereits pränatal durch eine umfassende Beratung und Stationsbesichtigung. „Nach der Geburt liegt der Schwerpunkt neben Medizin und Pflege in der Stärkung der elterlichen Kompetenzen, der Vertiefung der Eltern-Kind-Bindung sowie entwicklungsfördernder und familienzentrierter Betreuung“, so Sarada Wagner, Stationsleiterin der Neonatologie und NIMCU (Neugeborenen-Intensivüberwachung) und Early Life Care Expertin am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Wir gehen individuell auf jedes Kind und jede Familie ein. Durch unsere interdisziplinäre Begleitung stabilisieren wir betroffene Familien in den oft schwierigen Situationen und versuchen, elterliche Anpassungs- und Belastungsstörungen abzuwenden. Eine solche ganzheitliche Begleitung sichert langfristige Behandlungserfolge und eine positive Entwicklung der Frühgeborenen.“

Neonatologie in Entwicklung

Auch setzen Experten heute alles daran, um Folgeprobleme der Frühgeburtlichkeit zu verringern. „Betroffene Kinder können vor allem Einschränkungen im Bereich der Motorik, des Hörens und Sehens, aber auch des Verhaltens aufweisen“, so Frühchen-Experte Wald. „Im Kleinkind- und Schulalter sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen zu beobachten.“ Ein zweiter Neo-Schwerpunkt ist derzeit die Minimierung der maschinellen Beatmung, um Lungenschäden und das Risiko für Infektionen zurückzudrängen. Auch ist die zunehmende Angleichung der internationalen Standards ein Meilenstein. Experten aller Länder haben die Möglichkeit, sich online schnell und unbürokratisch auszutauschen und Behandlungen abzugleichen. „Rund um den Globus existiert heute eine neonatologische Community, erfolgreiche Therapiekonzepte können sich zum Nutzen aller durchsetzen“, erklärt Wald.

Regionale Unterstützung für Frühgeborene und ihre Eltern

Mit der Betreuung ihres Frühgeborenen kommen auf die Eltern vielerlei Herausforderungen zu. Der 2013 gegründete oberösterreichische Verein Newbe kennt die Zusatzbelastungen und versucht entgegenzuwirken. Obfrau Petra Gasperlmair und ihr Team aus erfahrenen Kinderkrankenschwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, alle neonatologischen Stationen im Bundesland mit Informationsarbeit und gezielten Hilfsaktionen zu unterstützen. „Die meisten Eltern sind nicht darauf vorbereitet, dass ihr kleiner Schatz viel zu früh auf die Welt kommt. Plötzlich ist alles anders“, so Gasperlmair. „Mit unserer Vereinsarbeit unterstützen wir sie ein wenig in ihrem neuen Alltag. Unsere obersten Ziele sind dabei die Vernetzung mit Experten und Betroffenen mit Erfahrungswerten aus ähnlichen Situationen.“ Auch die Bewusstseinsschaffung für das Thema Frühgeburt in der Gesellschaft ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Quelle: Klinikum Wels-Grieskirchen

[elisabeth mayr]