Neue Hoffnung für Patienten mit alten Herzklappenprothesen

Das Klinikum Wels-Grieskirchen hat erstmalig die "Basilica Prozedur" in Österreich durchgefüht: damit kann ohne invasiven Eingriff eine neue Herzklappenprothese von der Leiste aus und ohne Öffnung des Brustkorbes implantiert werden.

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Der Patientin Anna P. geht es gut. Sie konnte wenige Tage nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen. Im Bild mit dem betreuenden Ärzteteam, V.l.n.r.: OA Dr. Martin Rammer, OADr. Michael Porodko, Patientin Anna P., Prim. Priv. Doz. Dr. Ronald Binder. (c) Klinikum Wels‐Grieskirchen

Biologische Herzklappenprothesen sind einem Alterungsprozess unterworfen. Wenn eine Herzklappenprothese nicht mehr richtig funktioniert, dann ist eine erneute Herzoperation wegen der Vernarbungen im Brustkorb und des fortgeschrittenen Alters mit einem höheren Risiko verbunden. Durch die Weiterentwicklung minimalinvasiver Methoden kann eine neue Herzklappenprothese heutzutage auch von der Leiste aus ohne Eröffnung des Brustkorbes in eine alte Herzklappenprothese implantiert werden. Eine neue Methode, die die alte Protheke modifiert, wurde mwurde am am 7. Februar 2020 erstmalig in Österreich durchgeführt.

Die 78-jährige Patientin hat vor vielen Jahren eine biologische Aortenklappenprothese erhalten. Diese wurde damals im Rahmen einer Herzoperation eingesetzt. Über die Zeit ist es sowohl zu einer erneuten Verengung als auch zu einer Undichtigkeit der Prothese gekommen, was sich bei der Patientin durch Luftnot und Brustschmerzen bemerkbar gemacht hat.

Es gilt abzuwägen

Die Situation der Patientin wurde im interdisziplinären „Heart Team“ bestehend aus Herzchirurgen und Kardiologen besprochen und gemeinsam festgestellt, dass eine erneute Operation am offenen Herzen für die Patientin ein zu hohes Risiko darstellen würde. „Aufgrund der speziellen Situation der Herzkranzgefäße der Patientin war auch eine minimalinvasive direkte Implantation einer neuen Herzklappenprothese in die alte Prothese mit einem zu hohen Risiko für eine Durchblutungsstörung des Herzens verbunden“, erläutert Ronald Binder, Leiter der Kardiologie und Intensivmedizin, am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Neuartige Vorgehensweise

Um die minimalinvasive Implantation einer neuen Herzklappenprothese, also mittels Kathetertechnik ohne Eröffnung des Brustkorbes zu ermöglichen, wurde von den Herz- und Gefäß-Spezialisten beschlossen, ein neuartiges Prozedere („BASILICA-Prozedur“) durchzuführen.

In einem mehrstündigen komplexen Eingriff hat das Team der Kardiologie Wels diesen Eingriff erfolgreich vorgenommen. „Es wurden von beiden Leisten und dem rechten Handgelenk aus fünf Katheter eingeführt und vorübergehend zwei Filter in die Halsschlagadern eingesetzt“, erklärt Binder das Prozedere. „Danach wurden zwei Segel der alten Herzklappenprothese am schlagenden Herzen durchtrennt und schließlich von der Leiste aus eine neue Herzklappe in die alte Prothese implantiert.“

Neue Hoffnung für Patienten mit alten Klappenprothesen

Der Patientin ging es nach dem Eingriff gut und sie konnte wenige Tage darauf das Krankenhaus verlassen. Dieser neuartige minimalinvasive Eingriff – in Fachkreisen unter „Doppel-BASILICA-Prozedur“ bekannt – ermöglicht mittels Modifikation der alten Herzklappenprothese, eine neue Prothese in die bestehende einzusetzen. Diese innovative Vorgehensweise ist ein weiterer Schritt in der minimalinvasiven Behandlung von Herzklappen und eine neue Hoffnung für Patienten mit alten Herzklappenprothesen.

Weiterführende Information

Mechanische und biologische Herzklappenprothesen

Man unterscheidet zwei Arten von Herzklappenprothesen: mechanische, die großteils aus Metall bestehen, und biologische Klappen. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Lebensdauer, sondern auch in einigen weiteren Punkten, was immer eine individuell auf den Patienten abgestimmte Auswahl erforderlich macht. Eine mechanische Prothese hat zwar eine sehr gute Haltbarkeit, weswegen diese bei jüngeren Patienten eingesetzt wird, sie erfordert aber eine lebenslange Blutverdünnung. Biologische Herzklappenprothesen haben im Vergleich eine weniger lange Haltbarkeit, doch sie machen keine starke Blutverdünnung nötig, weswegen diese bei älteren Patienten vorteilhaft sind.

Quelle: Klinikum Wels-Grieskirchen

[emayr]