Bei diesen Patienten wird die Grippe zum Risiko

Vorerkrankungen schwächen die Immunabwehr: Influenzaviren schwächen den Körper erheblich. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann die Grippe daher fatal werden, warnt Verena Wudy, ärztliche Leiterin der Notfallambulanz bei den Barmherzigen Brüdern Linz. Dies betrifft vor allem Kinder mit chronischem Asthma sowie Patienten mit Asthma bronchiale, COPD oder Herzproblemen. Bei letzteren ist das Risiko eines Herzinfarktes um das 6-fache erhöht. 

berger thomas

Thomas Berger, Kardiologe und Ärztlicher Leiter Barmherzige Brüder (c) Barmherzige Brüder

Unterscheidungsprobleme zwischen echter Grippe und grippalem Infekt

Einer aktuellen Studie der MedUni Wien können viele Menschen nicht zwischen einer „echten“ Grippe und einem grippalen Infekt („Verkühlung“, „Erkältung“) unterscheiden. Dies führt oft zu Verunsicherungen und Mythenbildung, auch beim Thema der Wirksamkeit der Grippeimpfung. Fakt ist: Während man sich vor einer Influenza mit einer Impfung grundsätzlich schützen kann, ist man den infektiösen Viren des grippalen Infekts nahezu schutzlos ausgesetzt. Allerdings trainieren Erkältungsviren die Immunabwehr, während Influenzaviren den Körper erheblich schwächen. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann eine Grippe daher fatal werden. 

Impfung verringert das Risiko eines Spitalsaufenthaltes 

„Patienten mit chronischen Erkrankungen, insbesondere Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD, einer Lungenerkrankung, empfehle ich die jährliche Influenza-Impfung besonders dringend. Geimpfte Patienten haben nachweislich eine geringere Anzahl an Spitalsaufenthalten. Zudem verringert eine Impfung in 37 Prozent der Fälle eine Verschlimmerung der Symptome“, erläutert Wudy. 

Die ärztliche Leiterin der Notfallambulanz weiter: „Gefährdet sind auch Kinder mit chronischem Asthma. Hier erhöht sich das Risiko, dass die Kinder auf Arzneimittel, die den Tonus der Bronchialmuskulatur senken, nicht ansprechen um 30 Prozent. Dies gilt auch für oral eingenommenes Kortison. Die Folge davon ist, dass es häufiger zur stationären Aufnahme kommt.“ 

Grippe erhöht Herzinfarktrisiko 

Auch für das Herz kann die Grippe gefährlich werden. Dazu Thomas Berger, Kardiologie und ärztlicher Leiter bei den Brüdern: „Das Risiko für das Auftreten eines Herzinfarktes ist in den ersten sieben Tagen nach einer Influenza-Infektion aufgrund der erhöhten Kreislaufbelastung um das 6-fache erhöht! Durch den erhöhten Sauerstoffbedarf bei gleichzeitig häufiger Lungenbeteiligung, einer Zunahme der Verklumpungsneigung des Blutes und einer Steigerung der Herzfrequenz kann es gerade bei Personen mit vorbestehender Herz-Kreislauferkrankung zu Problemen kommen. Die Grippeviren können aber auch direkt den Herzmuskel schädigen und selbst bei Gesunden zu einer akuten Herzschwäche aufgrund einer Herzmuskelentzündung führen. Erkrankte Personen sollten auf jeden Fall den Empfehlungen hinsichtlich ausreichender Flüssigkeitszufuhr und körperlicher Schonung folgen“. 

Grippeimpfung bei Risikopatienten empfehlenswert 

Bei sogenannten Risikopatienten, das sind Personen mit bekannter Herzerkrankung bzw. alle Personen über 65 Jahre ist eine jährliche Grippeimpfung auf jedem Fall zu empfehlen. So sinkt Untersuchungen zufolge bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, durch die Impfung die Sterblichkeit bzw. das Risiko für einen erneuten Infarkt um mehr als 50 Prozent. Auch das Schlaganfallrisiko wird deutlich gesenkt. 

Sowohl für Risikopatienten als auch für alle anderen ist es empfehlenswert, das Immunsystem zu stärken. Das kann man mit einigen einfachen Maßnahmen erreichen: ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, viel Gemüse und Obst sowie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, z.B. in Zitrusfrüchten, Paprika oder Sanddorn und mit Zink. Gute Zinklieferanten sind Vollkorngetreide und Milchprodukte. 

Wann wird eine Grippe ein Fall für das Krankenhaus? 

Prinzipiell lässt sich sagen, dass Patienten mit einer echten Virusgrippe in den meisten Fällen zuerst zum Hausarzt und dann ins Bett und nicht unbedingt in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehören. Es gibt aber auch Ausnahmen. Gerade bei älteren Menschen, chronisch Kranken oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem kann es mitunter zu lebensbedrohlichen Komplikationen, wie etwa Lungenentzündungen oder bakteriellen 

Superinfektionen, kommen. Diese gehören dann selbstverständlich in stationäre Behandlung. Auch wenn Patienten so geschwächt sind, dass sie nicht mehr selbstständig essen und trinken können oder längere Zeit über 40 Grad Fieber haben, ist ein Spitalsaufenthalt angezeigt. Normalerweise werden aber auch diese Patienten von ihrem behandelnden Hausarzt eingewiesen. 

Info Grippe und Sterbefälle 

Grippe beginnt plötzlich und ohne Vorwarnung. Normalerweise gesunde Menschen haben plötzlich hohes Fieber (bis zu 41°C), leiden an Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Hustenreiz. In der Regel ist die Krankheit nach spätestens 14 Tagen überstanden. 

Zwischen 600 und 5000 Patienten sterben jedes Jahr in Österreich an der Grippe. Die tatsächliche Zahl der Grippe-Toten ist jedoch schwer zu ermitteln. Die in der Statistik angegebenen Zahlen beruhen auf Berechnungen zur "Übersterblichkeit", der erhöhten Zahl von Sterbefällen während einer bestimmten Zeitspanne verglichen mit der zur selben Jahreszeit normalerweise erwarteten Sterblichkeit. Das bedeutet: Da in der Todesursachenstatistik das vom Arzt eingetragene Grundleiden, jedoch nicht die „unmittelbare Todesursache“ oder die „mit zum Tode führende Krankheit“ gezählt wird, werden durch Influenza mitverursachte Todesfälle hier nicht erfasst, sondern hochgerechnet. Diese Berechnungen stellen Schätzungen dar. Sie differenzieren nicht zwischen Todesfällen infolge von Grippe, von grippeähnlichen Viruserkrankungen oder wegen sekundärer Lungenentzündungen. 

Quelle: Konventhospital Barmherzige Brüder Linz

[mschauer]