Lernen im Krankenhaus

Digitalen Medien machen es möglich: Mit den direkt im Krankenhaus untergebrachten Heilstättenschulen hat das Klinikum Wels-Grieskirchen eine Möglichkeit gefunden, länger untergebrachte junge Patientinnen und Patienten am Unterricht teilnehmen zu lassen. Damit verlieren sie weder den Anschluss ans Lernen noch den Kontakt zu Freunden. Eine Erfolgsgeschichte. 

Klinikum Wels schulische Betreuung

Muss ein Kind für längere Zeit ins Krankenhaus helfen Tablet und Co. dabei, den Lernanschluss sowie Kontakt mit Freunden nicht zu verlieren. (c) Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann

Motto: Auch wenn ich krank bin: Ich gehör dazu!

Die schulische Betreuung im Krankenhaus wird in Kooperation mit der eigentlichen Stammschule organisiert. „Der Einsatz von neuen Medien hat sich hier bewährt, zum Beispiel bei Live-Schaltungen direkt ins Klassenzimmer oder beim Einsatz von Sprachlernprogrammen für Oberstufenschüler“, erklärt Karin Tikal. Als Lehrerin und Kunsttherapeutin unterrichtet sie in der Grieskirchner Heilstättenklasse. Die Initiative „IICC“ (Ill and Isolated Children Connected), unterstützt vom Land OÖ und dem Bundesministerium für Unterricht Kunst und Kultur, versorgte bereits ab 2006 die Klinikum-Schule mit den notwendigen Devices und einer Einbindung ins Schulnetz. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auch auf künstlerisches Gestalten und Präsentationsformen im Krankenhaus gelegt. Im Fokus stehen dabei digitale Fotografie und Video, diverse Applikationen für musikalische und bildnerische Erziehung sowie Moodle. Tablet und iPad helfen dabei, Schule und Krankenhaus zu vernetzen. So kann Lernen trotz Krankenhausaufenthalt gelingen und die Kommunikation zu Freunden reißt nicht ab. „Kinder und Jugendliche sollen das Gefühl haben: ‚Ich gehör dazu, ich bin sozial erwünscht, ich kann meinen Platz wieder finden …“, so Tikal. Bereits ab dem ersten Krankenhaustag ist der junge Patient in den Unterricht miteingebunden, außer die Erkrankung lässt es nicht zu. Dies gilt sowohl für schulpflichtige als auch ältere Schüler. Der Lernstoff für die Schüler im Krankenhaus kommt von der Stammschule. „Auch bei Schulabsentismus versuchen wir wieder zu integrieren. Außerhalb der realen Schulmauern gelingt das recht gut. Es wird dann durchaus hinterfragt, ob die Stammschule die richtige ist oder ob nicht ein Wechsel von Vorteil wäre“, erklärt die Lehrerin. „Neben der Schulvermeidung gibt es auch gegenteilige Extremfälle: Schüler, die zu gerne lernen und stets perfekt sein wollen. Dies trifft insbesondere auf anorektische Patientinnen zu. Wir versuchen, diesen hohen Lernstress zu reduzieren, indem Lerntempo und Lernmenge reduziert und Pausen eingelegt werden. Hier in Grieskirchen gelingt es gut, den Weg zurück in die Normalität zu finden.“ Gemeinsam mit den Heilstätten- und Stammschullehrern, den behandelnden Ärzten, Pflegepersonal, der klinischen Psychologie und der Sozialen Arbeit werden mit den Eltern Helferkonferenzen abgehalten. Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr in die Schule zu finden. Die gut vorbereitete Entlassung beinhaltet erste Schulprobetage in der Stammschule und nimmt Rücksicht auf die Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen zur Rückkehr in der sogenannten Übergangsphase.

Damit Medienumgang nicht krank macht

In Hinblick auf einen problematischen Umgang mit der digitalen Welt ist die Herausforderung, den vernünftigen Medienumgang gemeinsam zu üben. „Die Jugendlichen müssen wieder ein gesundes Gespür dafür entwickeln, was ihnen gut tut oder was sie überfordert“, so Tikal. „Aussparen und weglassen können wir die Medien nicht.“ Abgesehen vom strukturierten Einsatz der neuen Medien ist der Einsatz der Devices, insbesondere der unkontrollierte Einsatz der Handys, im Unterricht der Heilstättenschule nicht erlaubt. Von Anfang an sollen Eltern ihre Kinder beim Umgang mit den Medien begleiten und richtig einschätzen. „Generell ist es eine große Herausforderung, mit den Kindern und der Medienentwicklung mitzuwachsen“, unterstreicht die Pädagogin. „Man muss die Kinder auch selbst erklären lassen, was sie da eigentlich machen, manchmal kritisch hinterfragen, ist das überhaupt sinnvoll? Das braucht genau so viel Zeit, wie früher das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Diese Verantwortung kann man nicht abgeben.“ Wichtig im Medienumgang: „Bleiben Sie in Beziehung zu Ihrem Kind! Und bitte nicht vergessen: Der Medienkonsum der Eltern hat Vorbildwirkung auf die Kinder.“

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