Ärger und Angst - Emotionsregulation reduziert Probleme

Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Doch Menschen mit Autismusspektrumstörung haben Probleme, diese richtig zu deuten. Mindestens ein Prozent der Österreicher ist davon betroffen. Wie diesen am besten geholfen werden kann, darüber sprach Prof. Sven Bölte, Leiter des Zentrums für Neurodevelopmental Disorders am Karolinska Institut (KIND) in Stockholm und Hauptredner beim 4. Linzer Autismussymposium der Barmherzigen Brüder Linz.

 Prof Sven Bölte
Prof. Sven Bölte (c) Barmherzige Brüder Linz

 

„Viele Menschen mit Autismusspektrumstörung haben Probleme, die Emotionen anderer richtig zu deuten oder auch die eigenen Emotionen zu benennen. Zudem leiden sie an einer erhöhten sensorischen Empfindlichkeit, nehmen alltägliche Reize wie Geräusche, Licht und Gerüche viel intensiver wahr und sind damit oft überfordert“, bringt Prof. Sven Bölte, ein führender Experte im Bereich von Autismusspektrumstörungen und der Emotionsregulation, die für die Betroffenen belastende Situation auf den Punkt.

Verstärktes Weinen und Schreien sowie Schlafprobleme – Anzeichen von Autismus

„Frühe Zeichen sind starkes Weinen, häufiges Schreien oder Schlafprobleme. Die Kinder können auch nicht zur Ruhe kommen und reagieren auf Reize nicht so wie andere Kinder. In diesem Fall ist es ratsam, mit einem Kinderarzt über die Probleme zu sprechen“, so Bölte. Je früher die Anzeichen richtig gedeutet werden, umso früher kann mit einer Therapie begonnen werden, die den Betroffenen hilft, mit der Umwelt adäquat umzugehen. Neben dem Erlernen wechselseitiger Kommunikation ist der angepasste Umgang mit den eigenen Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil der Intervention. Von Bedeutung ist aber auch, dass das Umfeld Hilfestellung erhält, auf die Betroffenen richtig einzugehen.

Unangepasste Strategien der Emotionsregulation wie Gefühlsausbrüche oder Vermeidung steigern Ärger und Angst in sozialen Zusammenhängen, führen zu sozialem Rückzug und schränken so die Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten deutlich ein. Dementsprechend ist der fachliche und früh einsetzende Umgang mit Störungen der Emotionsregulation für die Entwicklungsverläufe betroffener Menschen von hoher Bedeutung.

Autistische Kinder brauchen Unterstützung der Pädagogen

Wichtig ist, dass Eltern, Kindergartenpädagogen oder später die Volksschullehrer in die Therapie integriert werden. „Die Kinder brauchen vor allen in den Zeiten der Übergänge, wenn sie in den Kindergarten oder die Schule kommen, besondere Hilfe und Aufmerksamkeit. Empfehlenswert wären ein bis zwei Vertrauenspersonen und ein strukturierter Tagesablauf. Es ist auch hilfreich, wenn sie in der Pause in der Klasse bleiben dürfen, damit sie vom Lärm nicht überfordert werden. Von Vorteil wäre auch ein Mentor im gleichen Alter, der sich um sie kümmert“.

Was wünscht sich Prof Bölte für die Zukunft? „Ich würde mir wünschen, dass man das vorhandene Wissen und die erlangten Erkenntnisse in allen Lebensbereichen verwirklichen können. Das würde die Probleme deutlich reduzieren“.