Gefühlskontrolle bei Autismus

Wenn Kinder mit sozialen Kontakten überfordert sind, mit Wut, Verzweiflung oder Rückzug reagieren, ihrem Gegenüber nicht in die Augen schauen oder sich schlecht trösten lassen, liegt der Verdacht nahe, dass sie an einer Autismusspektrumstörung leiden. Beim 4. Linzer Autismussymposium der Barmherzigen Brüder dreht sich alles um Emotionsregulation und Autismusintervention.

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Mindestens ein Prozent der Österreicher ist von einer Autismusspektrumstörung betroffen. (c) clipdealer, Barmherzige Brüder

 

Mit eineinhalb Jahren begann der kleine Marco sich plötzlich zu verändern, er zog sich immer mehr in sich selbst zurück und war draußen schnell überfordert. Er sprach auch nur ein paar Worte. „Da kam mir der Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Ich hatte das Glück, dann bei einem Pilotprojekt des ISSN dabei sein zu können, mittlerweile spricht unser Sohn altersgemäß“, erzählt eine betroffene Mutter.

Anzeichen früh erkennen

Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass gerade bei Kindern frühe Anzeichen richtig gedeutet werden müssen, um eine möglichst frühe Therapie beginnen zu können. Neben dem Erlernen wechselseitiger Kommunikation ist der angepasste Umgang mit den eigenen Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil der Intervention. Führender Experte im Bereich von Autismusspektrumstörungen und der Emotionsregulation ist Prof. Sven Bölte, Leiter des Zentrums für Neurodevelopmental Disorders am Karolinska Institut in Stockholm und Hauptredner auf dem Symposium. In seinem Einführungsvortrag wird er in die Thematik der Emotionsregulation einführen, Spezifika bei Menschen mit Autismus erklären und Möglichkeiten gezielter Intervention aufzeigen.

Prof Sven Bölte

Prof. Sven Bölte, Leiter des Zentrums für Neurodevelopmental Disorders am Karolinska Institut in Stockholm ist Hauptredner am Symposium. (c) Clipdealer, Barmherzige Brüder

In den weiteren Vorträgen werden durch MitarbeiterInnen des Autismuskompetenzzentrums des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie praktische Ansätze der Emotionsregulation beginnend vom Kleinkind-, über das Schul- bis ins Erwachsenenalter beschrieben und illustriert. Eine Podiumsdiskussion von ExpertInnen und BetroffenenvertreterInnen soll die Herausforderungen bewusst machen und auf Lösungsansätze in der Praxis hinweisen.

Emotionsregulation ist von großer Bedeutung

Mindestens ein Prozent der Österreicher ist von einer Autismusspektrumstörung betroffen. Diese geht häufig mit Besonderheiten des emotionalen Erlebens sowie Herausforderungen beim Umgang mit Emotionen einher. Unangepasste Strategien der Emotionsregulation wie Gefühlsausbrüche oder Vermeidung steigern Ärger und Angst in sozialen Zusammenhängen, führen zu sozialem Rückzug und schränken so die Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten deutlich ein. Dementsprechend ist der fachliche und früh einsetzende Umgang mit Störungen der Emotionsregulation für die Entwicklungsverläufe betroffener Menschen von hoher Bedeutung.

Wahrnehmung und Beeinflussung von Gefühlen, Denken und Verhalten steht im Mittelpunkt

Im Rahmen des diesjährigen 4. Linzer Autismussymposium der Barmherzigen Brüder am 10. Oktober steht die Thematik der Wahrnehmung und Beeinflussung von Gefühlen, Denken und Verhalten bei Menschen mit einer Autismusspektrumstörung im Mittelpunkt.

Die Fachtagung richtet sich an alle ExpertInnen im Bereich von Entwicklungsstörungen aus den Feldern der Medizin, Psychologie, Therapie und Pädagogik.