Medizin der Zukunft: High tech und High touch

Mahrer 120Die Digitalisierung verändert unser Leben und unsere Arbeitswelt radikal. Und das nicht in ferner, sondern in nächster Zukunft. Welche strategischen Fragen und ethischen Herausforderungen sich für das Gesundheitswesen daraus ergeben, dafür lieferte das 15. Hospital Management unter dem Titel „Total digital. Total gesund? Digitalisierung im Gesundheitswesen“ am 21. März 2018 im Studio 44 im 3. Wiener Gemeindebezirk Denkanstöße. 320 TeilnehmerInnen konnten die Veranstalter, darunter die Vinzenz Gruppe, begrüßen.

Über die „digitale Innovationschance für Gesellschaft und Gesundheit“ sprach Dr. Harald Mahrer, bis Dezember 2017 Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und davor Staatssekretär im Ressort. Mahrer ist designierter Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer. Die Digitalisierung habe zu einer ähnlichen Revolution geführt wie die Erfindung des Buchdrucks. Was wir oft in den Bereich von Science Fiction abtun, ist zum Teil schon Realität oder werde in kürzester Zeit Wirklichkeit werden und auch unser Gesundheitswesen massiv beeinflussen. Er nannte als Beispiele 3D-Druck, Vollkörpersensorik, künstliche Intelligenz. „Was wird sich entwickeln im Zusammenhang zwischen Mensch und Maschine?“, fragte Mahrer. Auf jeden Fall werden digitale Daten in unvorstellbarer Menge verfügbar sein. Diese zu verarbeiten und zu verknüpfen sei die große Herausforderung. Eine massive Veränderung von Arbeitsprozessen werde das zur Folge haben. „Fallen dadurch Jobs weg?“, stellte Mahrer die Frage in den Raum. Seine Antwort war ein klares „Nein, denn wir haben die Chance, die Zuwendungskomponente, das Menschliche auszubauen. Wo die Technik immer mehr dominiert, muss der Mensch umso mehr im Fokus sein. Die Realität von High tech gibt uns die Chance zum High touch.“

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Dr. Harald Mahrer, Präsident des Wirtschaftsbundes und designierter Präsident der Wirtschaftskammer, hielt den Eröffnungsvortrag. Foto: Vinzenz Gruppe /Kawka

Werden Menschen ersetzbar?

Georges T. Roos, der führende Zukunftsforscher der Schweiz, warf danach einen Blick voraus ins Jahr 2038. Was wird dann durch das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen anders sein? Der Anteil der alternden Bevölkerung wird ansteigen. „Wir verjüngen uns aber biologisch-medizinisch.“ In Europa werde die Bevölkerung schrumpfen, in Afrika rasant wachsen. Die Lebenserwartung nimmt weltweit zu. Roos: „Computer werden in Zukunft 80 Prozent der Funktionen erfüllen, die heute Ärzte erbringen.“ Sie könnten bessere Diagnosen erstellen, besser operieren, besser Arbeitsabläufe steuern ... Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt, die Forschung, unser soziales und privates Leben. Ein lückenloses Monitoring wird alle unsere Gesundheitsdaten binnen kürzester Zeit abrufbar haben. „Es gibt also in Zukunft ganz neue Player im Gesundheitswesen. Sie heißen Apple, IBM, Google … Wir werden zu Cyborgs, zu Mischwesen aus Biologie und Technologie und das Altern als „Krankheit“ wird immer besser heilbar.“

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320 Fach- und Führungskräfte aus dem Gesundheitswesen, der pharmazeutischen Industrie und dem medizinischtechnischen Bereich nahmen an der Veranstaltung teil. Foto: Vinzenz Gruppe /Kawka

Die Euphorie der digitalen Revolution bremste Dr. Gerald Lembke, einst einer der digitalen Pioniere in Deutschland, heute konstruktiver Digital-Kritiker. Das Resumee seiner Referats lautete: „Das Digitale darf das Soziale nicht verdrängen.“

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Die Veranstalter des 15. Forums Hospitalmanagement: DI Herwig Wetzlinger, Direktor der Teilunternehmung AKH, Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, Mag. Volker Schörghofer, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, und a.o. Univ. Prof. Dr. Johannes Steyrer, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie der WU-Wien. Foto: Vinzenz Gruppe /Kawka

Das 15. Forum Hospital Management 2018 wurde von der Vinzenz Gruppe, dem AKH Wien, dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der WU Wien veranstaltet.

[hwinkler]