Digitalisierung unterstützt pflegende Angehörige

AL1Q9815 120Die Betreuung und Pflege von Menschen zu Hause ist eine große Herausforderung und Belastung für die Angehörigen. Durch eine neue, web-basierte Applikation werden diese pflegenden Angehörigen jetzt organisatorisch und mit Wissen unterstützt. Die Elisabethinen unterstützen diese Idee ideell, finanziell und mit Know-How und haben sich deshalb am Start-Up-Unternehmen youtoo beteiligt. Das digitale Tool wird den PatientInnen und Angehörigen in ganz Oberösterreich im Ordensklinikum Linz und den Spitälern der gespag kostenlos zur Verfügung gestellt.

„Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause betreuen und pflegen brauchen jede Unterstützung, die sie bekommen können“, betonte Gesundheits-Landesrätin Mag.a Christine Haberlander im Rahmen der Pressekonferenz am 12. März 2018. Nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung in unserem Land wird dieser Bedarf im Bereich der Betreuung von älteren Angehörigen in Zukunft noch weiter ansteigen. „Die betreuenden Menschen brauchen sowohl organisatorische Unterstützung, als auch Zugang zu Pflege-Know-How. Digitale Lösungen können dazu einen ganz wesentlichen Beitrag leisten, insbesondere wenn die digitale Lösung mit der hohen Kompetenz der Profis z.B. aus den Krankenhäusern in Oberösterreich kombiniert wird.“
„Die bestmögliche Betreuung und Begleitung der Menschen, die zu uns in unsere Einrichtungen kommen, ist schon immer eines unserer ganz zentralen Anliegen“, sagt Mag. Raimund Kaplinger, Geschäftsführer der Elisabethinen Linz-Wien. Damit meint er insbesondere die Betreuung im heutigen Ordensklinikum Linz Elisabethinen, aber auch in den anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, die von den Elisabethinen betrieben werden. „Wir sehen besonders im Krankenhaus, dass zum Beispiel die gute Betreuung eines Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt immer weniger zur Selbstverständlichkeit wird, weil die familiären Strukturen sich verändern. Mit der Überleitungspflege und der Wissensvermittlung in der Pflegewerkstatt haben wir hier schon in der Vergangenheit unterstützende Angebote geschaffen. Wir wollen aber noch weitere Schritte in diese Richtung setzen.“

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Die Teilnehmer der Pressekonferenz v.l.n.r.: DGKP Margret Krebelder, Mag. Raimund Kaplinger, Mag. Christine Haberlander, Tina Hawel BSc. MA, Mag. Michael Matzner. Foto: Kraml Heinz/Land OÖ

Vor diesem Hintergrund wurden die Elisabethinen auf ein Start-Up-Unternehmen aufmerksam, das eine web-basierte Applikation zur Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen entwickelt hat. „Bei den Elisabethinen waren wir immer schon auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um Menschen zu begleiten, zu betreuen und zu unterstützen. In youtoo sehen wir ein digitales Tool, das genau das ermöglicht. Youtoo ist ein Tool, das die so wichtige menschliche Fürsorge vereinfacht. Das passt perfekt zu den Elisabethinen und deshalb haben wir uns an der youtoo GmbH beteiligt“, erklärt Mag. Kaplinger.

„Wer spielt Uno mit Oma“

„Mit den Elisabethinen haben wir einen strategischen Partner für die Weiterentwicklung unseres Tools als auch für seine gezielte Verbreitung gefunden“, freut sich Mag. Michael Matzner, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der youtoo GmbH. Seine web-basierte Applikation „youtoo.help“ entstand aus der persönlichen Betroffenheit von Herrn Matzner: „Ich habe meine Mutter zu Hause betreut und stand immer wieder vor der Herausforderung, Besuche von Verwandten und Bekannten zu koordinieren, jemanden zu organisieren, der mit meiner Mutter Zeit beim Uno-Spielen verbringt oder mit ihr zum Arzt geht. Das hat mich auf die Idee gebracht, diese organisatorische Aufgabe auf elektronischem Weg zu lösen.“ Daraus wurde das Tool youtoo.help.

Youtoo koordiniert die Freiwilligenarbeit im St. Barbara Hospiz

Eine der ersten Institutionen, die youtoo.help einsetzt, ist das St. Barbara Hospiz in Linz. „Von unserer Diplomsozialpädagogin Frau Witzeneder werden die Zeiten in den Kalender von youtoo eingetragen, wo wir als hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Bedarf für Freiwilligenarbeit sehen, also z.B. am späten Nachmittag, wenn die Besuche weniger und oft die Ängste mehr werden“, erzählt Margret Krebelder, Leiterin des St. Barbara Hospizes. „Die vier freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir derzeit haben, loggen sich ein, können einzelne Dienste übernehmen, und diesen Plan kann man dann z.B. wochenweise auch ausdrucken und aushängen.“ Die freiwilligen MitarbeiterInnen schätzen diese Möglichkeit, weil sie ihre Dienste auch kurzfristig auswählen können. Und für die Pflegenden im Hospiz bringt es den Vorteil, dass sie eine einfache Übersicht bekommen, wann sie Unterstützung durch Freiwilligenarbeit haben können. „In 1 ½ Jahren, wenn wir dann in ein eigenes Gebäude übersiedeln und auf 10 Betten aufstocken, werden wir auch die Anzahl der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöhen und dann wird dieses Tool für uns noch wichtiger, weil mit einer größeren Anzahl von Freiwilligen auch die Koordination immer arbeitsaufwändiger wird“, sagt die Pflegeleiterin. „Wir würden dieses Tool gerne auch Bewohnerinnen und Bewohnern im Hospiz zur Verfügung stellen, damit sie z.B. ihre Besuche planen und koordinieren können.“

Die Terminkoordination ist aber nur eine der nützlichen Funktionen von youtoo, wie Tina Hawel, Geschäftsführerin der Youtoo GmbH erklärt: „Eine ganz wesentliche Herausforderung in der Betreuung und Pflege von Menschen jeden Alters zu Hause, ist das oft fehlende Wissen. Pflegende Angehörige wissen oft nicht, wie sie ihre Angehörigen richtig pflegen oder wo sie die dafür nötigen Hilfsmittel bekommen. Und genau dabei wollen wir sie mit youtoo.help auch unterstützen.“ Sowohl Pflegefachwissen, das beispielsweise von den Elisabethinen zur Verfügung gestellt wird, aber auch Bezugsquellen und Hilfseinrichtungen in der unmittelbaren Umgebung werden den Anwendern künftig von youtoo zur Verfügung gestellt.

Ein Tool für ganz Oberösterreich

„Wir wollen youtoo allen Patientinnen, Patienten und Angehörigen im Ordensklinikum Linz und in den anderen Einrichtungen der Elisabethinen zur Verfügung stellen“, sagt Tina Hawel. „Wir laden aber auch alle anderen Player im Gesundheits- und Sozialbereich ein, dieses Tool ihren Patienten und Klienten zur Verfügung zu stellen.“
„Auch in den Spitälern der gespag werden wir youtoo unseren Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen in absehbarer Zeit zur Verfügung stellen können“, freut sich Landesrätin Haberlander. „Das erste Pilotprojekt dazu startet in Kürze im Landeskrankenhaus Rohrbach. Alle anderen Häuser der gespag werden dann folgen.“ Damit wird aus einer Idee eines Oberösterreichers ein Tool für alle Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher. „Ich freue mich sehr über die Kooperation der Elisabethinen mit dem innovativen Start-Up-Unternehmen youtoo GmbH und dass daraus ein Tool entstanden ist, das durch Digitalisierung einen wirklichen Nutzen für pflegende Angehörige in unserem Land stiftet.“