Plastischer Chirurg Tomas Kempny im Äthiopien‐Einsatz

Kempny 120Im Jänner 2018 reiste Tomas Kempny, Plastischer Chirurg am Klinikum Wels-Grieskirchen, nach Äthiopien. Seine Destination: das African Leprosy Research (ALERT) Hospital in Addis Abeba. Sein Ziel: möglichst vielen Menschen zu helfen. Der Spezialist für Mikrochirurgie leistete unter schwierigen Bedingungen medizinische Feinarbeit und rekonstruierte unterschiedliche Formen angeborener und erworbener Fehlbildungen.

Das ALERT‐Hospital ist spezialisiert auf Lepra‐Erkrankungen und deren Folgen. Die Mediziner dort sind vertraut mit angeborenen und erworbenen Fehlbildungen. Insgesamt existieren in Äthiopien allerdings zu wenige medizinische und therapeutische Einrichtungen, die entsprechende Behandlungen anbieten können. In der Bevölkerung besteht generell sehr geringes Wissen zu Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten. Stigmatisierung ist eine Folge davon. Tomas Kempny, Plastischer Chirurg am Klinikum Wels‐Grieskirchen, konnte sich selbst ein Bild davon machen: „Der Transport der Menschen zu den medizinischen Einrichtungen gestaltet sich äußerst schwierig. Äthiopien hat rund 105 Millionen Einwohner und 17 Plastische Chirurgen. Material für Behandlungen ist selbst zu zahlen, das schränkt den Zugang zur ärztlichen Versorgung weiter ein. Betroffene – darunter sehr viele Kinder – erhalten daher erst sehr spät oder kaum medizinische Hilfe.“

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Dr. Kempny war bereits im Oktober 2017 zur Begutachtung der Patienten in Addis Abeba. Mangelnde ärztliche Behandlungen, zum Beispiel von Frakturen, führen zum Absterben der Muskulatur. Fehlstellungen und eingeschränkte Handfunktionen wie bei diesem Jungen sind die Folge. © Tomas Kempny, privat

Ein Lächeln als Dank

Die englische Organisation „Haddis Agape Bell‘s Palsy Foundation“ koordiniert die medizinischen Hilfseinsätze. Hauptzweck des Projekts ist, vor allem Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Situationen einen Zugang zu medizinischen Leistungen zu ermöglichen und ihnen dadurch bessere Perspektiven zu geben. Tomas Kempny unterstützt das Projekt ehrenamtlich. Er operiert im Rahmen der vorhandenen technischen Möglichkeiten, instruiert und vermittelt Know‐how an seine Kollegen im ALERT‐Hospital. „Es berührt die Seele, wenn Menschen in dieser Form geholfen werden kann. Sie sind dankbar, auch wenn keine hundertprozentige Wiederherstellung möglich ist. Ein Lächeln reicht …“, beschreibt Tomas Kempny seine ganz persönlichen Erfahrungen. Seinen nächsten Einsatz im Mai 2018 hat er bereits geplant.

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Nächster Einsatz im Jänner 2018: Die OP‐Vorbereitungen laufen. Tomas Kempny und das Team des ALERT Hospitals operieren im Rahmen der vorhandenen technischen Möglichkeiten. Muskeln und Sehen wurden mikrochirurgisch operiert. Mit Sehnentransfers konnte das angestrebte funktionelle Ergebnis erzielt werden. Die rechte Hand des Jungen ist wieder funktionstüchtig. © Tomas Kempny, privat

Plastische Chirurgie gefordert

Tomas Kempny ist bekannt für Extremfälle. Gemeinsam mit dem Team der Plastischen Chirurgie im Rahmen der Abteilung für Chirurgie II meistert er am Klinikum Wels‐Grieskirchen immer wieder große Herausforderungen, wenn es darum geht, nach Unfällen, Infektionen oder Tumorentfernungen bzw. bei angeborenen Fehlbildungen, Form und Funktion (wieder) herzustellen. Die Voraussetzungen dafür sind meist schwierig, die Situation des Patienten kritisch, die Zeit für Planung und Abstimmung minimal. Es ist die Aufgabe der Plastischen Chirurgie, durch operative Eingriffe eine Rekonstruktion bzw. Optimierung der Körperform oder beeinträchtigter Körperfunktionen zu bewirken. Durch mikrochirurgisches Können werden kleinste Nerven und Gefäße angeschlossen und somit Finger und Gliedmaßen mit schweren Verletzungen versorgt und in weiterer Folge wieder hergestellt.