Verwirrtheit nach Operation: Krankenhaus St. Josef Braunau Vorreiter bei Delir-Vermeidung

Primar Neuhierl 120jpgDie Abteilung für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie unter Primar Dr. Florian Neuhierl setzt am Krankenhaus St. Josef Braunau neue Maßstäbe im Umgang mit Verwirrtheitszuständen nach einer Operation. Als erste Anästhesie-Abteilung in Österreich setzt sie nämlich das neue innovative PAD (Pain-Agitation-Delir)-Management nicht nur wie auch in anderen Häusern üblich auf der Intensivstation um, sondern erstmalig auch auf den Normalstationen.

Denn auch nach leichteren Operationen, wo die Patienten aus dem Aufwachraum wieder in ihr Spitalsbett kommen, können Verwirrtheitszustände auftreten. Nicht nur tiefe Vollnarkosen, sondern auch Teilnarkosen und Sedierungen können Delirien hervorrufen. Verwirrtheitszustände betreffen natürlich besonders ältere Personen, aber auch junge Menschen können betroffen sein. Die Folgen einer Nichtbehandlung eines Delirs können dramatisch und nachhaltig sein. Je früher ein Delir erkannt wird und je delirvermeidender Operation und Nachsorge ablaufen, desto besser ist es zu behandeln.

Delir-Management sehr vielfältig

Im Braunauer Krankenhaus setzt das Delir-Management schon vor der Operation an. Dabei werden die Risikofaktoren für Verwirrtheit erhoben. Ein Delir hat immer ein Bündel von Ursachen. Vor einer Operation werden jetzt in St. Josef auch kaum Beruhigungstabletten mehr verabreicht – Ausnahme sind sehr ängstliche Patienten –, um einen weiteren möglichen Faktor für die Entstehung eines Delirs zu vermeiden. Ein einfühlsames Arzt-Patientengespräch baut bei den meisten Patienten viele Ängste ab. Das Delir-Management ändert auch die Behandlung bei Patienten auf der Intensivstation. Danach ist der lange Tiefschlaf durch starke Sedierung nur mehr in besonderen Fällen angebracht, weil delirfördernd. Medizinisches Ziel ist  der wache, aufmerksame, schmerz- und angstfreie Intensivpatient. „Stay awake - stay alive“, so Prim. Neuhierl. „Je früher die Patienten wach sind, desto besser sind ihre Genesungschancen“.

Delir-Management jetzt auch auf der Normalstation

Häufig haben auch Patienten nach leichteren Operationen ebenfalls Delirsymptome, etwa starke Erregtheit, Bettflucht, Entfernen von Kathetern oder Herausreißen von Kabeln, oder sie sind völlig ruhig bis apathisch. Um auch da eine gute Delirbehandlung anbieten zu können, sind gut ausgebildete und sensibilisierte Pflegekräfte vonnöten. Sie müssen erkennen, ob überhaupt und wenn ja, welche Delirform vorliegt. Den Pflegekräften in Braunau wurden und werden im Delir-Management spezielle Fachreferate angeboten, dazu Schulungen und Workshops, diese sogar mit Schauspielern, die verschiedenste Delirarten wirklichkeitsgetreu nachspielen. Auch Delir-Scoring-Tools stehen den Braunauer Pflegekräften zur Verfügung, anhand derer sie eine gute Handhabe zur Diagnosestellung haben.
Eine Delir-Vermeidung hängt auch von einer ruhigen Umgebung nach einem Eingriff ab. Räumliche und zeitliche Orientierungshilfen wie gut sichtbare Uhren, Kalender, Fotos von Angehörigen werden in den Braunauer Krankenzimmern jetzt zur besseren und schnelleren Orientierung nach einer Operation Standard. Nur das gesamte umfangreiche PAD-Management verspricht letztendlich Erfolg bzw. kann nachhaltige und nicht mehr umkehrbare kognitive Langzeitschäden wie Desorientierung, Bewusstseinstrübung, eingeschränktes Denkvermögen und Gedächtnisstörungen verhindern oder zumindest minimieren.

Foto Teaser: Primar Dr. Florian Neuhierl. © marschall pr